Spielerfrau: «95 % haben Silikonbrüste»
Aktualisiert

Spielerfrau«95 % haben Silikonbrüste»

Für die meisten Spielerfrauen zählt nur, die Schönste mit den längsten Haaren zu sein. Barbara Megert, Model und Freundin von Parma-Star Blerim Dzemaili, tickt anders.

von
Jonas Dreyfus
Bild: Jan Vorisek.

Bild: Jan Vorisek.

Ich fand Spielerfrauen früher immer furchtbar, weil viele von ihnen nur zu Hause rumsitzen. Seit ich Ende 2009 zu Blerim nach Parma zog, bin ich selbst so. Ich habe Jura studiert, finde in Italien aber keinen Job.

Es ist schön, jede Nacht mit Blerim einzuschlafen. Tagsüber bin ich aber oft allein zu Hause und fühle mich einsam. Die anderen Spielerfrauen sind mit ihren Kindern beschäftigt.

Es gibt ein paar, mit denen ich mich zum Kaffee treffe, wenn die Männer im Training sind. Aber dicke Freundinnen sind wir nicht geworden. Es herrscht eine Konkurrenz unter ihnen. Jede möchte die Schönste sein, jünger aussehen und längere Haare haben als die andere. Am Mannschaftsessen hatten 95 Prozent der Frauen Silikonbrüste. Also eigentlich alle aus­ser mir.

Dafür bin ich jetzt Künstlerin im Zeitvertreiben. Ich mache den Haushalt und gehe viel ins Fitness. Zum Glück habe ich noch meine Modeljobs und verdiene eigenes Geld. Klar, kommt Blerim für vieles auf. Er ist gut im Überraschen: Als ich mein Italienisch-Diplom bestanden hatte, lag auf dem Küchentisch eine Schachtel mit einem Anhänger von Swarovski.

Wenn er spielt, bin ich nervös. Es ist nicht lustig, einen verletzten Fussballer zu Hau­se zu haben. Es ist wie bei Niederlagen: Man muss gut zureden und ablenken. Ein heikles Thema ist zurzeit die WM. Blerims Nicht-Nomination haben wir diskutiert und zu erklären versucht. Aber man muss es einfach akzeptieren. Ob wir uns auf die WM freuen? Vielleicht, wenn sie anfängt. Im Moment reden wir nicht darüber.

Fussballer, das sind 22 Typen, die auf dem Spielfeld gegeneinander kämpfen. Das strahlt Männlichkeit aus. Ich liebe es, bei einem Bier im Stadion mit Kollegen ein bisschen rumzujohlen. Fussballer sind es gewohnt, viel Aufmerksamkeit zu haben. Wenn Blerim irgendwo hinkommt, will immer jemand mit ihm reden. Ich bin dann manchmal nur Luft. Manchmal habe ich auch eine Überdosis, wenn ich auch noch zu Hause die ganze Zeit Spiele schauen muss. Vor allem die langen Analysen danach gehen mir ab und zu auf die Nerven. Dann geh ich ins Schlafzimmer lesen oder skype mit einer Freundin. Wenn Blerim einen wichtigen Match hat, sage ich auch mal: ‹Du, es gibt noch anderes als Fussball!› Dann entspannt er sich.

Meine Situation hat mich in letzter Zeit sehr unzufrieden gemacht. Ich habe mich oft gefragt, ob es sich wirklich lohnt, alles zurückzustecken, um mit Blerim zu leben. Mein Vater starb früh, ich wuchs mit Mutter und Schwester auf. Für mich war immer klar: Als Frau musst du dich selbst durchschlagen können.

Blerim möchte natürlich auch nicht, dass ich unglücklich bin. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, wieder in die Schweiz zu ziehen, sobald ich dort einen Job finde. Und das ist passiert: Am 1. Juli kann ich eine Stelle als Juristin antreten. In einer 80-Prozent-Anstellung, damit Blerim und mir wenigstens lange, gemeinsame Wochenenden bleiben.»

Deine Meinung