22.06.2018 14:41

«Bündner Edelhahn»65 Franken fürs Poulet sind Schweizern zu viel

Viele Konsumenten wollen Fleisch von glücklichen Tieren. Nur wenige sind bereit, dafür zu zahlen. Im Fall des «Bündner Edelhahns» zu wenige. Das Projekt ist nun Vergangenheit.

von
kko
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Für das «Edelhahn»-Projekt wurde etwa die alte Rasse des Amrock genutzt. Hier beim Auslauf im im Albulatal.

Für das «Edelhahn»-Projekt wurde etwa die alte Rasse des Amrock genutzt. Hier beim Auslauf im im Albulatal.

Claudia Link
«Unsere Bauern hielten maximal 80 Hennen und Hühner, wogegen heute selbst Demeter-Bauern 2000 Tiere haben dürfen», sagt Freddy Christandl. Im Bild zwei Sulmtaler.

«Unsere Bauern hielten maximal 80 Hennen und Hühner, wogegen heute selbst Demeter-Bauern 2000 Tiere haben dürfen», sagt Freddy Christandl. Im Bild zwei Sulmtaler.

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Die Edelhahnreifung. Das Schlachten erfolgte von Hand und ohne Wasse. «So schlachtet man in einer Stunde höchstens zehn Tiere statt ein paar Hundert.»

Die Edelhahnreifung. Das Schlachten erfolgte von Hand und ohne Wasse. «So schlachtet man in einer Stunde höchstens zehn Tiere statt ein paar Hundert.»

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In der Schweiz soll es nur noch Bio-Fleisch geben, forderte Mitte Juni die Denkfabrik Sentience Politics. Per Volksinitiative will sie Standards festlegen, die mindestens den Anforderungen der aktuellen Bio-Suisse-Richtlinien entsprechen. So dürften etwa nicht mehr 18'000 Legehennen, sondern nur noch 2000 im Stall gehalten werden.

Anständige Hühner: Einer, der diesen Ansatz seit einigen Jahren wohl mit am radikalsten verfolgte, ist Freddy Christandl. Im «Chrueg» in Wollerau SZ machte er sich als Spitzenkoch einen Namen, später als Mitinitiator der «verrückten Bergkartoffeln aus dem Albulatal», schliesslich startete er das Projekt des «Bündner Edelhahns».

«Wirtschaftlich nicht tragbar»

Den müssen Christandl, sein Partner Ueli Heinrich und die involvierten Bauern nach sieben Jahren jetzt beerdigen. Das nach strengsten Regeln nachhaltig produzierte Poulet ist den Abnehmern, selbst in der Spitzengastronomie, offenbar zu teuer.

Er habe zur Einsicht kommen müssen, dass das Projekt finanziell nicht aufgehe: «Leider ist es derzeit wirtschaftlich nicht tragbar, Poulet nach diesen hohen Standards zu produzieren», sagt der Genusstrainer zu Salz&Pfeffer.

Fünfmal so teuer wie ein Industrie-Poulet

Die Gründe: «Der Edelhahn kostet pro Kilogramm fast 65 Franken, also fünfmal so viel wie Fleisch aus konventioneller Mast», sagt Christandl. Von allen tierischen Produkten seien Poulet und Eier wohl die, bei denen die Herdengrösse den stärksten Einfluss auf den Preis hat.

«Unsere Bauern hielten maximal 80 Hennen und Hühner, wogegen heute selbst Demeter-Bauern 2000 Tiere haben dürfen. Zudem verwerten alte Landrassen Futter anders als hochgezüchtete Masttiere. Sie erreichen ihr Schlachtgewicht erst mit sechs Monaten statt mit fünf bis sechs Wochen, was in unserem Fall auch damit zusammenhängt, dass sich die Tiere viel im Freien bewegen», beschreibt Christandl den Aufwand. Nicht nur ihre Lebensdauer, auch die Futterkosten erhöhten sich damit um das Sechsfache. Am Ende bringe ein Edelhahn plus minus drei Kilogramm.

«Eines Tages wird das funktionieren»

Die Schlachtung sei ebenfalls viel aufwendiger: In der Industrie würden die Tiere kopfüber an ein Förderband gehängt, maschinell geköpft und dann in einer Art Tumbler gerupft.

«Wir machten alles von Hand und ohne Wasser. So schlachtet man in einer Stunde höchstens zehn Tiere statt ein paar Hundert. Das alles hat seinen Preis, und es gibt zu wenige regelmässige Abnehmer, die ihn zu zahlen bereit sind», sagt Christandl.

Das Projekt aufzugeben, sei für ihn aber keinesfalls eine Niederlage. Die Zeit sei einfach noch nicht reif. «Ich bin überzeugt, dass diese Geschichte in einigen Jahren funktionieren wird.»

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