Aktualisiert 02.10.2019 07:29

Kinderpornografie und Drogen650 Polizisten stürmen illegalen Cyberbunker

In einem alten Nato-Bunker betrieben Cyberkriminelle eine Anlage mit 2000 Servern. Darüber sollen Hunderttausende Drogendeals abgelaufen sein.

von
tob
1 / 12
In Traben-Trarbach, im Bundesland Rheinland-Pfalz, wurde eine 13'000 Quadratmeter grosse Bunkeranlage gestürmt.

In Traben-Trarbach, im Bundesland Rheinland-Pfalz, wurde eine 13'000 Quadratmeter grosse Bunkeranlage gestürmt.

Pressestelle Landeskriminalamt r
Der ehemalige Natobunker war mit Stacheldraht, Kameras und ...

Der ehemalige Natobunker war mit Stacheldraht, Kameras und ...

Thomas Frey
... Zäunen gut gesichert. Die Anlage war 2013 verkauft worden.

... Zäunen gut gesichert. Die Anlage war 2013 verkauft worden.

epa/Harald Tittel

Stacheldraht, Eisentüren, Schlagbaum und Kameras: Der Bunker könnte genauso gut einem «James Bond»-Bösewicht gehören. In der Anlage im deutschen Traben-Trarbach hatten sich jedoch Cyberkriminelle eingerichtet. Der mutmassliche Anführer, ein 59-Jähriger aus den Niederlanden, hatte die 13'000-Quadratmeter-Parzelle mitsamt dem ehemaligen Nato-Bunker 2013 gekauft, berichten die deutschen Ermittler.

Über 650 Beamte, darunter die Spezialeinheit GSG9, stürmten den «Cyberbunker» Ende letzter Woche. Zig Mobiltelefone, diverse Datenträger und eine grössere Summe an Bargeld wurden sichergestellt. 200 Server stehen ebenfalls auf der Liste. Man gehe aber davon aus, dass mehr als 2000 Server in der Anlage stehen, erklärt Johannes Kunz, Präsident des Landeskriminalamts (LKA). Die Anlage hat laut der Polizei mehrere Hundert Räume. Beim Zugriff war niemand anwesend.

Bunker für Darknet

Sechs Verdächtige wurden aber in einem Restaurant in Traben-Trarbach festgenommen. Ermittelt wird gegen 13 Männer und Frauen. Sie sind zwischen 20 und 59 Jahre alt. Die Betreiber des Rechenzentrums sollen Cyberkriminellen im Darknet (siehe Box) ihre Dienste angeboten haben.

Über die Server sollen unter anderem Hunderttausende Deals mit Drogen, gestohlenen Daten und mit Kinderpornografie abgelaufen sein. Die Bunkerzentrale soll demnach den Darknet-Marktplatz Wall Street Market beheimatet haben. Die Behörden schlossen die Plattform Anfang 2019. Allein darüber sollen Deals in Höhe von 40 Millionen Euro abgewickelt worden sein, erklärte der Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer dem SWR.

Lange Ermittlungen

Die Auswertung der gigantischen Datenmenge werde das LKA Monate oder sogar Jahre beschäftigen, sagte Kunz vor den Medien. Die Ermittlungen hatten 2015 begonnen. Die Razzia wurde seit Mai geplant. Ein Knackpunkt stellte die Rechtslage dar. Nur das Rechenzentrum zu betreiben, sei an sich nicht strafbar, erklärte Brauer. Man musste den Betreibern also nachweisen, dass sie das «illegale Verhalten der Kunden kennen und dieses auch fördern», sagte der Generalstaatsanwalt gegenüber Spiegel.de.

Der 59-jährige Hauptverdächtige ist kein Unbekannter. Laut dem Sicherheitsforscher Brian Krebs ist er mitverantwortlich für eine der grössten Cyberattacken, die je verübt wurden. Mit der DDOS-Attacke wurde 2013 fast das Internet lahmgelegt, schreibt Krebs.

Das Darknet

Über 99 Prozent der Daten im Internet sind nicht über Suchmaschinen auffindbar. Man spricht vom Deep Web. Darin versteckt sich auch das Darknet. Das sind Netzwerke, die bewusst unsichtbar sein wollen. Um darauf zuzugreifen, benötigt man spezielle Software wie den TOR-Browser. Der Datenverkehr verläuft dabei verschlüsselt und über unzählige, zufällig ausgewählte private Rechner. Überwacher können so nur schwer Informationen über die Kommunikation sammeln. Die Arbeit an der TOR-Software begann 2002 an der Universität Cambridge. In der Anfangszeit wurde TOR von US-amerikanischen Behörden wie Darpa unterstützt. Seit 2006 kümmert sich die Non-Profit-Organisation The Tor Project um die Aufrechterhaltung von TOR. Finanziert wird das Projekt von der US-Regierung und privaten Spenden.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.