Aktualisiert 09.08.2011 18:47

Libyen-Krise65 Frauen und Kinder bei Angriff getötet?

Bei einem NATO-Angriff in Libyen sollen 33 Kinder und 32 Frauen getötet worden sein. Die NATO hat die Anschuldigung zurückgewiesen. Es habe aber Opfer bei einem Angriff auf ein militärisches Ziel gegeben.

In der Nacht kam es zu heftigen Explosionen in Tripolis. Bei einem Angriff der NATO sollen zahlreiche Zivilisten getötet worden sein.

In der Nacht kam es zu heftigen Explosionen in Tripolis. Bei einem Angriff der NATO sollen zahlreiche Zivilisten getötet worden sein.

Libyen hat der NATO vorgeworfen, bei einem Luftangriff in der Nacht zum Dienstag Dutzende Zivilisten getötet zu haben. Die NATO wies diese Darstellung zurück, machte aber keine Angaben zur Zahl der Toten.

Ein Sprecher von Machthaber Muammar Gaddafi sagte, unter den 85 Toten seien 33 Kinder und 32 Frauen. Es sei eine Ansiedlung von Bauernhöfen in der 150 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis gelegenen Ortschaft Madschar getroffen worden. Die Gaddafi-Regierung rief eine dreitägige Staatstrauer aus.

Die NATO ihrerseits gab bekannt, es sei ein legitimes militärisches Ziel angegriffen worden, um die Zivilbevölkerung vor Regierungsangriffen zu schützen. Ziel sei eine Sammelstelle gewesen, die von Regierungstruppen zum Angriff auf Zivilisten genutzt werde. Das Bündnis verfüge über keine Hinweise, die auf getötete Zivilpersonen hindeuteten. Es dürfte aber sehr wahrscheinlich Tote gegeben haben, darunter Söldner.

Ein Reuters-Korrespondent wurde von libyschen Regierungsvertretern in ein Spital in Slitan geführt. Er berichtete von 20 Leichensäcken allein in einem Raum. In einem befand sich die Leiche eines etwa zweijährigen Kindes.

Die NATO unterscheide nicht zwischen Soldaten, Kindern und alten Menschen, sagte der in dem Spital arbeitende Medizinstudent Abdulkader Al-Hawali. Madschar liegt in der Nähe von Slitan, wo die NATO-Truppen Angriffe auf die Regierungstruppen fliegen.

NATO verteidigt Angriff auf TV-Anlage

Die NATO musste sich auch für einen früheren Angriff in Libyen rechtfertigen. Es gebe keine Hinweise darauf, dass es beim Luftangriff Ende Juli auf eine Sendeanlage des libyschen Fernsehens Tote gegeben habe, sagte NATO-Sprecherin Carmen Romero am Dienstag in Brüssel.

Ausserdem sei die Militärallianz nicht absichtlich gegen Journalisten vorgegangen. Ziel des Angriffs am 31. Juli seien Geräte gewesen, «die dazu genutzt wurden, zu Angriffen auf Zivilpersonen aufzustacheln».

Nach offiziellen libyschen Angaben wurden bei dem Luftangriff drei Journalisten getötet und 15 weitere verletzt. Internationale Journalistenverbände hatten den Angriff umgehend kritisiert. Am Montag hatte auch die Generaldirektorin der UNO-Kulturorganisation UNESCO, Irina Bokowa, den Angriff verurteilt. (sda)

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