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Bundesamt für Polizei68 Schweizer reisten in den Dschihad

2014 verdoppelte sich die Zahl der Dschihadreisenden aus der Schweiz. Das Fedpol will mit einer Taskforce gegen Terrorismus vorgehen.

Immer mehr Schweizer schliessen sich Extremisten im Irak und Syrien an: IS-Kämpfer in Mossul.

Immer mehr Schweizer schliessen sich Extremisten im Irak und Syrien an: IS-Kämpfer in Mossul.

Die Bekämpfung von kriminellen Organisationen, Geldwäscherei und der Internetkriminalität haben das Bundesamt für Polizei (Fedpol) im vergangenen Jahr auf Trab gehalten. Der Hauptfokus lag aber auf der Terrorismusbekämpfung.

Die Schweiz sei nicht prioritäres Ziel des islamistischen Terrorismus, heisst es im am Freitag vom Fedpol publizierten Jahresbericht 2014. Trotzdem müsse sich das Fedpol mit der erhöhten allgemeinen Bedrohung durch dschihadistisch motivierten Terrorismus auseinandersetzen.

Es gehe vor allem darum, mögliche terroristische Anschläge in der Schweiz zu verhindern. Ausserdem solle die Schweiz weder als finanzielle und logistische Basis für die Planung und Durchführung von Anschlägen noch als Transit-, Herkunfts- oder Zielland für dschihadistisch motivierte Reisende dienen.

Bisher 68 Dschihadreisen erfasst

Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) hat seit 2001 und bis im Mai 68 bestätigte und mutmassliche Dschihadreisen erfasst, wie er auf seiner Internetseite schreibt. Einige dieser Personen halten sich immer noch in Konfliktgebieten auf, andere sind in die Schweiz zurückgekehrt. Bei fünf Reisenden ist bestätigt, dass sie nicht mehr leben.

Die 2014 eingesetzte interdepartementale Task Force ist der Ansicht, dass eine zentrale Dschihadisten-Hotline für besorgte Eltern, Angehörige und Bürger keinen Mehrwert bringt, wie fedpol-Direktorin Nicoletta della Valle in Bern vor den Medien sagte. Im Februar 2015 hatte die Task Force angekündigt, eine solche Hotline zu prüfen.

Dschihadisten-Hotline

Della Valle verwies auf die föderalen Strukturen der Schweiz und die Kompetenzen der Kantone. In Kantonen, Städten und Gemeinden gebe es bereits zahlreiche Helplines. «Jene für die Sicherheit haben die Telefonnummer 117 oder diejenige des Polizeipostens in der Gemeinde oder der Stadt», sagte sie.

Eine Dschihadisten-Hotline gefordert hat die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrates. Die grosse Kammer wird das Thema voraussichtlich am kommenden Montag behandeln. Der Bundesrat hatte in seiner Stellungnahme vom vergangenen März auf die laufende Prüfung verwiesen und Ablehnung der Motion beantragt.

Handel mit gestohlenen Daten floriert

Eine Zunahme gab es auch bei der Internetkriminalität. Die Täter setzen zunehmend bösartige Software ein, schreibt das fedpol. Mit dieser können die Kriminellen gespeicherte Passwörter für E-Mail-Konten oder Online-Zahlungsdienste herunterladen. Der Handel mit auf diesem Weg gestohlenen Daten floriere.

Bei der Meldestelle des Bundes haben sich im vergangenen Jahr über zehntausend Personen gemeldet, die illegalen Tätigkeiten auf die Schliche gekommen sind. Das ist ein Rekord wie die Stelle Ende März vermeldet hatte.

Ermittlungen gegen kriminelle Organisationen bildeten einen weiteren Schwerpunkt im Berichtsjahr. Die organisierte Kriminalität stelle eine «facettenreiche Bedrohung» für die Schweiz dar, heisst es im fedpol-Bericht. Die Spannweite reiche von serienmässig verübten Einbrüchen organisierter Diebesbanden über den Handel mit Drogen und Menschen bis zur Geldwäscherei. (sda)

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