Aktualisiert 08.12.2008 21:39

9/11-Terror9/11-Prozess: Angeklagte bekennen sich schuldig

Im Prozess um die Anschläge vom 11. September 2001 haben der Hauptverdächtige Khalid Sheikh Mohammed und vier Mitangeklagte überraschend angekündigt, sich schuldig bekennen zu wollen.

Sie erklärten am Montag im US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba, auf Anträge zu ihrer Verteidigung verzichten und ein Geständnis ablegen zu wollen. Um diese Strategie gemeinsam verfolgen zu können, verschoben sie jedoch das Geständnis.

Die fünf Angeklagten erklärten ihre Bereitschaft zum Geständnis in einer gemeinsamen schriftlichen Erklärung, die Richter Stephen Henley zum Auftakt der Anhörung verlas. Auf die Frage des Richters, ob er sich schuldig bekennen wolle, antwortete 43-jährige Sheikh Mohammed: «Ja, wir wollen keine Zeit verschwenden.»

Sheikh Mohammed: «Gemeinsame Strategie»

Später sagte er jedoch, er wolle das Bekenntnis «zurückhalten oder verschieben», bis geklärt sei, ob wie er auch seine Mitangeklagten Ramzi Binalshibh und Mustafa al-Hawsawi ihre Verteidiger entlassen und ihre Verteidigungsanträge zurückziehen dürfen.

Die Angeklagten Walid bin Attash und Ali Abdul-Aziz Ali schlossen sich dieser Entscheidung an. «Der Grund ist, dass unsere Plädoyers auf einer gemeinsamen Strategie beruhen», sagte Ali.

Richter Henley hatte zuvor darauf verwiesen, dass die fünf Angeklagten sich nicht gemeinsam, sondern nur einzeln schuldig bekennen dürften.

Binalshibh, der als Cheflogistiker der Hamburger Zelle um den Flugzeugattentäter Mohammed Atta gilt, und al-Hawsawi dürften ihre Anwälte vorerst nicht entlassen, da ihr geistiger Zustand noch geprüft werden müsse. Allen fünf Angeklagten droht bei einer Verurteilung die Todesstrafe.

Sheikh Mohammed stellte in einer kurzen Stellungnahme die Unabhängigkeit des Gerichts in Frage und warf dem US-Geheimdienst CIA erneut vor, ihn gefoltert zu haben. Der aus Pakistan stammende Kuwaiter gilt als Drahtzieher der Flugzeuganschläge in New York und Washington. Bereits bei einer ersten Anhörung im Juni hatte Sheikh Mohammed das Gericht aufgefordert, ihn zum Tode zu verurteilen.

Angehörige der Opfer im Gerichtssaal

Bei der Verhandlung in Guantánamo sassen am Montag erstmals Angehörige der Terroropfer den Angeklagte gegenüber. Nur eine Scheibe aus Plexiglas trennte sie. Das Pentagon hatte fünf Hinterbliebenen per Losverfahren die Teilnahme an der Verhandlung ermöglicht. Dafür waren mehr als hundert Anfragen eingegangen.

Für die militärrechtliche Aburteilung der Terrorverdächtigen wurden im Lager Guantánamo eigens so genannte Militärkommissionen, Sondertribunale der Armee, eingerichtet.

Deren Rechtmässigkeit ist in den USA juristisch umstritten: Vor ihnen besitzen Angeklagte und Verteidigung weniger Rechte als vor ordentlichen US-Gerichten. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) kritisierte den Prozess als ungerecht. (sda)

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