Aktualisiert 20.03.2020 10:22

VW

75 neue Elektroautos bis 2029

Der grösste Autohersteller der Welt bekennt sich zum batterieelektrischen Antrieb.

von
Dave Schneider
Grossoffensive in Sachen E-Mobilität: VW.

Grossoffensive in Sachen E-Mobilität: VW.

Oliver Killig

Volkswagen mit seinen Marken VW, Audi, Seat, Skoda, Porsche, Bentley und Lamborghini verursacht ein Prozent des globalen Kohlenstoffdioxid-Ausstosses. Ein einziger Konzern ist also für einen Hundertstel der gesamten CO2-Emissionen verantwortlich – entsprechend viel kann VW bewirken, wenn sich der grösste Autohersteller der Welt neu positioniert. «Dieses eine Prozent wollen wir auf null reduzieren», sagt VW-Chefstratege Michael Jost und kündigt an: «Bis 2050 wollen wir gar kein CO2 mehr ausstossen».

30 Jahre, um dieses Ziel umzusetzen – das erscheint ein langer Zeitraum. Doch der Weg zum klimaneutralen Konzern ist komplex: Nicht nur die Produktepalette muss auf neue Antriebsformen umgekrempelt werden, auch die Produktion der Fahrzeuge muss nachhaltiger werden: Von der Gewinnung der Rohstoffe über die Komponentenherstellung bei den Zulieferern und die Fertigung der Autos in den Werken bis hin zum Recycling und der Entsorgung am Ende des Fahrzeuglebens. Nicht zuletzt muss auch der Konzern mit seinen über 670'000 Angestellten CO2-neutral funktionieren. Eine Herkulesaufgabe.

33 Milliarden Euro

Im Zentrum steht die Umstellung der bestehenden Produktpalette zu batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV). Entscheidend dabei ist der Modulare E-Antriebs-Baukasten MEB, eine Technikplattform, auf der konzernübergreifend in allen Fahrzeugsegmenten E-Autos aufgebaut werden können. VW ist damit in der Lage, die E-Mobilität mit aller Macht voranzutreiben: «Bis 2029 werden wir 75 neue Elektroautos auf den Markt bringen», kündigt der für die E-Mobilität verantwortliche Vorstand Thomas Ulbrich an.

Der Konzern investiert dafür 33 Milliarden Euro – das entspricht mehr als den gesamten Markenwerten des Konzerns. «In diesem Zeitraum werden wir 26 Millionen E-Autos auf die Strasse bringen, und zwar in allen drei grossen Weltregionen Europa, USA und China». Die Wolfsburger bekennen sich dabei klar zur Batterie und distanzieren sich dezidiert von der Brennstoffzelle. «Wasserstoff werden wir in Zukunft zweifellos brauchen», sagt Chefstratege Jost, «aber sicher nicht im Auto». Die Energiebilanz eines BEV sei deutlich besser, und nur das werde in Zukunft zählen.

Ausgerechnet der Volkswagen-Konzern, der mit mehrfachen Manipulationen an der Abgasnachbehandlung die Dieselkrise ausgelöst hat, will sich nun als Treiber einer umweltfreundlichen Antriebsform positionieren. Für Volker Quaschning, Professor für regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, ist dieser Wandel vom Saulus zum Paulus aber glaubhaft: «Noch vor fünf Jahren stand VW nicht gerade für Innovation und Klimaschutz», sagt der Mitbegründer von «Scientists for Future», einer Initiative von Wissenschaftlern zur Unterstützung der Schülerbewegung «Fridays for Future». «Mittlerweilen habe ich den Eindruck, dass die Strategie von VW sehr ernst gemeint ist».

Keine Alternative

Auch für Quaschning führt kein Weg an der Elektromobilität vorbei: «Die CO2-Emissionen im Verkehrssektor sind dramatisch. Um die Klimaziele einhalten zu können, braucht es hier eine Disruption – das geht nicht mit leicht sparsameren Motoren, wir brauchen hier eine komplett andere Strategie.» Der Zeitpunkt, um die Transformation hin zur Elektromobilität einzuleiten, «ist jetzt», bekräftigt VW-Vorstand Thomas Ulbrich. «2020 ist das Entscheidungsjahr für den Systemwechsel zur E-Mobilität». Der zu hohe Preis der Produkte sei passe, die Reichweitenangst kein Thema mehr, die Ladeinfrastruktur stehe und werde laufend ausgebaut: «Das Elektroauto ist bereit für den Durchbruch».

Doch voll in die E-Mobilität einzusteigen bedeutet auch, aus den Verbrennungsmotoren auszusteigen. Auch hier zeigt sich VW konsequent: Vom Modularen Querbaukasten MQB, auf dem die aktuellen Modelle mit Verbrennungsmotor aufbauen, soll es 2026 die letzte Generation geben. Denn ab 2050 will der Konzern keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr bauen. «Das meinen wir durchaus ernst», bestätigt Jost.

Apropos ernst: Die Marke VW hat am Dienstag mitgeteilt, dass die Produktion wegen der Corona-Krise sukzessive heruntergefahren wird. Die deutschen Standorte stehen ab heute Donnerstag «nach der Spätschicht» für mindestens zwei Wochen still. Eine Hiobybotschaft, nachdem der Volkswagen Konzern das Geschäftsjahr 2019 mit verbesserten finanziellen Ergebnissen fast aller Marken erfolgreich abgeschlossen hat.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.