Im greisen Alter: 90-Jähriger wurde Vater
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Im greisen Alter90-Jähriger wurde Vater

Er ist längst im Grosselternalter. Trotzdem wurde ein 90-Jähriger in der Schweiz noch Vater. Und er ist nicht der Einzige, der sich den Kinderwunsch im hohen Alter erfüllt hat.

von
meg
Sorgte für Schlagzeilen: Die ältestes Mutter der Schweiz.

Sorgte für Schlagzeilen: Die ältestes Mutter der Schweiz.

Die älteste Mutter der Schweiz dominierte in den letzten Tagen die Schlagzeilen. Die Aargauerin wurde mit 64 Jahren Mutter und zeigte sich mit ihrem Baby im «Blick». Jetzt ist ihr Rekord schon wieder gebrochen – von einem Mann. Wie aus der neuen Auswertung des Bundesamts für Statistik hervorgeht, wurde vor zwei Jahren ein 90-Jähriger in der Schweiz Vater. Ein 89- und ein 87-Jähriger erlebten zudem im letzten Jahr Vaterfreuden, wie die Zeitung «Der Sonntag» berichtet.

Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der Väter im Rentenalter verdoppelt. Im vergangenen Jahr wurden 143 Männer Vater, die bei der Geburt 60 Jahre oder älter waren. Unverheiratete Väter sind in der Statistik nicht enthalten. 1999 lag die Quote noch bei 67.

Möglich macht die Zunahme alter Väter wohl nicht zuletzt Viagra. Die Potenzpille ermöglicht eine Errektion bis ins hohe Alter. «Es gibt in diesem Alter natürlich weniger befruchtungsfähige Spermien, aber letztlich reicht ja ein einziges für die Zeugung», sagt Peter Miny, Arzt für medizinische Genetik am Universitäts-Kinderspital beider Basel im «Sonntag».

Fachleute fordern Beistand auf Abruf

Experten stehen dem Trend alter Eltern skeptisch entgegen. «Diese Umschreibung zeigt, dass das «Projekt», die Schwangerschaft, nicht vom Kind her geplant wurde, sondern vom egoistischen Kinderwunsch eines Paares im Grosselternalter», sagte Kinderpsychologe Heinrich Nufer über die 64-Jährige Mutter und ihren 60-jährigen Mann zu 20 Minuten Online. Ein Kind im Grosselternalter auf die Welt zu bringen sei nicht nur ein biologisches Risiko, sondern mache auch bezüglich des Kindeswohles keinen Sinn. Auch der renommierte Kinderpsychologe Alan Guggenbühl hält das Kinderkriegen im hohen Alter als reine Selbstverwirklichung der Eltern.

Nufer kritisiert nun, dass kein Plan vorhanden ist, was mit einem Kind passiert, das seine betagten Eltern früh verliert. Der Kinderpsychologe spricht von einer «Rechtslücke» und fordert: «Ein Beistand auf Abruf wäre in einer solchen Situation das Minimum.» Auch der Kinderschutz- und Zivilrechtsexperte Christoph Häfeli spricht von einer Gesetzeslücke im neuen Vormundschaftsrecht. «Bislang können Vormundschaftsbehörden erst bei einer Gefährdungsmeldung eingreifen. Es wäre wünschenswert, wenn sie auch präventiv Kontrollen machen könnten.» Häfeli schlägt vor: «Auf Bundesebene könnte man grundsätzlich legitim eine zusätzliche Norm im Kinderschutzrecht einführen, auch wenn dies wohl für heftigen Diskussionsstoff sorgen würde.»

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