15.09.2020 02:46

Klimawandel, Tierwohl, Lebenserwartung7 Gründe, wieso man sich trotz allem auf die Zukunft freuen kann

Das Jugendbarometer 2020 zeigt: Bei den 16- bis 25-Jährigen in der Schweiz ist der Glaube an eine rosige Zukunft verloren gegangen. Wieso man trotzdem optimistisch sein darf, sagt Zukunftsforscher Georges T. Roos.

von
Daniel Krähenbühl
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In der Schweiz nimmt der Anteil der 16- bis 25-Jährigen, die mit Zuversicht in die Zukunft blicken, stetig ab. Wie das Jugendbarometer 2020 zeigt, bezeichnet sich noch genau die Hälfte der Jugendlichen als «eher zuversichtlich» in Bezug auf die eigene Zukunft.

In der Schweiz nimmt der Anteil der 16- bis 25-Jährigen, die mit Zuversicht in die Zukunft blicken, stetig ab. Wie das Jugendbarometer 2020 zeigt, bezeichnet sich noch genau die Hälfte der Jugendlichen als «eher zuversichtlich» in Bezug auf die eigene Zukunft.

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Zukunftsforscher Georges T. Roos kann die Katerstimmung nachvollziehen: «Die Zukunft scheint heute ungewisser denn je.» Bisher sei es als verständlich betrachtet worden, dass es die eigenen Kindern besser haben, als man es jetzt hat.

Zukunftsforscher Georges T. Roos kann die Katerstimmung nachvollziehen: «Die Zukunft scheint heute ungewisser denn je.» Bisher sei es als verständlich betrachtet worden, dass es die eigenen Kindern besser haben, als man es jetzt hat.

Privat
Trotzdem dürfe man jetzt nicht schwarzmalen, betont Roos: «Es gibt viele Gründe, wieso man optimistisch sein darf.» 

Trotzdem dürfe man jetzt nicht schwarzmalen, betont Roos: «Es gibt viele Gründe, wieso man optimistisch sein darf.»

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Darum gehts

  • Laut dem Credit-Suisse-Jugendbarometer beurteilt ein grosser Teil der 16- bis 25-Jährigen die eigene Zukunft eher negativ.
  • Zukunftsforscher Georges T. Roos kann den Pessimismus nachvollziehen.
  • Es gebe aber zahlreiche Gründe, wieso man durchaus optimistisch in die Zukunft blicken dürfe.

Die fetten Jahre sind vorbei: In der Schweiz nimmt der Anteil der 16- bis 25-Jährigen, die mit Zuversicht in die Zukunft blicken, stetig ab. Wie das Jugendbarometer 2020 zeigt, bezeichnet sich noch genau die Hälfte der Jugendlichen als «eher zuversichtlich» in Bezug auf die eigene Zukunft. 2018 waren es noch über 60 Prozent. Sorgen bereitet den Jugendlichen vor allem die Corona-Pandemie, die Konsequenzen des Klimawandels und ungeklärte Fragen in Bezug auf die eigene Altersvorsorge.

Die repräsentative Umfrage, die vom Forschungsinstitut GFS Bern im Auftrag der Credit Suisse bei 1000 Jugendlichen im Alter von 16 bis 25 Jahren durchgeführt wurde, zeigt: «Der ungebremste Optimismus und der Glaube an eine rosige Zukunft, der bei den frühen Vertreterinnen der Generation Y noch eher vorhanden war, ist weg.»

Zukunftsforscher Georges T. Roos kann die Katerstimmung nachvollziehen: «Die Zukunft scheint heute ungewisser denn je.» Bisher sei es als verständlich betrachtet worden, dass es die eigenen Kindern besser haben, als man es jetzt hat. «Nun zeigt sich, dass es grosse politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Anstrengungen braucht, um auch den nachfolgenden Generationen Perspektiven bieten zu können.» Trotzdem dürfe man jetzt nicht schwarzmalen, betont Roos: «Es gibt viele Gründe, wieso man optimistisch sein darf.»

1. Klimawandel

Roos: «Obwohl für viele die getroffenen Massnahmen gegen den Klimawandel zu langsam umgesetzt werden, gehen die Bestrebungen in die richtige Richtung. So gibt es etwa in Norwegen für neue Verbrennungsmotoren schon in fünf Jahren keine Zulassungen mehr. Länder wie Dänemark, Schweden, die Niederlande und Slowenien folgen 2030. Und Paris und Amsterdam kündigten bereits an, dass nach 2030 gar keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren in der Stadt zugelassen sein sollen. Auch in der Schweiz tut sich etwas: So hat eine Studie des Schweizerischen Nationalfonds gezeigt, dass eine CO₂-neutrale Schweiz nicht nur technisch möglich, sondern auch wirtschaftlich machbar ist.»

2. Ernährung und Tierwohl

«Für Personen, die sich fleischlos ernähren wollen, gibt es immer mehr und immer bessere Alternativen. So kann man etwa pflanzliche Ersatzprodukte wie Burger aus Pflanzenprotein bereits jetzt in zahlreichen Restaurants sowie in der Migros oder im Coop kaufen. Eine andere Variante wird in Zukunft noch zulegen: Fleisch aus dem Labor, das sogenannte ‹clean meat›. Dabei wird das Tier nicht geschlachtet, sondern es wird ihm eine Muskelzelle entnommen und in einem Bioreaktor herangezüchtet. Aus einer Zelle soll man bis zu 10’000 Kilogramm Fleisch herstellen können. Laut einer Studie der Schweizer Consulting-Firma Kearney werden 2040 nur noch 40 Prozent unseres Fleischkonsums durch Tiere gedeckt werden. Die positiven Konsequenzen für Tier und Umwelt werden beachtlich sein.»

3. Staatsverschuldung

«Im Vergleich mit anderen europäischen Staaten liegt die Staatsverschuldung in der Schweiz immer noch auf einem relativ tiefen Niveau. Die Staatsschulden sind darum wichtig, weil sie immer auch eine Bürde für die kommenden Generationen darstellen. Obwohl die Schweiz für die Bekämpfung der Corona-Pandemie viel Geld in die Hand nehmen musste, sind die Beträge – finanzpolitisch gesehen – kein schwerwiegendes Problem.»

4. Gesundheitssystem

«Wir haben ein hervorragendes Gesundheitssystem: Wir werden in 20 Jahren heute noch unheilbare Krankheiten heilen können. Beispielsweise bisher tödliche Krebsarten, vielleicht sogar auch Alzheimer oder Depressionen. In Zukunft immer wichtiger wird die sogenannte Crispr-Technik, eine Genschere, mit der man gezielt fehlerhafte Gene reparieren kann. Auch das Studium des körpereigenen Mikrobioms – also der Organismen im Darm – wird in Zukunft immer wichtiger. Damit können gezielt gesundheitsfördernde Bakterien in den Körper eingeschleust werden. Kurz: Die Pille der Zukunft könnte ein Bakterium sein.»

5. Lebenserwartung

«Die globale Lebenserwartung nimmt massiv zu: Vor 70 Jahren wurde der Mensch rund 47 Jahre alt. Momentan liegt der Wert leicht über 70, wobei es regional extrem grosse Unterschiede gibt. Nun geht die UNO davon aus, dass bis 2050 Jahren die Lebenserwartung im globalen Durchschnitt 75 Jahre beträgt. In der Schweiz leben die Menschen sogar noch länger: Hierzulande geht man davon aus, dass rund ein Viertel der heute geborenen Mädchen und ein Fünftel der neugeborenen Knaben den 100. Geburtstag feiern wird.»

6. Künstliche Intelligenz

«Fortschritte in der künstlichen Intelligenz werden für jeden von uns direkte Konsequenzen haben. Vom persönlichen Lern-Avatar, der uns individualisierte Lerninhalte mit den richtigen Lernmethoden vermitteln kann, bis zum Gesundheitscoach, der uns anhand unserer Gesundheitsdaten sagen kann, ob man jetzt wegen eines Symptoms zum Arzt gehen soll oder nicht, sind alle möglichen Szenarien denkbar.

Auch für den eigenen Job gibt es Folgen: Eine bessere KI bedeutet, dass auch anspruchsvolle Tätigkeiten automatisiert werden können. Man spricht dabei auch von der ‹vierten industriellen Revolution›. Hier gibt es zwei Lager: Diejenigen, die sagen, dass es ohne bedingungsloses Einkommen für Arbeitslose zu schweren sozialen Verwerfungen kommt. Andere sagen, dass wir durch die Automatisierung alle weniger arbeiten müssen und dass dadurch neue und interessante Jobs entstehen. Da auch in den vergangenen industriellen Revolutionen das zweite Szenario eingetreten ist, gibt es Anlass für Optimismus.»

7. Armut

«Wir leben in einer Welt, in der die extreme Armut massiv abgenommen hat. Vor 50 Jahren war ein Drittel der Weltbevölkerung gemäss Definition der Weltbank – also weniger als 1.9 Dollar pro Tag – extrem arm. Seither hat sich die Anzahl der extrem Armen halbiert, obwohl die Weltbevölkerung stark gestiegen ist. Sie betragen nun anteilmässig noch 10 Prozent.

Nachhaltigkeit statt Religion

Das Credit-Suisse-Jugendbarometer 2020 ist eine international repräsentative Umfrage, die seit 2010 vom Forschungsinstitut GFS Bern durchgeführt wird. Für die Studie werden jeweils rund 1000 Jugendliche in der Schweiz, Brasilien, den USA und Singapur im Alter von 16 bis 25 Jahren befragt. Wie die Umfrage zeigt, sind in allen Ländern Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen für die Jugendlichen zentral.

Abgesehen von Brasilien fühlen sich in allen untersuchten Ländern mehr Jugendliche der Klimabewegung zugehörig, als dass sie sich als Teil einer Religionsgemeinschaft sehen. In der Schweiz sind es gar doppelt so viele, die sich als Teil der Klimabewegung sehen.

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292 Kommentare
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aufwAchen

15.09.2020, 06:47

Sie fahren bewusst die Wirtschaft herunter und verschweigen uns das. Es gibt keine Gründe sich zu freuen, aber tausend Gründe, endlich zu erkennen.

Michael m

15.09.2020, 06:45

Ob K.I ein vorteil ist. Glaube ich nicht.. Den die grossen firmen streichen die profite ein. Und sparen bei Arbeitskräften... Das klima macht mir keine sorgen.. Die besteuerung schon... Wird so oder so jedes jahr eine erdewärmung geben. Auch wenn gar kein co2 mehr ausgestossen wird.. Grösstw sorge digitalisierung des geldes.. Und abschaffung vom bargeld.. Wieso wird der bitcoin nicht verboten. Er ist nur für den schwarzmarkt intressant. Er wird nicht verboten da die grossen supercomputer ihn sehr schnell berechnen können und so können sie munter geld aus dem nicht erschaffen

Max

15.09.2020, 06:45

Eimol war es kül. Dan vil hize vom schedliches schmilzd die Gletscher. Also söl man ales verbide wo schated oder 10 jare reten der schuz.