Aktualisiert 06.02.2014 10:43

Tatort Kirche

86 Missbräuche an Kindern gemeldet

Die katholische Kirche in der Schweiz führt seit 2010 eine Statistik zu Fällen von sexuellem Missbrauch durch deren Vertreter. Fast die Hälfte der 193 Übergriffe betrafen Kinder.

Die Übergriffe ereigneten sich in einem Zeitraum von den frühen 1950er-Jahren bis zur Gegenwart.

Die Übergriffe ereigneten sich in einem Zeitraum von den frühen 1950er-Jahren bis zur Gegenwart.

Besonders viele Fälle wurden laut Walter Müller von der Kommunikationsstelle der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) im Jahr 2010 registriert. Damals hatte die Kirche Missbrauchsopfer mit einer Kampagne dazu aufgerufen, sich zu melden. Daraufhin gingen Meldungen über 146 Opfer und 125 Täter ein. 2011 wurden 23 Opfer und 24 Täter gemeldet, 2012 noch je neun Opfer und Täter.

Unter den in den Jahren 2010, 2011 und 2012 gemeldeten Fällen betrafen 86 sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Darüber, wie viele der 2009 gemeldeten Missbrauchsfälle Minderjährige betreffen, konnte Müller keine Angaben machen.

Die Übergriffe ereigneten sich in einem Zeitraum von den frühen 1950er-Jahren bis zur Gegenwart, wie Müller der Nachrichtenagentur SDA mitteilte. Fälle, die sich in den letzten Jahren ereignet hätten, beträfen vor allem sexuelle Belästigungen von Frauen.

Meldestellen seit 2002

2002 begannen die Schweizer Bistümer, Meldestellen für Missbrauchsopfer einzurichten. Die Bistümer untersuchen die Fälle mithilfe eines Fachgremiums auf nationaler Ebene. «Bei weit zurückliegenden Fällen muss dabei erst abgeklärt werden, ob der mutmassliche Täter überhaupt noch lebt», so Müller.

Seit 1. Februar dieses Jahres gelten die neuen SBK-Richtlinien zu sexuellen Übergriffen. Diese enthalten eine Informationspflicht: Wird ein Seelsorger oder Ordensmitglied neu eingestellt, müssen die bisherigen Verantwortlichen die neuen Vorgesetzten informieren, ob die Person von einem Verfahren wegen sexueller Übergriffe betroffen ist oder war. (sda)

So viel kostete der katholischen Kirche der Missbrauch – bis jetzt

Irland in den letzten Jahren über Tausende Missbrauchsfälle unter dem Dach der Kirche ans Licht gekommen waren, wurden die Opfern mit insgesamt 750 Millionen Euro entschädigt. Die Zahlungen gingen an Menschen, die als Kinder in kirchlich geführten Schulen, Heimen und Krankenhäusern sexuell, körperlich oder seelisch misshandelt wurden.

USA wurden über 10 000 Fälle sexuellen Missbrauchs Kinder und Jugendlicher durch katholische Geistliche bekannt geworden, vor allem aus den 1940ern und bis in die 1990er Jahre. Im Juli 2007 erklärte sich die Erzdiözese von Los Angeles bereit, eine Entschädigung in Höhe von insgesamt 660 Millionen Dollar als aussergerichtlichen Einigung an rund 500 Kläger zu zahlen. Damit summierten sich die kirchlichen Entschädigungszahlungen auf rund zwei Milliarden US-Dollar (2,15 Milliarden Franken). Die hohe Entschädigungssummen haben viele Diözesen an den Rand der Zahlungsunfähigkeit getrieben - der Erzbischof von Boston sitzt seit 2004 nicht mehr in seiner Residenz, sondern in einer Mietwohnung.

(kle)

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