Tierdrama in Graubünden: 71 Schafe stürzen Felswand hinunter – Wölfe sollen sie attackiert haben

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Tierdrama in Graubünden71 Schafe stürzen Felswand hinunter – Wölfe sollen sie attackiert haben

Auf einer Alp in der Surselva stürzten 71 Schafe eine Felswand hinab, 43 Tiere starben. Obwohl niemand gesehen hat, was passiert ist, vermuten viele, dass der Wolf dahinter steckt.

von
Karin Leuthold

Am 25. Juni kamen auf der Alp Cristalina im Val Medel beim Lukmanierpass 43 Tiere ums Leben. «Mein tiefstes Mitgefühl den Besitzern und den Helfern, die das aufräumen müssen», schreibt eine Facebook-Nutzerin

Facebook / Surselva Wolf

Darum gehts

  • 71 Schafe stürzten in Graubünden eine Felswand hinunter – 43 Tiere starben.

  • Niemand hat den Vorfall beobachtet.

  • Doch viele sind sich sicher, dass der Wolf dahinter steckt.

Auf der Alp Cristalina im Val Medel GR kamen am Samstag 43 Schafe nach einem Wolfsangriff ums Leben. Wie die Facebook-Gruppe Surselva Wolf bekannt gibt, starben 24 Tiere, als sie aufgrund der Attacke eine rund zehn Meter Tiefe Felswand abstürzten. 19 Schafe mussten später wegen ihrer schweren Verletzungen eingeschläfert werden. Insgesamt waren 71 Schafe der Herde die Felswand herabgestürzt, die 28, die überlebten, stehen derzeit unter Beobachtung. 

Niemand hat den Vorfall beobachtet. Wie der «Tages-Anzeiger» schreibt, sei die Alp zwar behirtet, doch das Gelände für Menschen äusserst unübersichtlich. Die Gruppe Surselva Wolf ist aber überzeugt: Ein Wolf ist an dem Tier-Drama schuld. «Ein Lamm wurde von Wölfen gerissen», schreibt die Gruppe. Sie veröffentlicht dazu ein Video, auf dem auch Bissverletzungen zu sehen sein sollen.

Mehrere Zehntausend Franken verloren gegangen

In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden im betroffenen Gebiet mehrere Wölfe beobachtet. «Es gibt also verschiedene Indizien, die beim Absturz auf den Wolf hindeuten», sagt Arno Puorger vom Amt für Jagd und Fischerei Graubünden zum SRF. In der Nähe des Lukmanierpasses sei ein Stagias-Rudel – eines von sechs Wolfsrudeln in Graubünden – ansässig.

Eine Facebook-Nutzerin zeigt grosses Mitleid mit den Tierbesitzern «und den Helfern, die das aufräumen müssen.» Tatsächlich ist der finanzielle Verlust für den Hirten gross, wie SRF weiter berichtet: Ein Schlachtlamm sei derzeit rund 300 Franken wert, ein erwachsenes Tier im Durchschnitt bis zu 800 Franken.

Waren die Schafe ausreichend geschützt?

Es stelle sich nun die Frage, ob die Schafe ausreichend geschützt gewesen seien. Die 71 verunfallten Schafe gehörten zu einer Herde von gesamthaft 1600 Tieren. Sechs Herdenschutzhunde bewachten sie. Die Schutzmassnahme entspricht somit die der landwirtschaftlichen Beratungszentrale Agridea. 

Waren aber die Schafe vielleicht zu eng beieinander, konnten die Hunde die Übersicht behalten? Lukas Berger vom Schafzuchtverband schliesst nicht aus, dass, trotz Schutz, ein Wolf die Tiere angegriffen habe: «Wölfe lernen mit der Zeit, die Herdenschutz-Massnahmen zu umgehen. Ich habe von ähnlichen Fällen in Graubünden und im Wallis gehört.»

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel.  079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00


Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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