Aktualisiert 04.06.2015 11:52

Bevölkerungsexplosion

9-Millionen-Schweiz – Politiker wollen handeln

Die Schweiz wird viel schneller wachsen als bislang erwartet. Schweizer Politiker wollen Gegensteuer geben – allerdings mit unterschiedlichen Massnahmen.

von
J. Büchi/ C. Knapp
Bis 2023 sollen über neun Millionen Menschen in der Schweiz leben.

Bis 2023 sollen über neun Millionen Menschen in der Schweiz leben.

Bereits in acht Jahren könnte die Schweiz mehr als neun Millionen Einwohner zählen. Davon geht das Bundesamt für Statistik in seiner neuesten Bevölkerungsprognose aus. Wie Radio SRF berichtet, stellte der Bund das brisante Zahlenmaterial vor wenigen Tagen ins Netz. Bisher gingen die Statistiker davon aus, dass die 9-Millionen-Grenze erst rund 40 Jahre später geknackt wird. Hauptgrund für die stärkere Zunahme sei die Zuwanderung, so der zuständige Abteilungsleiter Markus Schwyn gegenüber SRF.

Hans Killer, SVP-Nationalrat und Präsident der Raumplanungskommission, ist schockiert: «Das ist eine erschreckende Perspektive. Wir schlittern in eine beengende Zukunft», sagt er auf Anfrage von 20 Minuten. Für ihn ist klar, dass die Politik nun sofort reagieren muss: «Die Zuwanderung muss jetzt dringend beschränkt und die Masseneinwanderungsinitiative entsprechend konsequent umgesetzt werden.»

«Entwicklung muss uns zu denken geben»

Die Schweizer hätten mit der Annahme der Initiative gezeigt, dass sie ihren Nachbarn «nicht auf den Füssen rumstehen» wollten. Genau dies drohe mit der neuen Entwicklung aber: «Aus der Sicht der Raumplanung sind die Konsequenzen einer solchen Bevölkerungsexplosion verheerend.»

Auch FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen sagt: «Diese Entwicklung muss uns zu denken geben.» Um Gegensteuer zu geben, müsse der Familiennachzug insbesondere bei der Migration aus Drittstaaten eingeschränkt werden. «Da die Prognosen ja vor allem aufgrund der höheren Zuwanderung korrigiert werden mussten, müssen wir auch dort ansetzen.»

«Das ist ein Scheingefecht»

Der grüne Nationalrat Bastien Girod widerspricht: «Das ist doch nur ein Scheingefecht. Die Masseneinwanderungsinitiative wird keinen grossen Effekt auf das Bevölkerungswachstum haben.» Die SVP habe es selber ja nicht einmal gewagt, konkrete Zahlen zur Zuwanderungsbeschränkung zu nennen. «Und das Parlament wird die Kontingente nie so tief ansetzen, dass sie wirken, weil dies der Wirtschaft massiv schaden würde.»

Girod fordert deshalb, dass die Zuwanderung über andere Massnahmen angegangen wird. So müsse etwa in der Standort-Politik dafür gesorgt werden, dass nicht wahllos Unternehmen mit möglichst tiefen Steuern in die Schweiz gelockt werden. «Auch mit dem uferlosen Bau auf der grünen Wiese muss Schluss sein.» Mit Verweis auf die SVP sagt Girod: «Man kann nicht nach einer Drosselung der Zuwanderung schreien und sich gleichzeitig dafür stark machen, dass die Bauwirtschaft unbeschränkt bauen kann.»

Mehrmals nach oben korrigiert

Das Bundesamt für Statistik berechnet die Bevölkerungsszenarien alle fünf Jahre neu. Dabei kam es immer wieder vor, dass die Prognosen nach oben korrigiert werden mussten. Die erste Berechnung von 1984 ging noch davon aus, dass im Jahr 2010 6,8 Millionen Menschen in der Schweiz leben werden. In Realität waren es 7,8 Millionen.

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