Aargau beharrt auf Elitegymnasium
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Aargau beharrt auf Elitegymnasium

Die Aargauer Volksschule soll 2011, ein Jahr später als ursprünglich geplant, grundlegend reformiert sein. Geplant ist, dass Hochbegabte die Volkssschule im Eiltempo absolvieren.

Der Regierungsrat hat am Dienstag den Planungsbericht zum so genannten Bildungskleeblatt dem Grossen Rat zum Entscheid vorgelegt.

Mit der Verschiebung des Einführungstermins soll der Kritik in der Vernehmlassung Rechnung getragen werden, wie Bildungsdirektor Rainer Huber an einer Medienkonferenz in Aarau einräumte. Gemeinden und Lehrkäfte hatten die Befürchtung geäussert, sie würden durch das forsche Reformtempo überfahren.

Mit dem neuen Fahrplan erhielten Lehrkräfte und Schulleitungen ein Jahr mehr Zeit für die notwendige Weiterbildung, betonte der Vorsteher des Departementes Bildung, Kultur und Sport (BKS). Für die Vorbereitung der Lehrkräfte aller Stufen auf die neuen Aufgaben sollen in den Jahren 2008 bis 2013 insgesamt 59 Mio. Franken zur Verfügung gestellt werden.

Förderung für besonders Begabte

Als eine der wesentlichsten Neuerungen der Schulreform sieht der Planungsbericht eine Verkürzung der Schulzeit für besonders Begabte vor. Diese sollen bis zu drei Klassen überspringen und die Matur bereits mit 17 Jahren ablegen können.

Trotz heftiger Kritik festhalten will der Regierungsrat auch an der Idee des Elitegymnasiums. Es soll jedoch in Gymnasium für Hochbegabte umbenannt werden. Schülerinnen und Schüler mit exzellenten intellektuellen Leistungen sollen sich nach dem 8. Schuljahr für diesen Schultyp bewerben können.

Der Aargau könne es sich nicht leisten, die Produktivität, Kreativität und Leistungsfähigkeit besonders begabter junger Menschen nicht optimal zu fördern», betonte Huber. Die Förderung Hochbegabter dürfe nicht nur Privilegierten vorbehalten bleiben.

Keine Kaderschmiede

Mit dem neuen Gymnasiumstyp werde keine «Kaderschmiede» aufgebaut. Hochbegabte Schülerinnen und Schüler würden nicht komplett von den andern getrennt, sondern individuell gefördert, stellte Huber fest. Es dürfe nicht sein, dass die staatliche Schule nur schwächere Schüler speziell fördere. Auch besonders Begabte müssten in einer staatlichen Schule bleiben können.

Der Regierungsrat geht davon aus, dass zwischen drei und vier Prozent hochbegabter Schülerinnen und Schüler das mehrteilige Auswahlverfahren bestehen werden.

Volksschule wird reformiert

Mit der Bildungsreform werden sowohl die Unterstufe als auch die Oberstufe vollständig neu konzipiert. Der Kindergarten und die Unterstufe sollen zu einer Eingangsstufe verschmelzen. Die Mittelstufe wird um ein Jahr verlängert und die Oberstufe um ein Jahr verkürzt.

Noch offen ist, ob die ersten Schuljahr als dreijährige Grundstufe oder als vierjährige Basisstufe geführt werden sollen. Die Wahl des Modells soll in Absprache mit den Nachbarkantonen der Nordwestschweiz im Herbst erfolgen.

Neu drei Jahre Oberstufe

Die Oberstufe soll neu für alle drei Jahre dauern. Unter einem gemeinsamen Dach werden zwei gleich grosse Schultypen mit einer berufs- und einer maturitätsvorbereitenden Ausrichtung geführt. Die bisherigen drei Oberstufenzüge mit Real-, Sekundar- und Bezirksschule werden abgeschafft.

Unabhängig davon können die Schüler in den Fächern Mathematik, Enlgisch und Französisch von einem gemeinsamen Niveauunterricht auf drei Anforderungsstufen profitieren. Je nach individueller Leistungsentwicklung sind an zwei Terminen pro Jahr Übertritte zwischen den einzelnen Niveaus möglich.

24 Mio. Franken für Tagestrukturen

Neu sollen die Gemeinden per Gesetz zur Schaffung von Tagesstrukturen verpflichtet werden. Die Schülerinnen und Schüler der Primarschule sollen künftig von morgens 7 bis 18 Uhr in der Schule bleiben und begleitet Mitagessen, Aufgabenhilfe und Freizeitangebot erhalten können.

Als Anreizfinanzierung für die Tagesstrukturen sollen während drei Jahren 24 Mio. Franken bereit gestellt werden. Rund 80 Mio. Franken will der Regierungsrat für einen abgestuften Sozialindex zur Verüfgung stellen.

Schulen mit einem grossen Anteil ausländischer Kinder sollen damit bis zu 20 Prozent mehr Lektionen bekommen. Nicht oder kaum belastete Gemeinden werden mit kleinen oder nur wenigen zusätzlichen Lektionen ausgestattet.

Mehraufwand für Kanton und Gemeinden

Insgesamt beläuft sich der jährliche Mehraufwand des Kantons für die Umsetzung der Bildungsreform auf rund 70 Mio. Franken. Für die Gemeinden liegen die Mehrausgaben bei rund 50 Mio. Franken pro Jahr.

Nach dem Entscheid des Grossen Rates zum Planungsbericht will der Regierungsrat im kommenden Winter die gesetzlichen Grundlagen schaffen. Im Mai 2009 soll das Volk über die Reformen der Volksschule entscheiden können. (sda)

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