Chinesischer Corona-Impfstoff Sinopharm - 70 Prozent sind geimpft – trotzdem grassiert das Virus auf den Seychellen
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Chinesischer Corona-Impfstoff Sinopharm70 Prozent sind geimpft – trotzdem grassiert das Virus auf den Seychellen

Der Inselstaat hat auf den chinesischen Impfstoff Sinopharm gesetzt. Nun zweifeln Experten die Effektivität an. Eine Herdenimmunität dürfte nur schwer zu erreichen sein.

von
Patrick McEvily
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Auf den Seychellen steigen seit Anfang Mai 2021 die Corona-Infektionszahlen rapide an.

Auf den Seychellen steigen seit Anfang Mai 2021 die Corona-Infektionszahlen rapide an.

REUTERS
Dies, obwohl im Land bereits über 60 Prozent der Menschen vollständig geimpft sind. Der Präsident der Seychellen Wavel Ramkalawan (rechts) selbst wurde ebenfalls mit Sinopharm geimpft.

Dies, obwohl im Land bereits über 60 Prozent der Menschen vollständig geimpft sind. Der Präsident der Seychellen Wavel Ramkalawan (rechts) selbst wurde ebenfalls mit Sinopharm geimpft.

AFP
Die chinesische Regierung hat den eigenen Impfstoff in der ganzen Welt stark vermarktet. 56 Staaten haben bislang bestellt. Darunter auch Bangladesch.

Die chinesische Regierung hat den eigenen Impfstoff in der ganzen Welt stark vermarktet. 56 Staaten haben bislang bestellt. Darunter auch Bangladesch.

AFP

Darum gehts

  • Auf den Seychellen steigen die Infektionszahlen zurzeit rapide an.

  • Dies, obwohl die Mehrheit der Menschen bereits vollständig gegen das Coronavirus geimpft wurde.

  • Offenbar schützt der chinesische Impfstoff Sinopharm Geimpfte nur teilweise.

Eigentlich sollte auf den Seychellen wieder der Alltag eingekehrt sein, denn über 70 Prozent der knapp 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner des Inselstaates sind bereits mindestens einmal geimpft, 60 Prozent gar vollständig. Damit gehört der Kleinstaat zu den absoluten Spitzenreitern weltweit. Doch nun meldet die «New York Times», dass das Land im Indischen Ozean mit steigenden Infektionszahlen kämpft. Auf der Webseite Our World in Data wird eine 7-Tage-Inzidenz von über 250 angezeigt. Die Lage ist so ernst, dass die Regierung vor kurzem wieder einen Lockdown verhängte.

Gemäss Angaben des nationalen Gesundheitsamtes gehen 37 Prozent der Neuansteckungen auf Personen zurück, die bereits vollständig geimpft sind. Mehr als die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner haben den chinesischen Impfstoff Sinopharm erhalten. Weltweit haben bereits 56 Staaten beim chinesischen Hersteller bestellt. Darunter viele ärmere Länder. China hat den Impfstoff aggressiv vermarktet und Millionen von Dosen gespendet.

Grassieren auch neue Varianten auf den Seychellen?

Die Regierung hatte die Bevölkerung aktiv dazu ermutigt, sich mit Sinopharm impfen zu lassen. Der Präsident merkte nun auf die steigenden Infektionszahlen angesprochen gegenüber der nationalen Nachrichtenagentur an, dass sich zwar wieder mehr Menschen anstecken würden, aber nicht am Coronavirus erkrankten. «Was passiert, ist normal», sagte er. Die «New York Times» stellt jedoch den Vergleich mit Israel an, wo die erfolgreiche Impfkampagne zu einer markanten Reduktion der Ansteckungszahlen geführt hat. Experten, die im Artikel zu Wort kommen, verorten die Effektivität von Sinopharm bei knapp 50 Prozent. Das Unternehmen selbst hatte aber 78 Prozent angekündigt.

Das Land ist nicht erst seit Ausbruch der Corona-Pandemie bei Touristen sehr beliebt. Vor kurzem hoben die Behörden zudem die Quarantänepflicht bei der Einreise auf. Einige Mediziner auf der Insel gehen davon aus, dass eine neue Variante für die hohen Zahlen verantwortlich sein könnte. Die WHO untersucht dies gemäss eigenen Angaben zurzeit. Die Gesundheitsorganisation hatte vor einer Woche den Impfstoff selbst notfallzugelassen. Eine Sprecherin gab an, dass viele der Fälle auf den Seychellen im Zeitraum zwischen der ersten und der zweiten Impfung stattfinden würden.

Sinopharm schützt wohl nicht so stark wie andere Impfstoffe

Im Bericht der «New York Times» erklärt ein Epidemiologe der US-Universität Cornell, dass Regierungen, die auf das Sinopharm-Vakzin setzten, ihre Bevölkerungen darüber aufklären müssten, dass die Ansteckungsgefahr nach wie vor hoch sei. So dürfte es nur schwer möglich sein, eine Herdenimmunität zu erreichen.

Die Behörden führen den Umstand ins Feld, dass sich viele noch nicht zum zweiten Mal haben impfen lassen, und darum die Zahlen steigen. Eine zweite Impfung ist auch beim Sinopharm-Impfstoff notwendig. Der Produzent selbst wollte die Angaben im «New York Times»-Bericht nicht kommentieren. Eine Sprecherin des chinesischen Aussenministeriums beschuldigte den Westen einer Schmutzkampagne gegen ihr Land.

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