Aktualisiert 11.10.2017 10:50

Waldbrände in Kalifornien75 Jahre verheiratet – Paar stirbt in den Flammen

Bei den Waldbränden in Kalifornien sind ein 100 Jahre alter Mann und seine zwei Jahre jüngere Frau ums Leben gekommen. Der Mann versuchte, seine gelähmte Frau zu retten.

von
chk

Notstand ausgerufen: Hunderte Feuerwehrleute kämpfen in Kalifornien gegen die Flammen. (Video: Tamedia/Storyful/AFP)

Eine Serie von Waldbränden hat in Kalifornien mindestens 13 Menschen das Leben gekostet. Nach Behördenangaben gab es zudem mindestens 100 Verletzte. Tausende Menschen mussten vor den Flammen die Flucht ergreifen, unter anderem in den Weinregionen Napa und Sonoma. Mehr als 2000 Gebäude wurden bis Dienstag zerstört.

Unter den Toten sind auch ein 100 Jahre alter Mann und seine zwei Jahre jüngere Frau. Sie waren seit 75 Jahren miteinander verheiratet. Charles und Sara Rippey wurden in ihrem Haus in Napa County nördlich von San Francisco Opfer der Flammen, wie US-Medien am Dienstagabend (Ortszeit) berichteten.

Ihr ältester Sohn, Mike Rippey, sagte, dass seine Mutter seit einem Schlaganfall vor fünf Jahren gelähmt gewesen sei und daher keine Chance gehabt habe, dem Feuer zu entkommen.

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Die Brände zerstören in Kalifornien ganze Strassenzüge: Ausgebranntes Auto in Santa Rosa. (12. Oktober 2017)

Die Brände zerstören in Kalifornien ganze Strassenzüge: Ausgebranntes Auto in Santa Rosa. (12. Oktober 2017)

Keystone/John G. Mabanglo
Bleiben trotz Aufforderung zu Evakuierung: Ein Jugendlicher und seine Familie in Calistoga. (11. Oktober 2017)

Bleiben trotz Aufforderung zu Evakuierung: Ein Jugendlicher und seine Familie in Calistoga. (11. Oktober 2017)

Keystone/Paul Kitagaki Jr.
Viele Menschen haben ihr Zuhause verloren: Anwohner umarmen sich in Santa Rosa. (10. Oktober 2017)

Viele Menschen haben ihr Zuhause verloren: Anwohner umarmen sich in Santa Rosa. (10. Oktober 2017)

Keystone

«Mein Vater schlief in einem anderen Zimmer, und wir haben ihn auf dem halben Weg zu ihrem Zimmer gefunden, er hat es also nicht mehr bis zu ihr geschafft», sagte er. Sein Bruder Chuck Rippey sagte, er habe einen Anruf bekommen, dass das Haus brenne, und habe es einige Stunden nach dem Feuer erreicht.

«Sie lebten ein langes Leben. Es war ein grossartiges Leben, und sie waren glücklich bis zur letzten Minute», sagte Mike Rippey über seine Eltern. Sie seien zusammen gestorben und hätten niemals einander allein lassen wollen. «So war es für uns alle fast unmöglich, uns vorzustellen, dass einer von ihnen eher stirbt.»

Nur noch rauchende Trümmerhaufen

Anwohner flüchteten in Notunterkünfte und Geschäfte. Tempo und Wut der Flammen hätten sie schockiert, sagten sie. Einige konnten nur das nackte Leben retten und verloren alles, was sie zurücklassen mussten.

«All die guten Sachen – ich werde sie nicht wiedersehen», sagte Jeff Okrepkie aus Santa Rosa. Ein Freund bestätigte später mit einem Foto seine schlimmsten Befürchtungen: Darauf war Okrepkies Haus nur noch ein rauchender Trümmerhaufen.

In der Weinbauregion Sonoma gab es allein sieben Tote. Etwa 200 Vermisstenmeldungen seien eingegangen, sagte Bezirkssprecherin Maggie Fleming. Es sei möglich, dass viele der als vermisst Gemeldeten in Sicherheit seien, von ihren Angehörigen aber nicht kontaktiert werden könnten, da die Mobilfunknetze vielerorts gestört seien.

«Wir mussten einfach rennen und rennen»

Gäste des Hotels «Hilton Sonoma Wine Country» wurden mitten in der Nacht aufgerufen, ihre Sachen zu packen. Doch Flammen waren so schnell da, dass sie sofort flüchten mussten. «Wir mussten einfach rennen und rennen. Es war voller Rauch. Wir konnten kaum atmen», sagte der 33 Jahre alte Hotelgast Kim Hoe.

In Santa Rosa wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt, nachdem aus einigen Stadtteilen Plünderungen gemeldet worden waren. Zwei Krankenhäuser der Stadt mussten evakuiert werden.

In der Gegend um Fountain Grove machten die Flammen mehrere Hundert Wohnhäuser dem Erdboden gleich. Das Feuer war so heiss, dass Glasscheiben und Aluminiumfelgen an den Autos schmolzen. In einem Strassenzug liess es nur noch die Schornsteine der Häuser übrig.

Rauchverletzungen und Verbrennungen

Ein Grossteil der Verletzten sei wegen Rauchvergiftungen behandelt worden, teilte das Krankenhaus St. Joseph Health mit. Zwei Menschen hätten schwere Verletzungen erlitten. Ein Patient sei in eine Spezialklinik für Verbrennungen verlegt worden. Im benachbarten Bezirk Napa zerstörten die Flächenbrände mindestens 1500 Gebäude und vertrieben geschätzt 20 000 Menschen.

Zahlreiche Menschen seien verletzt worden und einige würden vermisst, sagte Ken Pimlott, Direktor der kalifornischen Behörde für Forstwesen und Brandschutz. Eine Autobahn, die durch die Gegend führt, war wegen der Flammen unbenutzbar. Der Rauch einiger Brände in Napa und Sonoma war bis in das fast 96 Kilometer entfernte San Francisco zu sehen.

Im Süden Kaliforniens wurden mehr als 5000 Häuser wegen eines schnell wachsenden Brandes evakuiert. Dort tobte ein Feuer auf einer Fläche von gut 25 Quadratkilometern. Zusammen betrachtet zählen die Brände bereits jetzt zu den verheerendsten in der Geschichte Kaliforniens. Gouverneur Jerry Brown rief für die betroffenen Gebiete den Notstand aus. Vizepräsident Mike Pence sagte, die US-Bundesregierung stehe an der Seite Kaliforniens. Hilfszusagen machte er allerdings nicht. (chk/sda)

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