Aktualisiert 03.05.2006 21:36

9/11-Prozess: «Nur» lebenslang für Moussaoui

Überraschung im 9/11-Prozess: Der im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September in den USA angeklagte französische Staatsbürger Zacarias Moussaoui ist nicht zum Tode, sondern bloss zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Das Geschworenengericht im US-Staat Virginia hat den im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 angeklagten französischen Staatsbürger Zacarias Moussaoui am Mittwoch zu lebenslanger Haft verurteilt. Die zwölf Geschworenen folgten damit nicht dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die die Todesstrafe gefordert hatte. Dem in Marokko geborenen 37-Jährigen wurde zur Last gelegt, dass er die Anschläge mit einer Aussage hätte verhindern können.

Moussaoui ist bislang die einzige Person, die wegen der Anschläge vom 11. September in den USA angeklagt wurde. Seine Schuld stand schon vor den Beratungen der Geschworenen fest. Er war einen Monat vor den Anschlägen in New York und Washington festgenommen worden. Im April vergangenen Jahres gestand er, sich an einer Verschwörung der Terrororganisation Al Kaida für eine Flugzeugentführung beteiligt zu haben. Die zwölf Geschworenen hatten noch darüber zu entscheiden, ob er zu einer lebenslangen Haft oder zum Tode verurteilt wird.

Das Urteil sei «das Ende dieses Falls, aber nicht des Kampfs gegen den Terror», erklärte US-Präsident George W. Bush. Moussaoui rief, als er aus dem Gerichtssaal geführt wurde: «Amerika, du hast verloren. Ich habe gewonnen.»

Das Urteil kam nach siebentägigen Beratungen. Drei der Geschworenen kamen dabei zu der Ansicht, dass Moussaoui kaum Kenntnisse über die Anschläge vom 11. September hatte. Drei beschrieben seine Rolle als gering, falls er überhaupt eine gehabt haben sollte.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Todesstrafe beantragt. Die Verteidigung versuchte hingegen während des Prozesses, Moussaoui als schizophren darzustellen. Der Angeklagte lehnte aber jede Zusammenarbeit mit den Anwälten ab. Während des Prozesses erklärte er auch, dass er am 11. September 2001 ein Flugzeug ins Weisse Haus hätte steuern sollen. Der Wahrheitsgehalt dieses Geständnisses ist jedoch umstritten.

(dapd)

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