Schwerverkehr: 83 Prozent mehr Anzeigen gegen LKW-Fahrer
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Schwerverkehr83 Prozent mehr Anzeigen gegen LKW-Fahrer

Alkohol am Steuer, zu schwere Last oder Missachtung der Ruhezeiten: 2017 hat die Polizei aus unterschiedlichen Gründen Lastwagen-Chauffeure geahndet.

von
roy
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Gemäss gesetzlichen Vorgaben sollten bis 2018 nur noch 650'000 Lastwagen im Jahr die Schweizer Alpen durchqueren - 2017 aber waren es rund 950'000. (Archivbild)

Gemäss gesetzlichen Vorgaben sollten bis 2018 nur noch 650'000 Lastwagen im Jahr die Schweizer Alpen durchqueren - 2017 aber waren es rund 950'000. (Archivbild)

Keystone/Urs Flüeler
Letztes Jahr wurden 32'967 Gesetzesverletzungen im Schwerverkehr registriert.

Letztes Jahr wurden 32'967 Gesetzesverletzungen im Schwerverkehr registriert.

Keystone/Cyril Zingaro
Im August gingen Aktivisten der Alpeninitiative vor der Bundeskanzlei in Bern auf die Strasse und forderten mit Plakaten, Transparenten und einer Petition mehr Lastwagenkontrollen für den Transitverkehr.

Im August gingen Aktivisten der Alpeninitiative vor der Bundeskanzlei in Bern auf die Strasse und forderten mit Plakaten, Transparenten und einer Petition mehr Lastwagenkontrollen für den Transitverkehr.

Keystone/Lukas Lehmann

An den Schweizer Grenzen fallen immer mehr Lastwagen mit Sicherheitsmängeln, fahruntüchtigen Chaffeuren oder Verstössen gegen die Ruhezeiten auf, wie die «Sonntagszeitung» berichtet. 2010 registrierte die Eidgenössische Zollverwaltung 17'997 Gesetzesverletzungen im Schwerverkehr, 2017 waren es bereits 32'967 – eine Zunahme um 83 Prozent.

Auch im Landesinnern ahndet die Polizei jährlich tausende LKW-Chauffeure, wie bisher unveröffentlichte Zahlen des Bundesamt für Strassen zeigen. 24'464 Bussen und Anzeigen mussten hier im letzten Jahr ausgestellt werden. Fast Zehntausend davon, weil Lenker Gewicht oder Masse nicht einhielten. Geahndet wurden auch 4477 Verstösse gegen die Arbeits- und Ruhezeitbestimmung. Zudem gab es 245 Verletzungen der Gefahrgutvorschriften. 100 Chauffeure sassen angetrunken am Steuer.

Anstieg trotz Alpen-Initiative

Die Fahrer gehen immer geschickter vor. Die Urner Kantonspolizei etwa, die das grösste Schwerverkehrszentrum der Schweiz betreibt, erwischte letztes Jahr auf der Gotthardroute 113 Betrüger, die mit einem kleinen Gerät das Abgasreinigungssystem manipulierten. Zudem zählte man 1147 Verstösse gegen die Ruhe- und Arbeitszeiten, das sind 35 Prozent mehr als im Vorjahr.

Trotz Alpen-Initiative, die das Volk 1994 angenommen hat, nimmt die Zahl der potentiellen Sünder kaum ab. Gemäss gesetzlichen Vorgaben sollten bis 2018 nur noch 650'000 Lastwagen im Jahr die Schweizer Alpen durchqueren. «Das wurde bisher nicht erreicht», sagt Jon Pult vom Verein Alpen-Initiative, in der «Sonntagszeitung». «2017 waren es rund 950'000 LKW-Fahrten.»

Auch Reisecars mit Mängeln

Die Zunahme der Verstösse an der Grenze sei logisch:«Die meisten Chauffeure kommen aus Osteuropa, wo die Arbeitsbedingungen immer schlimmer werden.» Pult spricht von menschenunwürdigen Zuständen, von Monatslöhnen unter 400 Euro. «Es ist offensichtlich, dass solche Spediteure auch beim Material sparen»

Wie bei den LKWs kommt es auch bei Reisecars immer wieder zu Gesetzesverstössen. Vor einem Monat überprüfte die Urner Polizei im Zentrum Erstfeld 27 Reisebusse, die meisten aus EU-Staaten. Sieben Lenker wurden angezeigt wegen technischer Mängel, Überlast oder Verstoss gegen die Ruhezeit.

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