Gerichtskrimi kompakt: 7 Fragen und Antworten zum Fall Sion
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Gerichtskrimi kompakt7 Fragen und Antworten zum Fall Sion

Niemand hat mehr den Überblick im Fall Sion. Niemand? Falsch! 20 Minuten Online informiert darüber, wer alles in die Affäre involviert ist und warum am Ende die Fifa gewinnen wird.

von
Fabian Vogt

Weil es in der Sache Sion vs. Uefa vs. SFL vs. Fifa praktisch jeden Tag neue Ankündigungen, Drohungen und Urteile gibt, versteht niemand mehr, worum es eigentlich geht. Darum versucht 20 Minuten Online mit einer Zusammenstellung der wichtigsten Fragen und Antworten, ein wenig Klarheit in die Sache zu bringen.

Warum ist der Fall so kompliziert?

Weil es mehrere Verfahren gibt: Zum einen klagen am Bezirksgericht Martigny sechs Sion-Spieler, dass ihnen von der Swiss Football League (SFL) keine Spielberechtigung erteilt wurde wegen eines Transferverbots, das die Fifa dem FC Sion auferlegt hat.

Dann wird am Kantonsgericht Waadt in Lausanne verhandelt, ob der FC Sion doch noch in der Europa League spielen darf. Die gegnerische Partei ist die Uefa.

Und zu guter Letzt rekurrierte der FC Sion beim internationalen Sportschiedsgericht (CAS) in Lausanne zuerst gegen das Transferverbot der Fifa, wegen welchem er zwei Jahre keine Spieler verpflichten durfte. Dann auch noch gegen den Entscheid der Swiss Football League, dass die sechs Neuverpflichtungen keine Lizenz erhalten.

Wie ist der Stand an den Gerichten heute?

In Martigny hat das Gericht am 27. September per provisorischer Verfügung entschieden, dass die Spieler Stefan Glarner, Jose Goncalves, Billy Ketkeophomphone, Pascal Feindouno, Gabri und Mario Mutsch bis Ende Saison spielberechtigt sind.

Das Waadtländer Gericht entschied am 5. Oktober, dass der FC Sion per sofort in der Europa League spielen darf. Die Uefa hat sich noch nicht zu diesem Urteil geäussert.

Vor dem CAS hat die Fifa gewonnen. Den Rekurs gegen den Entscheid, dass die Transfersperre auch für die Sommer-Registrierungsperiode 2011 gelte, zog Sion am 8. August zurück. Auch für die Berufung gegen den SFL-Beschluss, die sechs neuen Spieler nicht zu lizenzieren, gab Christian Constantin am 1. Oktober den Rückzug beim CAS bekannt. Dies jedoch aus Siegessicherheit, nachdem er einige Tage zuvor beim Bezirksgerichts Martigny eine provisorische Verfügung erstritten hatte, die die Neuzuzüge bis zum Saisonende für die Liga qualifiziert.Das Zurückziehen der Rekurse bedeutet, dass der FC Sion in diesen Angelegenheiten nicht mehr vor das CAS gehen kann.

Die Spieler haben ihren Prozess gewonnen. Warum dürfen sie nicht spielen?

Eingesetzt werden sie ja schon, allerdings muss Sion nach wie vor Regressionen befürchten. Grund dafür: Bisher wurde nur in der Nebensache geklagt und damit über provisorische Massnahmen entschieden. In der Hauptklage steht das Urteil noch aus. Erst dieser Entscheid wird einen rechtskräftigen Richterspruch bedeuten.

Wie geht der «Fall Sion» weiter?

Die Spieler des FC Sion erhalten eine Frist - in der Regel 30 Tage - in der sie Beweise für die Hauptklage vor dem Gericht Martigny vorbringen müssen. Bis dahin werden die anderen Parteien nichts unternehmen, höchstens versuchen, Zeit zu gewinnen.

Wird der Richter entscheiden, dass die Spieler recht haben?

Nein. Denn der Amtsrichter wird entscheiden, dass er nicht für die Hauptklage zuständig ist. Laut Sportrechtsexperte Stephan Netzle bedeutet dies, «dass der Fall am Ende vom CAS entschieden wird».

Was bedeutet die Rückgabe des Falls ans CAS für den FC Sion?

Da die Walliser die Berufung zurückgezogen haben, stehen sie vor dem CAS auf verlorenem Posten. Denn das Verfahren wird nicht wieder aufgerollt und das Urteil, welches der Fifa recht gibt, bleibt bestehen. «Es war nicht so schlau von Sion, vor dem CAS zurückzuziehen», sagt darum Netzle.

Wird also die Fifa den Rechtstreit gewinnen?

Über kurz oder lang, ja. Da die Walliser die Transfersperre vor dem CAS nicht mehr anfechten können, werden sie dann versuchen, vor dem staatlichen Richter Recht zu bekommen. Letztlich wird aber auch da entschieden werden, dass die Zivilgerichte für den Fall nicht zuständig sind. Falls das Urteil dann noch bis ans Bundesgericht gezogen wird, sähe es nicht besser aus für den FC Sion, da das höchste Schweizer Gericht im Sport sehr oft dem Schiedsgericht recht gibt.

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