Studie der Uni Basel - Mobilfunkstandard 5G würde an der Urne durchfallen
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Studie der Uni BaselMobilfunkstandard 5G würde an der Urne durchfallen

Eine Studie der Universität Basel zeigt, dass es in der Schweiz grosse Unterschiede in der Risikoeinschätzung von 5G gibt. Bisher gab es keine Daten dazu, wie sehr das Mobilfunknetz die Gesellschaft polarisiert und was die psychologischen Ursachen dafür sind.

von
Alexia Mohanadas
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Laut einer Studie der Universität Basel schätzt eine Person das Risiko von 5G als hoch ein, wenn sie weniger Vertrauen in die Behörden hat.

Laut einer Studie der Universität Basel schätzt eine Person das Risiko von 5G als hoch ein, wenn sie weniger Vertrauen in die Behörden hat.

«Bisher gab es noch keine empirischen Daten, wie sehr 5G die Gesellschaft tatsächlich polarisiert, und was die psychologischen Ursachen dafür sind», so der Psychologe Renato Frey von der Universität Basel.

«Bisher gab es noch keine empirischen Daten, wie sehr 5G die Gesellschaft tatsächlich polarisiert, und was die psychologischen Ursachen dafür sind», so der Psychologe Renato Frey von der Universität Basel.

Die Meinungen zum Mobilfunkstandard 5G gehen in der Schweizer Bevölkerung auseinander. Die einen befürworten die neue Technologie und die anderen befürchten negative Auswirkungen auf die Gesundheit. 

Die Meinungen zum Mobilfunkstandard 5G gehen in der Schweizer Bevölkerung auseinander. Die einen befürworten die neue Technologie und die anderen befürchten negative Auswirkungen auf die Gesundheit.

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Darum gehts

  • Laut einer Studie der Universität Basel schätzt eine Person das Risiko von 5G als hoch ein, wenn sie weniger Vertrauen in die Behörden hat.

  • Die Studie wurde mit knapp 3000 Teilnehmenden Ende 2019 durchgeführt.

  • Das Forschungsprojekt wurde finanziell unterstützt vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) und dem Schweizerischen Nationalfonds.

Die 5G-Thematik ist emotional und spaltet die Gemüter: Eine repräsentative Studie der Universität Basel mit knapp 3000 Teilnehmenden Ende 2019 zeigt nun, dass es in der Schweiz grosse Unterschiede in der Risikoeinschätzung von 5G gibt. Die Meinungen zum Mobilfunkstandards 5G gehen in der Schweizer Bevölkerung auseinander. Die einen befürworten die neue Technologie und die anderen befürchten negative Auswirkungen auf die Gesundheit.

«Bisher gab es noch keine empirischen Daten, wie sehr 5G die Gesellschaft tatsächlich polarisiert, und was die psychologischen Ursachen dafür sind», so der Psychologe Renato Frey von der Universität Basel. Die Studie zeigt auf, dass eine Person, die das Risiko des Mobilfunkstandards 5G als hoch einschätzt, weniger Vertrauen in die Behörden hat. Auch das Gefühl, hilflos der Strahlung ausgesetzt zu sein, führt zu einer höheren Risikowahrnehmung, wie Frey im Fachmagazin «Psychological Science» schreibt.

52 Prozent hätten 5G an der Urne abgelehnt

Die Studie ergab, dass rund zwei Drittel (65 Prozent) mit 5G ein mittleres bis hohes Risiko verbinden, und ebenso viele sagten, dass sie nur einen geringen bis gar keinen persönlichen Nutzen für sich selbst sehen. 61 Prozent stuften den Nutzen der Technologie für die Gesellschaft als hoch ein.

Ein spannendes Detail: Wäre zum Zeitpunkt der Umfrage Ende 2019 über 5G abgestimmt worden, hätten 52 Prozent ein «Nein» in die Urne geworfen.

Frey befragte im Februar 2020 nochmals dieselben Studienteilnehmenden wie Ende 2019. In der Zwischenzeit hatte das Bundesamt für Umwelt (BAFU) einen umfassenden Expertenbericht mit wissenschaftlichen Fakten zu 5G präsentiert. Frey teilte die Stichprobe in Gruppen ein, die das Informationsmaterial entweder in Kurz- oder Langform oder gar nicht erhielten.

5G-Kritiker lassen sich durch Fakten nicht beeinflussen

Dieses Feldexperiment zeigte, dass der Expertenbericht die Risikoeinschätzung der Probanden im Durchschnitt nicht beeinflusste. Das heisse aber nicht, dass die persönliche Meinung zu 5G in Stein gemeisselt sei, gibt Frey zu bedenken. «Das Wissen über eine Technologie ist bloss einer der Faktoren, die mit der Risikowahrnehmung zusammenhängen. Zudem wurde diese «Intervention» bewusst dezent gehalten. Zukünftige Informationskampagnen und die Risikokommunikation zu 5G allgemein könnten natürlich pointierter gestaltet werden.»

Bei der Studie sei es nicht darum gegangen, dass eine hohe Risikowahrnehmung prinzipiell schlecht sei, betont der Psychologe. «Es ging darum, die Mechanismen zu verstehen, wie es überhaupt zu einer Polarisierungen der Risikowahrnehmung kommt.» Ein grundlegendes Verständnis der psychologischen Mechanismen sei hilfreich, um informierte Debatten über den Nutzen und die Risiken von neuen Technologien wie 5G zu fördern.

Das Forschungsprojekt wurde finanziell unterstützt vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) und dem Schweizerischen Nationalfonds. Der Schlussbericht des Projekts auf Deutsch ist auf der Webseite des BAFU verfügbar.

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