UNO-Hilfswerk: 83'000 Flüchtlinge mehr in zwei Wochen
Aktualisiert

UNO-Hilfswerk83'000 Flüchtlinge mehr in zwei Wochen

Seit Beginn der israelischen Offensive im Gazastreifen ist die Zahl der palästinensischen Flüchtlinge von 17'000 auf 100'000 gestiegen. Das UNO-Hilfswerk stösst an seine Grenzen.

Die Hilfsorganisationen im Gazastreifen werden von der Explosion der Zahl palästinensischer Flüchtlinge überrumpelt. Das UNO-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) beherbergte vor der israelischen Militäroffensive rund 17'000 Vertriebene. Heute sind es 100'000.

Diese Entwicklung vermöge eine Vorstellung vom «Ernst der Lage» zu vermitteln, sagte UNRWA-Direktor Pierre Krähenbühl in der Westschweizer Zeitung «Le Temps» vom Mittwoch. Er forderte gleichzeitig eine Feuerpause.

«Gestützt auf die Erfahrungen von Israels Operationen 2008 und 2012 hatten wir uns auf die Ankunft von 35'000 bis 50'000 zusätzlichen Personen vorbereitet.» Um nun an neue finanzielle Mittel zu kommen, ruft das UNRWA zu Spenden auf. Es benötige 115 Millionen Dollar.

Schule absichtlich beschossen

Seit Beginn der israelischen Offensive seien 77 Schulen, Spitäler und andere Gebäude des UNRWA durch die Kämpfe beschädigt worden, sagte Krähenbühl. Am Montag wurde eine Schule offenbar absichtlich beschossen. «Das zeigt, wie schwierig die Lage ist, in der wir arbeiten.»

Ein Zurück zur Situation vor der Militäroffensive ist für Krähenbühl nicht vorstellbar. Es brauche eine breitere Perspektive, nicht zuletzt auch was die wirtschaftliche Situation betreffe: «Nach acht Jahren der Blockade ist die humanitäre Situation nicht mehr haltbar.» Im Jahr 2000 habe das UNRWA noch 80'000 Personen im Gazastreifen unterstützt, heute seien es 830'000.

500'000 Schüler studieren in UN-Schulen

Das UNO-Hilfswerk wurde im Jahr 1949 gegründet und hat zum Ziel, fünf Millionen palästinensischer Flüchtlinge in Jordanien, Libanon, Syrien, im Westjordanland und im Gazastreifen zu schützen und sie zu unterstützen.

Es führt 600 Schulen, in denen eine halbe Million Schüler studieren und verfügt zudem über ein Netz von 150 Spitälern. Rund 30'000 Beschäftigte stehen beim UNRWA im Sold. Seit März ist Krähenbühl dessen Direktor. (sda)

Zwei weitere tote israelische Soldaten

Bei Kämpfen im Gazastreifen sind am Dienstag zwei weitere israelische Soldaten getötet worden.

Wie das israelische Militär am frühen Mittwochmorgen mitteilte, starben damit bisher bei dem Militäreinsatz insgesamt 29 israelische Soldaten.

Trotz internationaler Waffenruhe-Bemühungen ist in dem Konflikt kein Ende der Gewalt in Sicht. Israel geht seit dem 8. Juli gegen Ziele im Gazastreifen vor. Ziel des Einsatzes ist es, den andauernden Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen zu unterbinden. Auf palästinensischer Seite starben bei den israelischen Angriffen bislang mehr als 630 Menschen. (SDA)

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