18.06.2016 16:14

Dauerregen

70 Prozent weniger Badi-Eintritte

In Zürcher Badis herrscht getrübte Stimmung: Nur 82'000 Eintritte wurden bisher verkauft. In anderen Freibädern im Land schwimmen die Gäste im Neoprenanzug.

von
tab
1 / 7
Falls Sie es bereits erfolgreich verdrängt haben: 2014 war auch so ein verregneter Sommer. Damals blieben auch im Lido von Lugano die Gäste aus.

Falls Sie es bereits erfolgreich verdrängt haben: 2014 war auch so ein verregneter Sommer. Damals blieben auch im Lido von Lugano die Gäste aus.

Keystone/Gabriele Putzu
Der Flussteil der Badi Unterer Letten in der Stadt Zürich ist derzeit (17. Juli 2016) geschlossen. Gäste hat es aufgrund des Dauerregens im Moment kaum.

Der Flussteil der Badi Unterer Letten in der Stadt Zürich ist derzeit (17. Juli 2016) geschlossen. Gäste hat es aufgrund des Dauerregens im Moment kaum.

google maps
Auch im Seebad Utoquai in Zürich fehlen Gäste. Abgesehen vom schlechten Wetter ist auch vielen das Wasser noch zu kalt.

Auch im Seebad Utoquai in Zürich fehlen Gäste. Abgesehen vom schlechten Wetter ist auch vielen das Wasser noch zu kalt.

Rry

Der Juni und sein ewiger Regen haben der Schweiz gehörig den Sommeranfang vermiest. In einer Online-Umfrage von 20 Minuten mit 620 Teilnehmern sagen 22 Prozent: «Jetzt reichts! Ich wandere aus.» 29 Prozent finden das Wetter skandalös: «Es ist Mitte Juni und ich war noch nie in der Badi!»

Doch die Freibäder selbst leiden viel mehr, als die, die nicht schwimmen gehen können. Bis am Freitag wurden in den Zürcher Sommerbädern dieses Jahr knappe 82'000 Eintritte gelöst. Das sind gerade mal 30 Prozent des Vorjahresniveaus. «Das spürt man», sagt Thomas Kralemann, Bereichsleiter Badeanlagen beim Sportamt Zürich. «Da fehlen ganze 70 Prozent.» Die Stimmung in den Badis sei auch dementsprechend «depressiv». Den Mitarbeitern mache es keinen Spass, in einer leeren Anlage zu arbeiten.

«Es wäre viel zu gefährlich»

Was jetzt nötig wäre, so Kralemann, seien drei schöne Tage nacheinander. «Dann kriegen die Zürcher wieder Lust, in die Badi zu gehen.» Die Schwimmer trainierten zwar auch bei schlechtem Wetter. Aber jene, die kommen, um zu trinken, essen, planschen, sich zu sonnen und das Leben zu geniessen, die fehlten natürlich.

Im Unteren Letten in Zürich musste der Flussteil bereits geschlossen werden. «Wir haben rund 380'000 Liter pro Sekunde und die Limmat reisst wie wahnsinnig, es wäre viel zu gefährlich», sagt Betriebsleiter Heinrich Stadler. Gäste hätten sie zurzeit praktisch keine – «einer, maximal zwei am Tag».

Die grosse Kundschaft ist abwesend

Die Badis Utoquai, Seebach und Letzigraben sind die einzigen Anlagen in Zürich, die jeden Tag von 7 bis 20 Uhr geöffnet haben – egal ob es regnet oder nicht. Alle anderen sind von 9 bis 11 Uhr offen und entscheiden dann, ob sie für den Nachmittag schliessen wollen. Daniel Sigrist vom Utoquai sagt: «Natürlich will sich bei diesem Wetter niemand sonnen, es hat ja keine Sonne.» Der See sei 18 Grad kalt, für Naturschwimmer sei dies zwar eine angenehme Temperatur, aber vielen anderen sei es zu kalt. «Wir hoffen auf den Sommer.»

Im Seebach klingt es nicht besser: «Wir haben nicht viele Gäste, obwohl das Wasser geheizt ist», sagt ein Badeangestellter. Normalerweise hätten sie zu dieser Zeit etwas 1000 Gäste am Tag. Jetzt seien es vielleicht 50. Zwei Vorteile habe das miserable Wetter wenigstens: «Wir haben viel Zeit zum Putzen und bekommen keinen Hautkrebs.»

Peter Portmann, Betriebsleiter des Gartenbads Bachgraben in Basel sagt: «Wir haben dem Wetter entsprechend einen geringen Publikumszulauf.» Vor allem die grosse Kundschaft, die normalerweise um diese Zeit zum «Plegere» komme, sei abwesend.

«Einige kommen mit dem Neoprenanzug»

Im Freibad Marzili in Bern dürfen die Gäste gar nicht erst in die 12 Grad kalte Aare. «Wir haben eine grosse Abflussmenge», sagt der stellvertretende Anlagechef Martin König. «Und sie zieht ziemlich.» Daher rate man davon ab, im Fluss baden zu gehen. Das Becken sei 18 Grad warm, dort gingen pro Tag etwa 20 Leute ihre Längen schwimmen. «Einige kommen mit dem Neoprenanzug», so König. Pro Tag habe das Freibad derzeit etwa 50 Gäste. In anderen Jahren waren es bei schönem Wetter bis zu 8500.

Der Tenor lautet also gleich: Hoffen auf bessere Zeiten – und vor allem besseres Wetter. Tatsächlich sieht es ausnahmsweise gut aus. Bereits am Montag wird es teils schön und es drohen nur noch einzelne Schauer. «Der Dienstag ist dann schon recht sonnig und sommerlich warm», sagt Roger Perret von Meteonews. Der Mittwoch bringe rund 27 Grad und am Donnerstag könne es lokal sogar 30 Grad geben.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.