Littering  - 66 Prozent der weggeworfenen Gegenstände sind giftige Zigistummel 
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Littering 66 Prozent der weggeworfenen Gegenstände sind giftige Zigistummel

Überall im Freien liegen weggeworfene Gegenstände herum. Ein Grossteil betrifft Zigaretten-Kippen. Eine Frau ärgert sich über diesen Güsel in der Brüggli-Badi in Zug, weil sie weiss, wie giftig diese Stummel sind. Auch die Behörden sehen Handlungsbedarf.

von
Daniela Gigor
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Diesen Becher hat Dominica Worthington am Montag im Seebad Brüggli in Zug in kurzer Zeit mit weggeworfenen Zigarettenstummeln gefüllt. 

Diesen Becher hat Dominica Worthington am Montag im Seebad Brüggli in Zug in kurzer Zeit mit weggeworfenen Zigarettenstummeln gefüllt.

Dominica Worthington
Gemäss einer Littering-Studie des Bundesamts für Umwelt sind 66 Prozent der weggeworfenen Gegenstände Zigaretten.

Gemäss einer Littering-Studie des Bundesamts für Umwelt sind 66 Prozent der weggeworfenen Gegenstände Zigaretten.

 Bundesamt für Umwelt
Ein Plakat der Littering-Kampagne «Zug blibt suuber» macht auf die Problematik der weggeworfenen Zigarettenstummel aufmerksam. 

Ein Plakat der Littering-Kampagne «Zug blibt suuber» macht auf die Problematik der weggeworfenen Zigarettenstummel aufmerksam.

Agentur Dynamite

Darum gehts

  • Eine Zugerin ärgert sich über achtlos weggeworfene Zigarettenstummel im Seebad Brüggli, weil sich dort viele Familien aufhalten.

  • Sie appelliert an das Verantwortungsbewusstsein, diese in die Güselkübel zu werfen, weil Zigarettenkippen Sondermüll sind.

  • Das Problem ist in der ganzen Schweiz bekannt: Gemäss einer Littering-Studie des Bundesamts für Umwelt sind 66 Prozent der weggeworfenen Gegenstände Zigaretten.

  • Nikotin ist nach Medikamenten die häufigste Ursache einer Vergiftung im Kleinkindalter, schreibt der WWF Deutschland in einem Blog.

Die Zugerin Dominica Worthington war am Montag mit ihren zwei Kindern im Seebad Brüggli. Sie schwärmt von diesem wunderschönen, natürlichen Flecken, der viele Gruppen und Familien anzieht. Allerdings ärgert sich Worthington über die vielen achtlos weggeworfenen Zigarettenstummel in der Brüggli-Badi: «Ich beobachte oft, wie jemand seine Zigarettenstummel zwar sammelt, diese beim Zusammenpacken aber dann doch einfach liegen lässt.» Dabei habe es genügend Möglichkeiten, den Abfall in den dazu vorgesehenen Kübeln zu entsorgen.

Am vergangenen Montag sammelte Worthington im Brüggli in einem Umkreis von etwa drei Metern und innerhalb von nur ein paar Minuten an die 40 bis 60 Zigaretten-Kippen zusammen, die einen Becher für drei Deziliter füllten, das Bild davon postete sie auf Facebook. «Viele sind einfach zu faul und wollen sich sowenig wie möglich bewegen, dabei sind diese Kippen giftig», so Worthington weiter. Die 29-Jährige wünscht sich darum, dass auch andere Benützer im Freien Litterer darauf aufmerksam machen, dass ihre Abfälle in die Güselkübel gehören: «Ausserdem wäre es wünschenswert, wenn die Leute wissen, was in den Kippen steckt und dass sie Verantwortung übernehmen.»

Gefährlich für Kinder

Zigarettenkippen in der Badi oder an anderen Orten sind auch für Kinder gefährlich. «Der Giftnotruf Berlin befasst sich jährlich über 250 Mal mit der Frage der Vergiftung von Kindern durch Verschlucken von ganzen Zigaretten oder Kippen. Nikotin ist nach Medikamenten die häufigste Ursache einer Vergiftung im Kleinkindalter», ist in einem Beitrag der Blog-Plattform des WWF Deutschland im August 2020 zu lesen.

Jetzt richtet Kanton Zug ein «besonderes Augenmerk auf Raucher»

Das Thema Littering und ganz konkret auch Zigarettenstummel ist auch den Zuger Behörden bekannt. Am 1. Mai beginnt die Kampagne «Zug blibt suuber». In der Medienmitteilung zum Kampagnenstart heisst es betreffend Littering: «Ein besonderes Augenmerk gilt den Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie den Raucherinnen und Rauchern. Gemäss einer Littering-Studie des Bundesamts für Umwelt sind 66 Prozent der
weggeworfenen Gegenstände Zigaretten.» Wie am Montag weiter mitgeteilt wurde, werden darum auch Taschen-Aschenbecher, etwa von patrouillierenden Polizisten, an Raucher abgegeben.

Gelitterte Zigarettenkippen sind nicht nur in der Schweiz, sondern auch weltweit ein Problem – ein Sondermüllproblem: «Weltweit werden laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 5,6 Billionen Zigaretten pro Jahr gequalmt. 5’600’000’000’000! Bis zu zwei Drittel der gerauchten Zigaretten werden auf den Boden geschmissen. Pro Jahr verschmutzen demnach zwischen 340’000 und 680’000 Tonnen Kippen unseren Planeten – ein gigantischer Berg von toxischem Sondermüll», heisst es im erwähnte WWF-Blog weiter.

Wie der WWF weiter schreibt, sind in den Zigarettenfiltern an die 7000 Gifte enthalten. Dort finden sich etwa Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Cadmium, Formaldehyd, Benzol und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und das Nervengift Nikotin. Forscher der Universität San Diego haben die Schädlichkeit vor Augen geführt: So wurde eine einzige Zigarette in einem Liter Wasser aufgelöst. Die Fische in diesem Wasser waren nach vier Tagen tot.

Fazit: Kalte Zigarettenstummel gehören in den Abfall.

Eine Zigi kann 100 Franken kosten

Die Zuger Polizei, insbesondere auch die Sicherheitsassistenten, die im Auftrag der Stadt und
Gemeinden Kontrollen durchführen, sowie andere Kontrollorgane wie Förster, Wildhüter oder
Fischaufseher können seit Oktober 2013 Littering-Bussen von 100 Franken aussprechen, teilte der Kanton Zug mit. Das Ziel ist es in erster Linie jedoch nicht Bussen auszusprechen, sondern die Verursacher im Dialog auf das Thema und ihr mögliches Fehlverhalten aufmerksam zu machen.

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