O du fröhliche...: 800 Millionen Franken für «falsche» Geschenke
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O du fröhliche...800 Millionen Franken für «falsche» Geschenke

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Und der Geschenke. Das sollte Ökonomen freuen, kurbelt Weihnachten doch den Konsum mächtig an. Die Bilanz könnte aber noch viel besser ausfallen. Denn durch falsche Geschenke werden in der Schweiz hunderte Millionen Franken vernichtet.

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sas/scc

Schenken und beschenkt werden - ein grosses Thema zur Weihnachtszeit. Nur: Oftmals liegen unter der geschmückten Tanne die falschen Präsente. Die meisten Geschenke hätten sich die Beschenkten so nie gekauft, ist der US-Ökonom Joel Waldfogel von der Pennsylvania State University überzeugt. So würden Kinder oftmals lieber einen iPod oder eine Spielkonsole unter dem Baum sehen als neue Legosteine, der Vater hätte lieber neue Skis und keinen Kaschmirschal, und die Mutter würde dem Bildband über zeitgenössische Kunst ein Abo fürs Fitnesscenter vorziehen.

Joel Waldfogel hat das Fest der Liebe untersucht und festgestellt: Nur wenige Dinge, welche die Beschenkten an Heiligabend auspacken, gefallen ihnen tatsächlich oder sind auch richtig nützlich. Zudem wären die Beschenkten in der Regel nicht bereit, für die Geschenke soviel auszugeben, wie die Schenkenden dafür hingeblättert haben.

Die schlimmsten Geschenke kommen von den Schwiegereltern

Das Weihnachtsgeschäft ist für die Schweizer Händler die wichtigste Zeit im Jahr. Sie setzen im Advent zusätzlich 2 bis 3 Milliarden Franken um. Im Dezember funktioniert der Konsument aber anders als sonst. Im Gegensatz zu den restlichen Monaten geben die Leute das Geld nicht für sich selber aus, sondern für andere.

Am meisten daneben liegen laut den Untersuchungen von Waldfogel die Schwiegereltern, gefolgt von den Grosseltern und der Tante. Des Ökonomen Fazit: Hat Tante Martha für den Kaschmirschal 100 Franken bezahlt, wäre dieser dem Vater – sofern man ihn denn gefragt hätte – höchstens sechzig Franken wert gewesen. Aus wirtschaftlicher Sicht sind folglich vierzig Franken vernichtet worden. Und auch die Legosteine im Wert von 200 Franken für die Kinder entpuppen sich als Fehlgriff. Der Nachwuchs ist dem Alter der farbigen Steine längst entwachsen. Eine Game-Konsole wäre angesagt gewesen: Die Lego wandern ungebraucht in den Spielzeugschrank und damit auch die 200 Franken.

Die Lösung heisst Gutschein

Tante Martha entpuppt sich damit als Wertvernichterin und ist in bester Gesellschaft. Waldfogel schätzt die weihnachtliche Wertvernichtung weltweit auf mehr als 100 Milliarden Franken - pro Jahr. In seiner Rechnung für die USA beziffert er den «Schaden» auf bis zu 25 Milliarden Dollar. Rechnet man dies auf die Schweiz um, würden sich hierzulande allweihnächtlich 540 bis 810 Millionen Franken einfach in Luft auflösen.

Aus ökonomischer Sicht am Sinnvollsten ist es laut Waldfogel, Geld zu verschenken. Weil das aber verpönt ist und als überaus unkreativ gilt, bieten sich als Lösung Gutscheine an (siehe Bildstrecke). Letztere erfreuen sich wachsender Beliebtheit: In der Schweiz wandern Papiergeschenke in der Höhe von 800 Millionen Franken unter die Christbäume.

Jeder zehnte Gutschein wird nicht eingelöst

Hätte Tante Martha Gutscheine eines Elektronikmarktes verschenkt, würden die Kinder später zusätzliche Games kaufen und damit der Wirtschaft weiteren Nutzen bescheren. Ebenso Vater und Mutter: Wegen der neuen Skis von Tante Martha würde er Tageskarten im Skigebiet erstehen und die Mutter würde sich für den modischen Auftritt im Fitnesscenter ein neues Outfit beschaffen.

Leider haben aber auch Gutscheine einen Haken: Zehn Prozent werden nicht eingelöst, weil sie vergessen oder verloren gehen.

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