Toggenburg: 70 Erwachsene stellen sich dem Ski-Crashkurs
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Toggenburg70 Erwachsene stellen sich dem Ski-Crashkurs

20 Minuten suchte mutige Erwachsene, die Skifahren lernen wollen. Über 300 Interessenten meldeten sich: 70 davon standen nun erstmals auf den Ski.

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Auf dem Iltios lernen Ausländer gemeinsam mit Schweizern, denen bisher die Gelegenheit fehlte, den Schweizer Nationalsport. Aller Anfang ist schwer! (Video: Roland Schäfli)

«Skifahren lernen an einem Tag, das ist absolut machbar», prophezeite Bruno Zogg, Skischulleiter von Unterwasser im Toggenburg. 20 Minuten wollte das testen und rief zu einem Skianfängerkurs auf. Über 350 Anmeldungen gingen ein – 70 erwachsene Skiaspiranten trafen sich dann am Sonntag bei den Bergbahnen Toggenburg, um sich in den Berghängen in Wildhaus und Unterwasser auf die Ski zu wagen.

Ein mutiges Vorhaben, das sieht man den Teilnehmern bei den ersten Gleitversuchen auf dem flachem Schneefeld neben der Talstation in Wildhaus an. «Es sieht viel einfacher aus, als es wirklich ist», sagt Sandra Vera aus Wil. Eine andere Gruppe übt währenddessen bereits am Anfängerlift bei der Mittelstation Iltios in Unterwasser auf 1350 Metern. «Meine grösste Angst war es, dass es im Schnee zu kalt ist», so Raymond Dunyo aus Bülach, «aber jetzt schwitze ich sogar.» Was ist seine Motivation, mit 33 Jahren Skifahren zu lernen? «Jetzt kann ich endlich bei der Arbeit mitreden und sagen, dass ich auch auf der Skipiste war.»

Wahre Naturtalente

Nach den ersten zwei Stunden auf der Piste sieht man viele erschöpfte, aber auch glückliche Gesichter. «Ich bin so aufgeregt, dass ich gleich wieder auf die Skipiste möchte», sagt Ganimete Haradini beim Mittagessen. Im Restaurant Sternen in Unterwasser gibt es einen Teller Spaghetti Carbonara, um wieder zu Kräften zu kommen.

Nach der Stärkung müssen aber nicht mehr alle an den Anfängerlift zurück. Unter den Teilnehmern hat es einige echte Naturtalente, etwa die drei Schülerinnen von Skilehrer Mike Teppich. Vanja Gubler, Ganimete Haradini und Noemi Rutter aus dem Kanton Zürich dürfen bereits nach dem Mittag den Aufstieg auf die Bergstation Chäserrugg auf 2262 Metern in Angriff nehmen. Ein wenig mulmig ist es den Dreien dann aber doch.

Mit 63 Jahren zum ersten Mal auf der Piste

«Bögli fahren und bremsen geht ja, aber bei den ganz steilen Hängen hab ich dann schon ziemlich Schiss», gesteht Vanja Gubler, bevor sie in die Seilbahn steigt. Doch die anfängliche Angst ist vollkommen unbegründet: Alle drei kommen den Berghang auf den Ski hinunter.

Bilanz: Das Versprechen von Bruno Zogg wurde eingelöst. Am Ende des Tages fahren alle – wenn auch einige noch im Stemmbogen – den Hang hinunter. Die Skilehrer sind stolz auf Ihre Schützlinge: «Ich wusste eigentlich schon, dass die Teilnehmer es schaffen und ich glaube, jetzt können alle Bögli machen und bremsen. Es ist aber auch für uns immer wieder eine neue und spannende Erfahrung, gerade weil die Gruppe vom Alter her so durchmischt war», resümiert Patricia Mettler, seit 15 Jahren Skilehrerin in Unterwasser.

Die Altersspanne der Teilnehmer des Experiments erstreckte sich über vier Dekaden, der älteste Teilnehmer stand am Sonntag gar mit 63 Jahren zum ersten Mal auf den Ski. Das Alter sei fürs Skifahren lernen aber weniger entscheidend als die körperliche Verfassung, erklärt Zogg: «Die körperliche Fitness ist entscheidend. Ich hatte bereits Gäste, ein Ehepaar aus Australien, die waren 81 und 73 Jahre alt.»

Der 20 Minute-Skianfänger-Tag wurde ermöglicht durch:

Die Bergbahnen Toggenburg und die Skischule Wildhaus und Unterwasser unter der Leitung von Christian Schmid und Bruno Zogg.

Verpflegung: Bergrestaurant Oberdorf in Wildhaus mit Gastgeber Oliver Drude, das Berghaus Iltios mit Andre Stump, das Hotel Sternen in Unterwasser mit Dennis Claes.

Ausgerüstet wurden die Skianfänger vom Sport Treff Toggenburg in Unterwasser mit Karl Hilty und Intersport Seasonbox in Wildhaus mit Dani Kierdorf.

Unterstützung erfolgte auch durch den Pisten- und Rettungsdienst unter der Leitung von Hanspeter Schaller und Hansjakob Forrer.

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