Aktualisiert 07.06.2012 13:26

Bessere Infrastruktur70 Millionen extra für Sportplätze und -stadien

Die Schweiz sei in Sachen Sportanlagen ein Entwicklungsland, sagt Bundesrat Ueli Maurer. Damit sich dies ändert, hat der Nationalrat Geld für neue Stadien und Hallen gesprochen.

Der Bund soll Sportanlagen von nationaler Bedeutung mit weiteren 70 Millionen Franken unterstützen. Der Nationalrat hat am Donnerstag einen Kredit in dieser Höhe bewilligt. Der Bundesrat hatte 20 Millionen weniger beantragt. Das Parlament hat in der Vergangenheit bereits Gelder gesprochen. Damit habe zwar einiges verbessert werden können, doch sei der Nachholbedarf gross, sagte Sportminister Ueli Maurer. «Die Schweiz gehört in Sachen Sportanlagen zu den Entwicklungsländern.»

Dass die Sportanlagen weitere Bundesgelder erhalten sollen, war im Nationalrat unbestritten: Sport begeistere, verbinde, sei gesund und habe eine grosse wirtschaftliche Bedeutung, lautete der Tenor. Umstritten war die Höhe des Kredits. Die Sportverbände hatten sich 87 Millionen Franken gewünscht, der Bundesrat schlug jedoch einen Gesamtkredit im Umfang von 50 Millionen vor.

Sinnvolle Investition

Der vorberatenden Kommission schien dies zu wenig. Sie beantragte, den Kredit auf 70 Millionen Franken zu erhöhen. «In Zeiten von zunehmender Fettleibigkeit sollten wir dem Sport nicht die Unterstützung verweigern», sagte Matthias Aebischer (SP/BE).

Die Sportanlagen dienten sowohl dem Spitzensport als auch dem Breitensport, gaben die Befürworter zu bedenken. Die Erfolge von Roger Federer oder Dario Cologna etwa hätten dazu geführt, dass mehr Menschen Tennis spielten und Loipenpässe kauften. «Diese Art von Freizeitbeschäftigung hat unsere Unterstützung verdient», sagte Jürg Stahl (SVP/ZH)

Kein Blankoscheck

Die Gegnerinnen und Gegner der Aufstockung verwiesen vergeblich auf die Bundesfinanzen. Sie kritisierten ausserdem, dass das Parlament nicht bestimmen könne, in welche Projekte die Zusatzgelder flössen. Wegen des Kaufs von Kampfflugzeugen sei ein Sparprogramm angekündigt, rief Maya Graf (Grüne/BL) in Erinnerung. «Und nun sollen wir dem Spitzensport einen Blankoscheck ausstellen?»

Der Rat stimmte der Aufstockung dennoch zu, mit 111 zu 57 Stimmen bei 2 Enthaltungen. In der Gesamtabstimmung passierte die Vorlage mit 168 zu 0 Stimmen. Nun hat noch der Ständerat zu entscheiden.

Nationales Fussballzentrum

Die Bundesgelder sollen in elf Projekte fliessen. Für den Bau eines Nationalen Fussballzentrums sind 6 Millionen Franken vorgesehen. Der Standort ist noch offen. Für das nationale Eishockeyzentrum, das in Winterthur projektiert wird, sind 5 Millionen eingeplant. In den Neu- und Ausbau von Schwimmsportzentren sollen 6 Millionen fliessen.

4 Millionen sind für den Bau eines neuen Leichtathletikstadions in Lausanne geplant, 3 Millionen Franken für eine Sporthalle mit 4000 bis 7000 Zuschauerplätzen. 1,5 Millionen sollen in den Ausbau des Nationalen Tenniszentrums in Biel fliessen, 1,5 Millionen in das Ruderzentrum Rotsee bei Luzern, 2 Millionen Franken in den Bau einer Indoor-Velorennbahn in Grenchen SO sowie eine Million in die Bobbahn in St. Moritz.

Auftrag des Parlaments

Das Parlament hatte den Bundesrat damit beauftragt, für die Förderung der Sportanlagen von nationaler Bedeutung ein Konzept auszuarbeiten. Ziel ist es, gute Voraussetzungen für die Sportverbände zu schaffen. Dadurch soll die Konkurrenzfähigkeit der Schweiz bei den Trainings- und Wettkampfbedingungen sowie bei der Durchführung internationaler Sportgrossanlässe verbessert werden.

Mit den Bundesgeldern werden jeweils nur 5 bis 25 Prozent der Baukosten gedeckt. Die Verpflichtungskredite müssen bis Ende 2017 genutzt werden. Mit früheren Finanzhilfen sind bislang 40 Projekte mit Gesamtinvestitionen von über 850 Millionen Franken ermöglicht worden. (sda)

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