Rosengarten Zürich : 860 Millionen Franken für Tunnel und Tram
Aktualisiert

Rosengarten Zürich 860 Millionen Franken für Tunnel und Tram

An der Rosengartenstrasse sollen die Autos ab 2032 durch einen Tunnel fahren. Oben wäre dann Platz für die neue Tramlinie. Stadt und Kanton präsentieren am Dienstag ihre Pläne.

von
sda

Die stark belastete Zürcher Rosengartenstrasse soll bis 2032 wieder zu einer echten Quartierstrasse werden. Stadt und Kanton Zürich haben am Dienstag eine gemeinsame Lösung präsentiert, die einen Tunnel für den Individualverkehr und eine neue Tramverbindung vorsieht.

Nach langer Diskussion liege jetzt eine Gesamtlösung vor, die dem Quartier endlich Entlastung bringe und die Lebensqualität zurückgebe, sagte Regierungsrat Ernst Stocker (SVP) vor den Medien. Seit 1972 sei die Rosengartenstrasse ein Provisorium - dies sei eine unbefriedigende Lösung, welche sowohl das Quartier als auch die Verkehrsteilnehmer belaste. Die zuständigen Stadträte Ruth Genner (Grüne) und Andres Türler (FDP) sowie die Regierungsräte Ernst Stocker und Baudirektor Markus Kägi (SVP) haben am Dienstag vereinbart, die Planung des Grossprojektes gemeinsam voranzutreiben. Bis 2032 soll es realisiert sein.

Doppelröhre geplant

Künftig soll der motorisierte Individualverkehr zwischen Irchel und Wipkingerplatz weitgehend durch einen Tunnel - den Rosengartentunnel - geführt werden. Die Doppelröhre wird zwischen dem Anschluss am Bucheggplatz und dem Wipkingerplatz vierspurig geführt. Dazu kommt das Rosengartentram als neue Direktverbindung zwischen dem Bahnhof Hardbrücke und Milchbuck. Die Achse ist seit 2006 ein wichtiger Bestandteil der Netzentwicklungsstrategie der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), wie Stadtrat Andres Türler sagte.

Mit dem Bau des Rosengartentrams würden wichtige Entwicklungsgebiete der Stadt Zürich direkt miteinander verbunden. Gleichzeitig kann laut Türler die Innenstadt entlastet werden.

Dazu komme der wirtschaftliche Nutzen der Tramtangente. Wer heute zwischen Zürich-Nord und Zürich-West pendle, benutze in den meisten Fällen das Auto, weil der ÖV zu wenig leistungsfähig sei. Mit der neuen Verbindung könne ein Grossteil dieses motorisierten Individualverkehrs aufs Tram verlagert werden. Dies führe letztlich zu weniger Stau, sagte Türler.

Problembereich Tunnelportale

Laut Tiefbauvorsteherin Ruth Genner ist die Situation an der Rosengartenstrasse unhaltbar und muss überwunden werden. Die Strasse stelle eine fast unüberwindbare Barriere dar, sie zerschneide ein ganzes Quartier. Wipkingen müsse deshalb eine Beruhigung erfahren. Dass dies möglich sei, zeige das Beispiel der umgebauten Weststrasse. Dank der Umlagerung des Verkehrs auf die Westumfahrung sei die Wohn- und Lebensqualität dort deutlich gestiegen.

Mit der angestrebten Gesamtlösung wird die Rosengartenstrasse weitgehend vom Durchgangsverkehr entlastet, wie Genner erklärte. Entsprechend werde die Strasse zur Quartierstrasse abklassiert. Nach wie vor kritisch bleibe die Situation dagegen im Bereich der Tunnelportale. «Dort müssen wir nach verträglichen Lösungen suchen.» Mit der neuen Tramstrecke und dem Tunnel schlage man zwei Fliegen mit einer Klappe, sagte Genner. «So erhöhen wir die Kapazität im ÖV auf der Rosengartenstrasse markant, ohne dass wir die Umweltbilanz negativ beeinflussen.»

Anspruchsvolles Projekt

Gemäss Baudirektor Markus Kägi handelt es sich beim Rosengartentunnel aufgrund der engen Platzverhältnisse in der Stadt um ein anspruchsvolles Unterfangen. Klar sei auch, dass zunächst der Tunnel, danach das Tram gebaut wird. Sonst würden gemäss Kägi «unzumutbare Verkehrsengpässe» entstehen.

Bis das Grossprojekt Wirklichkeit ist, wird es noch einige Zeit dauern. Kägi rechnet mit einer Bauzeit von sieben Jahren für den Tunnel und anschliessend mit weiteren zwei Jahren für das Tram. Baubeginn wird frühestens im Jahr 2024 sein. Eine grobe Schätzung der Kosten beläuft sich auf 860 Millionen Franken. Im Verlauf der detaillierten Projektierung könnte sich dieser Betrag jedoch um bis zu 30 Prozent erhöhen oder vermindern.

«Es ist ein tolles Projekt», schwärmte Kägi, von dem alle profitieren könnten. Der seit 2007 im Richtplan eingetragene Waidhaldetunnel würde hingegen nicht dieselbe Entlastung für das Quartier bringen, wie Kägi sagte. Zudem wäre er viel teurer. Bis zur Einweihung sind noch einige politische und wohl auch juristische Hürden zu nehmen. Eine Volksabstimmung bezeichnete Kägi als «ziemlich wahrscheinlich».

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