Aktualisiert 07.01.2008 21:31

64 Prozent wurden schon gemobbt

Zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung sind schon einmal Opfer von Mobbing geworden. Noch weitaus dramatischer ist die Zahl derer, die im direkten Umfeld schon Zeuge von sozialen Angriffen wurden, ohne dagegen einzuschreiten. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage von 20minuten.ch.

64 Prozent aller Befragten geben an, dass sie schon einmal gemobbt wurden. Ein Drittel wurde nach Selbstauskunft sogar schon mehrfach Opfer solcher Angriffe. 63 Prozent wurden ausserdem nach eigenen Angaben schon mehrfach Zeuge offener oder verdeckter Anfeindungen im direkten Umfeld. Dies ergab eine nicht repräsentative Umfrage auf 20minuten.ch, an der sich über 2200 Internetnutzer beteiligten.

Die Schuldigen haben dabei oft nichts zu befürchten. Mehr als ein Drittel der Opfer setzt sich nicht aktiv zur Wehr, sondern hofft darauf, dass sich von selbst etwas ändert. Sie dürften in die Kategorie «typische Opfer» fallen, von denen mehr als zwei Drittel glauben, dass es solche prädestinierten Zielscheiben gibt.

Den Kollegen als Feind

Besonders betroffen sind demzufolge Beschäftigte im Gesundheitssektor und der Medienbranche sowie von Kirchen und gemeinnützigen Vereinen. Bei Bankangestellten und in der Industrie kommt es laut Umfrage etwas weniger häufig zu Mobbing. Über alle Branchen hinweg gleich ist hingegen, dass mehr als die Hälfte der gemobbten Personen von ihren Kolleginnen und Kollegen angegriffen werden.

In 30 Prozent der Fälle gehen die offenen Anfeindungen vom direkten Vorgesetzten aus. Obwohl mit vier Prozent relativ selten, kommt es dennoch auch vor, dass einzelne Mitarbeiter ihre Vorgesetzten anfeinden und sozial zusetzen.

Frauen bevorzugte Opfer

Während zwei Drittel der Männer angeben, schon einmal gemobbt worden zu sein, sieht die Bilanz bei Frauen deutlich schlechter aus. Vier Fünftel waren nach Selbstauskunft schon einmal Mobbing-Opfer. Gleichzeitig belasten zwischenmenschliche Spannungen Frauen deutlich mehr. Fast zwei Fünftel der betroffenen Frauen leiden unter Schlaflosigkeit, Albträumen, Unruhezuständen oder Konzentrationsproblemen. Von männlichen Betroffenen leiden 23 Prozent an diesen Folgen. An Platz zwei der Symptome stehen Depressionen, gefolgt von der Unfähigkeit, abschalten zu können.

Brodelnde Gerüchteküche

Mobbing kann sehr verschiedene Gesichter haben. An vorderster Front der Angriffe stehen laut Umfrage dumme Scherze und das «Nichternstgenommenwerden» von Kollegen, gefolgt von bösen Gerüchten und der Beschneidung des Verantwortungsbereichs. Auch Ausgrenzung oder gar sexuelle Annäherungen sind an der Tagesordnung der gemobbten Personen.

So unterschiedlich die Formen, so klar die Forderung der Betroffenen: 35 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die oder der Vorgesetzte Mobbing unterbinden und bestrafen muss. Professionelle Hilfe seitens Dritter oder gar den Gesetzgeber sehen demzufolge nur wenige als adäquate Massnahmen gegen die Unterdrückung.

Olaf Kunz, 20minuten.ch

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