Deza-Mitarbeitende - «70 Prozent von uns leben immer noch in einem Asylheim»
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Deza-Mitarbeitende«70 Prozent von uns leben immer noch in einem Asylheim»

Vor wenigen Monaten übernahmen die Taliban die Macht in Afghanistan. Die Schweiz evakuierte unzählige Afghaninnen und Afghanen. Diese fühlen sich nun im Stich gelassen.

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Im August dieses Jahres haben die Taliban die Macht in Afghanistan übernommen.

Im August dieses Jahres haben die Taliban die Macht in Afghanistan übernommen.

AFP
In Herat färbten Taliban-Kämpfer die Gesichter ihrer Feinde schwarz und trieben sie durch die Strassen.

In Herat färbten Taliban-Kämpfer die Gesichter ihrer Feinde schwarz und trieben sie durch die Strassen.

Twitter/Bilal Sarwary/@bsarwary
Ihren Opfern werfen sie Diebstahl vor.

Ihren Opfern werfen sie Diebstahl vor.

Twitter/Bilal Sarwary/@bsarwary

Darum gehts

  • Die Schweiz evakuierte 218 Menschen aus Afghanistan in die Schweiz.

  • 36 davon arbeiteten für das Deza (Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit).

  • Ein grosser Teil von den Geflüchteten lebt in Schweizer Asylzentren.

Im August dieses Jahres übernahmen die Taliban praktisch kampflos die Hauptstadt Kabul. Tausende Menschen flohen aus dem Land. Es waren chaotische Szenen, die sich am Kabuler Flughafen abgespielt haben. Etliche westliche Länder, darunter auch die Schweiz, evakuierten afghanische Staatsbürgerinnen und -bürger.

Insgesamt wurden 218 Personen mit einem afghanischen Pass in die Schweiz geholt, 36 davon arbeiteten für das Deza (Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit) in Afghanistan, die restlichen sind Familienangehörige. Aber auch sechs eigene Staatsbürger holt die Schweiz zurück.

Nun konnten die Zeitungen von CH Media einige der evakuierten Afghaninnen und Afghanen ausfindig machen und mit ihnen sprechen. Die ehemaligen Mitarbeitenden werfen der Schweiz vor, sie nun hier im Stich zu lassen. Ein Betroffener sagt: «Wir fühlen uns im Stich gelassen. Niemand hier hat ein offenes Ohr für die vielen Fragen und Probleme, die uns hier in unserer neuen Heimat belasten.» Er betonte aber auch, dass es wichtig sei, der Schweiz für die Rettung und das Asyl zu danken.

Die 218 evakuierten Personen wurden bei ihrer Ankunft in der Schweiz auf verschiedene Bundesasylzentren verteilt. Und viele davon sind immer noch in diesen Zentren. Der Betroffene dazu: «Etwa 70 Prozent von uns leben immer noch in einem Asylheim.» Mit seiner siebenköpfigen Familie lebt er in zwei Zimmern. Eine eigene Wohnung werde erst im Januar erlaubt.

Wer ist zuständig, der Bund oder die Kantone?

Im August gab Migrationsministerin Karin Keller-Sutter eine Medienkonferenz zum Thema Afghanistan. Dort betonte Keller-Sutter immer wieder, dass die Schweiz eine Fürsorgepflicht für ehemalige afghanische Mitarbeitende habe. Aus diesen «besonderen» Flüchtlingen sind nun aber ganz «normale» geworden.

In einem Brief der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit an die ehemaligen Mitarbeitenden steht: «Mit dem Wechsel von den Bundesasylzentren in die Kantone sind diese nun verantwortlich für sie.» Für die Unterstützung im Alltag seien nun die Kantone zuständig, heisst es weiter. Reicht es also, was das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten für die Afghaninnen und Afghanen tut?

Gegenüber der «Aargauer Zeitung» sagt Kurt Pärli, Professor für Soziales Privatrecht an der Universität Basel: «Die Fürsorgepflicht ist mit der Evakuierung nicht vorbei. Wer A sagt, muss auch B sagen.» Er sei der Meinung, dass das EDA weitere Unterstützung anbieten müsse, oder zumindest schauen, ob das vorhandene Gefüge den Bedürfnissen der ehemaligen Angestellten ausreiche.

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(fos)

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