Pointiertes Geschäft: 70 Stutz pro Gag bei Giacobbo/Müller

Aktualisiert

Pointiertes Geschäft70 Stutz pro Gag bei Giacobbo/Müller

Domenico Blass ist Chef-Autor der Satire-Sendung «Giacobbo/Müller». 20 Minuten Online verriet er, wer in der Schweiz am meisten Humor beweist.

von
Bettina Bendiner

Ist es schwierig, auf Knopfdruck lustig zu sein?


Nein. Man ist einfach nicht immer gleich lustig. Aber es gibt Tricks, die oft funktionieren. Deshalb kann ich auch dann lustig sein, wenn mir nicht eigentlich nicht so drum ist.

Das klingt nach Konservenwitz… 
Nein. Aber es gibt auch in der Komik Regeln. Es ist ein Handwerk wie andere auch. Natürlich hilft es, wenn die Muse einen küsst. Nur ist die Muse dummerweise nicht immer da, wenn man sie braucht.

Giacobbo und Müller – schwierige Kundschaft?

Nein. Weder wollen sie 20 weisse Lilien in ihrer Garderobe, noch haben sie andere unausstehliche Macken. Wir haben es meistens gut und oft lustig. Anders würden wir es im Séparée im Kaufleuten auf 15 Quadratmetern auf die Dauer auch gar nicht aushalten.

Wie viel Kaffee oder Bier fliesst bei Ihren Treffen?

Kein Bier, aber Kaffee. Das ist unser Motor. Viktor und Mike sind Kaffee-Kenner und tauschen ihr Wissen gerne aus, ich hingegen bin ein simpler Nespresso-Trinker.

Halten Sie alle für eine Zotenreisser? 


Die Leute gehen schon davon aus, dass ich ab und zu lustig sein kann. In einer Runde bin ich aber nicht immer der mit der grössten Klappe. Es sind eher Kinder, die meinen, ich laufe als wandelndes Witzbuch durchs Leben.

Wie bereiten Sie sich vor?


Bücher sind nicht mein Ding. Da fehlt mir die Geduld. Aber ich bin permanent online. Vor allem, wenn wir Sendung haben. Ich muss wissen, was die Zuschauer wissen. Denn auf diesem allgemeinen Vorwissen bauen wir unsere Pointen auf.

Wer ist ein gefundenes Fressen? 


All jene, die sich zu weit zum Fenster rauslehnen. Aus allen Bereichen. Wir versuchen, politisch nicht einseitig zu sein. Trotzdem drücken eigene Vorlieben, politische Haltungen oder Sympathien durch. Die darf man auch spüren, schliesslich trägt die Sendung den Namen ihrer Protagonisten.

Wie oft sind die Leute nach der Sendung beleidigt?


Immer wieder. Aber die meisten, die in der Öffentlichkeit stehen, nehmen das locker. Grossartig. Natürlich gibt es auch die, die Satire grundsätzlich toll finden, ausser es geht um sie selbst.

Wer zum Beispiel?


Natürlich ist es immer dann am schwierigsten, Humor zu ertragen, wenn ein Scherz auf die eigene Kappe geht. Ein gewisses Mass an Frustrationstoleranz erwarte ich aber auch von den Zuschauern. Etwa, wenn Viktor und Mike regionale Eigenheiten aufs Korn nehmen. Ich finde, es kann nicht schaden, wenn man auch mal über sich selber lacht. Das tun Viktor und Mike in der Sendung ja regelmässig.

Und wo wohnen die grössten Mimösli?


Die rechten Politiker sind tendenziell härter im Nehmen. Die sind dran gewöhnt, im Gegenwind zu stehen, weil sie in den Medien nicht gerade als Gutmenschen gelten. Sie verteidigen sich oft mit Leidenschaft und Humor. Das würde ich mir von den Linken manchmal ein bisschen mehr wünschen.

Wie viel bekommt ein Autor pro Gag?


70 Franken. Wenn man produktiv ist, hat man einen anständigen Stundenlohn. Zum Glück machen die meisten das als Nebenjob. Denn wir leisten uns den Luxus, bis zu 90 Prozent der Ideen wegzuschmeissen – darunter auch sehr viele tolle Einfälle.

Sind die Autoren dann sehr gefrustet?


Etwa die Hälfte der Autoren sind Werbetexter. Die sind sich gewöhnt, dass ein Grossteil ihrer Ideen im Papierkorb landet. Aber klar: Frust gehört dazu, auch für mich selbst übrigens, doch letztlich dient dieses Vorgehen der Qualität der Sendung.

Was wollten Sie als Kind werden?


Rasender Reporter. Mit fünf habe ich meine erste Geschichte geschrieben, in der ein Held mit einem Düsenrucksack nach Räubern jagte. Als Teenager fand ich Werbung cool – und begann nach der Matur gleich als Texter.

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