Drakonische Strafe: 86 Jahre für versuchte Tötung
Aktualisiert

Drakonische Strafe86 Jahre für versuchte Tötung

Eine pakistanische Wissenschafterin mit angeblichen Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida ist in den USA verurteilt worden. Die Menschen in Pakistan sind empört.

Pakistanische Proteste gegen die Verurteilung Aafia Siddiquis,einer mutmasslichen Al-Kaida-Terroristin.

Pakistanische Proteste gegen die Verurteilung Aafia Siddiquis,einer mutmasslichen Al-Kaida-Terroristin.

Nach der Verurteilung einer pakistanischen Wissenschaftlerin in den USA zu einer Haftstrafe von 86 Jahren ist es in ihrem Heimatland zu Protesten gekommen. In der Stadt Peshawar gingen Dutzende Menschen auf die Strasse, verbrannten Reifen und skandierten «Nieder mit Amerika». Einige schlugen ein Porträt des US-Präsidenten Barack Obama mit Schuhen. Die am Massachusetts Institute of Technology (MIT) ausgebildete Aafia Siddiqui war 2008 in Afghanistan festgenommen worden. Das Gericht befand sie der versuchten Tötung von US-Beamten für schuldig.

Der Schuldspruch erfolgte bereits im Februar, am Donnerstag wurde dann von einem Richter in New York das Strafmass verkündet. Die vorausgegangene Verhandlung war von zahlreichen Unterbrüchen und bizarren Wortwechseln geprägt gewesen. So hatte Siddiqui gefordert, Juden müssten wegen Befangenheit aus der Jury ausgeschlossen werden. Ihre Anwälte hatten erfolglos versucht, sie für verhandlungsunfähig erklären zu lassen, da sie unter Schizophrenie leide.

Verbindungen zu 9/11-Attentäter

Viele Pakistaner glauben, Aafia Siddiqui sei von den USA entführt und jahrelang in einem geheimen Gefängnis festgehalten worden. Amerikanische Behörden hatten die Wissenschaftlerin als mögliches Al-Kaida-Mitglied zur Fahndung ausgeschrieben. Siddiqui heiratete 2003 in Pakistan einen Neffen Chalid Scheich Mohammads, des Kopfs hinter den Anschlägen vom 11. September 2001. Danach verliert sich ihre Spur, bis zu ihrer Festnahme 2008. Bei ihrer Verhaftung trug sie Notizen über einen Anschlag in New York bei sich. Bei einem Verhör habe sie sich einer Waffe bemächtigt und mit dem Ausruf «Tod den Amerikanern» auf US-Agenten und Offiziere geschossen, erklärte das Gericht.

«Diese Strafe ist ein Schlag ins Gesicht unserer Regierenden, die versprochen haben Aafia zurückzubringen», sagte ihre Schwester Fauzia in Karachi. Die pakistanische Regierung, die die Kosten für ihre Verteidigung übernommen hatte, sei «enttäuscht über die Strafe und betrübt darüber, dass unsere Anstrengungen, sie zurück nach Pakistan zu holen, misslangen», sagte Abdul Basit, Sprecher des pakistanischen Aussenministeriums. (dapd)

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