Zeilen vom Liebhaber: 90-Jährige findet Liebes-Tagebuch im Museum
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Zeilen vom Liebhaber90-Jährige findet Liebes-Tagebuch im Museum

70 Jahre nach seinem Tod hat Laura Mae Burlingame, 90, Nachrichten von ihrem Geliebten bekommen – sie hat in einem Museum ein Tagebuch entdeckt, das er ihr im Krieg geschrieben hatte.

von
phi

Corporal Thomas Jones hatte den Tod stets vor Augen, als er 1944 im Südpazifik stationiert war. Er führte ein Tagebuch, das im Falle seines Ablebens an seine grosse Liebe geschickt werden sollte. Dass Laura Mae Davis seine Aufzeichnung bekommt, sei «die letzte Bitte seines Lebens», notierte der Soldat, der von seinen Kameraden «Cotton» gerufen wurde. Kurz darauf traf ihn die Kugel eines japanischen Scharfschützen.

Laura Mae Davis erfuhr nichts von seinem Schicksal oder seinen Tagebüchern. Sie heiratete 1945 einen anderen Soldaten und wurde Mrs. Burlingame. Der Kreis sollte sich erst 70 Jahre später schliessen, als die mittlerweile 90 Jahre alte Dame das Nationalmuseum des Zweiten Weltkriegs in New Orleans besuchte. Was sie dort vorfand, sollte die Rentnerin zu Tränen rühren: Sie erspähte das Tagebuch, das sie ihrer High-School-Liebe geschenkt hatte.

Tagebuch landete bei Jones' Schwester

Bei näherem Hinsehen bemerkte sie, dass es tatsächlich jenes von Corporal Jones ist, den sie 1941 auf der High School von Winslow, Arizona, kennengelernt hatte. «Er war Basketballer, ich Cheerleader», erinnerte sich Davis im Gespräch mit der «New York Times». Sie trafen sich, gingen gemeinsam zum Abschlussball. Doch dann wurde «Cotton» in Asien stationiert. 1943 schrieb er über seinen «letzten Willen»: Er widmete das Tagebuch «meiner Liebe für Laura Mae, die mein Herz ausfüllt – sollte jemand das lesen, schickt es ihr.»

Am 17. September 1944 wurde Jones bei der Erstürmung einer der pazifischen Palau-Inseln getötet. Das Tagebuch wurde allerdings nicht an die grosse Liebe des Gefallenen geschickt, sondern an eine Schwester des Opfers, die Laura Mae offenbar nicht gut kannte. Schliesslich landete es bei Jones' Neffen Robert Hunt, der Laura Mae zwar kannte, das Geschriebene aber ebenfalls nicht weitergab.

Foto von sich selbst gefunden

Der Grund: Er hatte Angst, ihre Ehe zu gefährden. Dabei wäre das kein Problem gewesen: «Mein Mann und Tommy sind gute Freunde gewesen», erklärte Laura Mae. Als die 90-Jährige aus Mooresville, Indiana, unerwartet ihr eigenes Schwarz-Weiss-Bild von damals im Museum sah, das sie mit «Love, Laurie» unterschrieben hatte, kamen ihr die Tränen. Laut Museumskurator Eric Rivet war es das erste Mal, das sich ein Besucher selbst in einer Ausstellung wiederfand.

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