AKW-Katastrophe in Japan: 6500-fach überhöhte Jod-Werte
Aktualisiert

AKW-Katastrophe in Japan6500-fach überhöhte Jod-Werte

Fukushima kommt nicht zur Ruhe: Erneut wurden rund um das schwer havarierte Atomkraftwerk beängstigend hohe Strahlenwerte gemessen. Zudem hat sich ein schweres Nachbeben ereignet.

Im Meerwasser vor dem beschädigten Atomkraftwerk im japanischen Fukushima sind erneut stark erhöhte Strahlenwerte gemessen worden. Die Menge von radioaktivem Jod 131 sei 6500 mal höher als der zulässige Wert, teilte die Regierung am Samstag mit.

Die Werte von Cäsium 134 und Cäsium 137 seien in einer am Freitag gezogenen Probe vierfach überhöht. Verantwortlich für die erhöhten Werte könnte die Installierung von Stahlplatten zum Schutz vor Strahlung am Donnerstag gewesen sein, sagte der Sprecher der japanischen Atomsicherheitsbehörde, Hidehiko Nishiyama.

Möglicherweise sei bei den Bauarbeiten radioaktives Material aufgewirbelt worden. Die hohe Konzentration von Jod, das nur eine relativ kurze Halbwertszeit von acht Tagen hat, könne jedoch auch auf ein neues Leck hinweisen.

Feuerwehreinsatz im AKW Fukushima 1

Der Betreiber Tepco des Atommeilers Fukushima begann am Samstag, mit Zeolith gefüllte Sandsäcke im Meer zu deponieren. Das Mineral absorbiert radioaktives Cäsium. Tepco hofft, mit dieser Methode die radioaktive Verseuchung des Meeres einzudämmen.

Nachbeben der Stärke 5,9

Am Samstag erschütterte ein Nachbeben der Stärke 5,9 die Region nördlich von Tokio. Über Schäden durch das Beben wurde zunächst nichts bekannt.

Zuvor hatte die Atomsicherheitsbehörde mitgeteilt, dass die Atomkraftwerksbetreiber des Landes ihren Katastrophenschutz überprüfen müssten. Bis zum 16. Mai sollten sie der Behörde einen Bericht vorlegen, hiess es am Freitag.

Zudem wurden die Unternehmen verpflichtet, die Stromleitungen zwischen den einzelnen Reaktoren erdbebensicher zu machen. Weiter müssen sie die gesamte Elektronik in den Atommeilern wasserdicht verkleiden.

Die Atomsicherheitsbehörde hatte bereits angeordnet, dass jeder Reaktor über mindestens zwei Notstromaggregate verfügen muss und dass Feuerlöschpumpen in den Anlagen installiert werden. Zu den von der Anordnung betroffenen Betreibern gehören neben Tepco noch zwölf weitere.

Reaktoren laut Krisenstab in stabilerem Zustand

Goshi Hosono, Berater von Ministerpräsident Naoto Kan und Mitglied des Krisenstabs, sagte, dass die beschädigten Reaktoren in einem wesentlich stabileren Zustand seien als zu Beginn der Atomkrise. Eine der grössten Schwierigkeiten stelle das kontaminierte Wasser dar, sagte er im japanischen Fernsehen.

Der Atombetreiber Tepco erwägt nach Informationen der Nachrichtenagentur Kyodo nun den Einsatz neuer externer Kühlmaschinen, um die Temperatur der Reaktoren zu senken.

Diese arbeiteten mit Wärmeaustauschern und Umwälzpumpen. Damit könne Wasser aus den Reaktoren abgepumpt, mit Meerwasser gekühlt und in die Reaktoren zurückgepumpt werden. Die regulären Kühlsysteme waren vom Tsunami zerstört worden.

Tepco pumpt seither Millionen von Litern Wasser in die Reaktoren sowie Abklingbecken, um sie zu kühlen. Das hat jedoch dazu geführt, dass nun gewaltige Massen an verstrahltem Wasser in der Anlage sind. Diese behindern die Versuche, die Kühlsysteme in dem AKW wieder in Gang bringen.

Wiederbelebung der Wirtschaft

Fünf Wochen nach Beginn der Katastrophe in Japan gibt es Fortschritte bei der Wiederbelebung der regionalen Wirtschaft. Am Samstag konnte der Hafen Sendai in der Provinz Miyagi erstmals wieder mit dem Verladen von Gütern beginnen.

Rund 300 Autos des weltgrössten Autobauers Toyota wurden auf ein Frachtschiff geladen und in die Industriestadt Nagoya verschifft, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

(sda/dapd)

Weitere Erdbeben am Feuerring

Knapp zwei Monate nach dem schweren Erdbeben in Christchurch ist Neuseelands zweitgrösste Stadt erneut von einem Beben erschüttert worden. Das Erdbeben der Stärke 5,2 ereignete sich am Samstag in einer Tiefe von neun Kilometern.

Schäden oder Verletzte seien zunächst nicht gemeldet worden. Die Erschütterungen führten in mehreren Stadtteilen zu Stromausfällen.

Ein Erdbeben der Stärke 5,2 erschütterte am Samstag auch den Nordosten Australiens. Auch hier lagen vorerst keine Berichte über Schäden vor. Das Beben ereignete sich laut US-Erdbebenwarte rund zehn Kilometer unter dem Meeresboden und 125 Kilometer südöstlich der Küstenstadt Townsville im Staat Queensland. Auch vor der nordöstlichen Küste Taiwans bebte am Samstag die Erde. Zudem kam es in Japan, nördlich von Tokio, erneut zu einem starken Nachbeben. (sda)

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