Aktualisiert 11.08.2009 17:26

Totalausfall86 Züge standen still

Ein Stromausfall hat die SBB im Tessin lahmgelegt. Während einer Stunde standen im Südkanton alle 86 Züge still. Vier Fernverkehrszüge blieben auf offener Strecke stehen. Erinnerungen an den grossen Blackout wurden wach.

Die Ursache für die Panne vom Mittag war am Dienstagabend noch nicht klar, wie die SBB mitteilte. Wie beim landesweiten Stromausfall vom 22. Juni 2005, führte die SBB am Dienstag an ihren Hochspannungsleitungen über den Gotthard Wartungsarbeiten durch.

Während 2005 noch eine von drei Hochspannungsleitungen das Tessin mit der Restschweiz verband, wurden die Tessiner Strecken nun planmässig vollständig isoliert und als Strominsel betrieben. Eine fatale Kettenreaktion wie 2005, als auch im Norden die gesamte Stromversorgung zusammenbrach, war also nicht möglich.

Das Tessin wurde einzig durch das SBB-Wasserkraftwerk Ritom und den SBB-Frequenzumformer Giubiasco mit Bahnstrom versorgt. Aus noch unbekannten Gründen kam es im Südkanton ab 12.30 Uhr zu starken Frequenzschwankungen. Der Generatorschutz in Ritom wie auch in Giubiasco schaltete beide Werke automatisch ab.

Normalisierung dauert Stunden

Der Bahnverkehr im Tessin war für rund eine Stunde vollständig lahmgelegt. Um 13.30 Uhr konnte die SBB den Strom wieder einschalten und den Betrieb sukzessive wieder aufnehmen. Bis in den Abend hinein mussten die Kunden aber Verspätungen hinnehmen, denn viel Rollmaterial war noch nicht dort, wo es sein sollte.

Vorübergehend lahmgelegt wurden neben der Hauptstrecke zwischen dem Gotthardtunnel und dem Grenzübergang Chiasso auch die SBB- Zweigstrecken von Bellinzona nach Locarno sowie Luino in Italien. Nicht betroffen waren die anderen Bahngesellschaften im Tessin, also die Strecken Lugano-Ponte Tresa, durchs Centovalli und auf den Monte Generoso.

Zwischen Göschenen und Bellinzona verkehrten 14 Ersatzbusse. Einige Fernverkehrszüge wurden grossräumig über den Lötschberg umgeleitet. Zwei der vier Fernverkehrszüge, die auf offener Strecke stehen geblieben waren, mussten durch die Lösch- und Rettungszüge von Airolo und Bellinzona evakuiert werden.

Die Regionalzüge (TILO) befanden sich alle in Stationen. Die Fahrgäste konnten damit die Züge verlassen, bei denen ohne Bahnstrom auch die Klimaanlage ausfällt. Der SBB versorgte betroffene Kunden mit Getränken, Sanitätsfälle wurden nicht bekannt.

Entschuldigung

Wieviele Zugsreisende von der Panne betroffen waren, blieb unklar. Alleine in den vier lahmgelegten Fernverkehrszügen dürften sich laut SBB rund 700 Personen befunden haben. SBB-Sprecher Reto Kormann sagte, das Unternehmen entschuldige sich für die Unannehmlichkeiten und werde sich bezüglich Entschädigungen kulant zeigen. Betroffene können sich beim SBB-Kundendienst melden.

Kormann erklärte, ein Strominselbetrieb sei nicht aussergewöhnlich, sondern komme drei bis vier Mal im Jahr planmässig, infolge Unwetter auch unplanmässig vor. Bislang ist das Tessin nur über den Gotthard an die SBB-Hochspannungsversorgung angeschlossen.

Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) verwies am Dienstag auf Anfrage darauf, dass nach dem Blackout von 2005 insgesamt 28 Projekte zum Ausbau und Ersatz von Bahnstrom-Übertragungsleitungen eingeleitet wurden.

Der Bau eines zweiten Versorgungskorridors des Tessins vom Wallis über den Nufenenpass harrt allerdings wegen Einsprachen von Anwohnern weiterhin der Vollendung. Ein dritter Versorgungsweg für das Tessin wird 2017 durch den Gotthard-Basistunnel in Betrieb genommen. (sda)

SBB-Hotline

Die SBB empfehlen, die Lautsprecherdurchsagen zu beachten oder sich über die Bildschirme in den Bahnhöfen zu informieren. Weitere Informationen erhalten Bahnkunden über die kostenlose SBB-Hotline, Telefon 0800 99 66 33.

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