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75 000 Menschen flüchtet vor Feuer

Für viele Kalifornier ist es die schwerste Entscheidung ihres Lebens: Sollen sie ihr Haus verlassen und sich vor der näher rückenden Feuerwalze in Sicherheit bringen oder bleiben und an der Seite der Feuerwehr kämpfen?

«Ich habe den Schlauch genommen und versucht, die Flammen zu löschen und dabei habe ich gebetet: «Lieber Gott, lass es nicht abbrennen»», schildert die 48-jährige Computermanagerin Nalyn Wiratunga ihren Kampf gegen die Flammen. Bis zum Dienstag war sie erfolgreich.

Andere Bewohner im Simi Valley nördlich von Los Angeles entschlossen sich lieber zur Flucht. Jami Manning berichtet in der «Los Angeles Times», als die Flammen über das Nachbarhaus schlugen, sei die Entscheidung zur Flucht klar gewesen. «Es war einfach ein Albtraum.»

Nichts übrig geblieben

Wie Manning sind Tausende Bewohner Südkaliforniens auf der Flucht vor den Flammen. Viele wissen nicht, wann sie zurückkehren können oder ob ihr Haus noch steht. Andere kehrten bereits zurück und fanden nur noch die schwelenden Überreste vor.

Bis zum Dienstag waren über 1000 Häuser zerstört. Im Palmer Canyon, 60 Kilometer östlich von Los Angeles, wurde praktisch eine ganze Siedlung ausgelöscht. Von den 47 Anwesen standen am Dienstag nur noch 4.

Die meisten Bewohner - Ärzte, Künstler und Professoren - waren wegen der Abgeschiedenheit und des atemberaubenden Blicks in die Berge gezogen. Ihnen war stets bewusst gewesen, dass die Schönheit der Landschaft ihren Preis haben kann: In den Hügeln und Bergen Kaliforniens besteht wegen der trockenen Büsche im Sommer die höchste Feuergefahr.

Wiederholt geflüchtet

Der 63-jährige Gerald Friedman und seine Frau Barbara waren in den vergangenen 20 Jahren drei Mal in Sicherheit gebracht worden, doch jedes Mal konnten sie in ihr Haus zurückkehren, dass in den 40er Jahren von einem Kollegen des Stararchitekten Frank Lloyd Wright entworfen worden war. Als sie jetzt zurückkehrten, war nur noch das Schwimmbad erhalten.

Unter Tränen erklärte Barbara Friedman der Zeitung «USA Today», «wir lieben diese Gegend, wir werden das Haus vermutlich wieder aufbauen und hier bleiben.»

Für viele Bewohner gibt es oft keine Entscheidung. Der zweifachen Mutter Rita Hernandez blieb praktisch keine Zeit zum Überlegen. Die Polizei gab ihr genau zehn Minuten, ihr bescheidenes Haus nahe San Diego zu verlassen.

Im «San Francisco Chronicle» schilderte die Frau, dass sie nur noch die Halloween-Kostüme ihrer Kinder und ein Fotoalbum einpacken konnte. Als sie einen Tag später zurückkehrte, war das Haus vollständig abgebrannt.

Was mitnehmen?

Für viele Kalifornier ist es das grösste Problem, die Dinge auszusuchen, die sie mit auf die Flucht nehmen wollen: Neben Unterlagen, Wertsachen und Erinnerungsstücken packen viele auch ihre Computer mit ein. Nicht nur die Angst vor Feuer sondern auch vor Dieben spielt bei dem Packen eine Rolle. Entsprechend schwer beladen treffen viele in Schulen und anderen Notunterkünften ein.

Die Lehrerin Kathy Jones aus Escondido bei San Diego trotzt bisher der Gefahr. Am Samstag hatte die Polizei alle Bewohner des Viertels aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Doch noch will sie ihr Haus nicht aufgeben. Der Zeitung «Mecury News» sagte die Lehrerin, sie wolle so lange bleiben, bis die Polizei sie zwinge, ihr Haus zu verlassen. (sda)

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