9/11-Prozess: Angeklagter ist schizophren
Aktualisiert

9/11-Prozess: Angeklagter ist schizophren

Ein Experte hat Zacarias Moussaoui im Prozess um die Anschläge vom 11. September als schizophren bezeichnet. Die Diagnose ist von mehreren Spezialisten bestätigt worden.

Er habe die Krankheit beim Angeklagten diagnostiziert, sagte der auf Schizophrenie spezialisierte Psychiater Xavier Amador. Die Diagnose sei von mehreren Kollegen bestätigt worden.

Zeugen berichteten vor dem Gericht in Alexandria (Virginia) zudem von der schweren Kindheit des Angeklagten und Misshandlungen durch den gewalttätigen Vater.

Die Verteidigung hofft, mit den Zeugenbefragungen den verheerenden Eindruck vergangener Prozesstage abzumildern. Moussaoui hatte keine Reue gezeigt und unter anderem erklärt, er wünsche sich noch mehr Attentate und Leid für die Amerikaner. Dem Angeklagten droht in dem Prozess die Todesstrafe.

Schwere Kindheit

Moussaouis Schwestern sagten aus, er habe eine schwere Kindheit gehabt. Der Vater habe sowohl die vier Kinder als auch die Mutter misshandelt. «Zacarias litt darunter, von seinem Vater keine Liebe zu erhalten», sagte seine älteste Schwester Nadia. «Wir waren terrorisiert.»

Einem Sozialarbeiter zufolge verbrachte Moussaoui einen Grossteil seiner ersten sechs Lebensjahre in verschiedenen Kinderheimen, da seine Mutter mit den vier Kindern und der Trennung von ihrem Mann überfordert war.

Ehemalige Freunde berichteten, Moussaoui sei in seiner Jugend gern auf Parties gegangen. Erst als 1992 nach London ging, habe er sich verändert und sich immer mehr dem Islam zugewandt.

Schlussphase des Prozesses

Der Prozess soll am (heutigen) Dienstag und in den kommenden Tagen mit den letzten Anhörungen der Verteidigung in die Endphase gehen. Nach den Schlussplädoyers von Anklage und Verteidigung entscheiden die Geschworenen, ob Moussaoui zum Tode oder zu lebenslanger Haft verurteilt wird.

Der Franzose war einen Monat vor den mit vier Flugzeugen verübten Anschlägen festgenommen worden, da er an einer Pilotenschule im US-Bundesstaat Minnesota als verdächtig aufgefallen war.

In seinem ersten Auftritt als Zeuge vor zwei Wochen erklärte er überraschend, von El Kaida als Attentäter für den 11. September eingeplant gewesen zu sein. Er habe eine fünfte Maschine in das Weisse Haus steuern sollen. (sda)

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