Aufruhr nach Fusion: Aargauer Bürger wehren sich gegen neue Adressen
Aktualisiert

Aufruhr nach FusionAargauer Bürger wehren sich gegen neue Adressen

In der neugeschaffenen Gemeinde Bözberg AG steht es um den Dorffrieden schlecht. Nach der Fusion weigern sich manche Anwohner, eine neue Adresse anzunehmen. Nun kommt es zum Showdown.

von
Andreas Bättig

Ihre Adresse hat für viele Einwohner der Fusions-Gemeinde Bözberg eine besondere Bedeutung. Sie ist nicht einfach nur eine Aneinanderreihung von Buchstaben. Nein, eine Adresse schafft Identität. Hier ist man aufgewachsen, da ist man zu Hause, dorthin gehen Lohnausweise und Rechnungen. Um so grösser war der Schock, als einige Einwohner realisierten, dass sie nach der angenommenen Gemeindefusion eine komplett neue Adresse bekommen. «Das wurde so im Vorfeld nie klar kommuniziert», sagt Geri Hirt, Bewohner der neu geschaffenen Adresse Linn 12, 5225 Bözberg, vormals Bewohner der Dorfstrasse 8 in 5224 Linn.

Hirt bestätigt einen Bericht der «NZZ», wonach sich Widerstand gegen die Adressänderung formiert hat. Er ist Sprecher des Initiativkomitees «Unsere Adressen behalten».Innerhalb einer Woche hat das Komitee 116 Unterschriften gesammelt und so erwirkt, dass es am 27. März zu einer ausserordentlichen Generalversammlung kommt, bei der über die Adressänderung abgestimmt wird. «Unser Ziel ist es, dass wir wieder unsere alten Adressen annehmen können», sagt Hirt. Stossend findet er, dass die Gemeinde in einem Schreiben die Bürger darauf aufmerksam macht, dass sie sich strafbar machen, sollten sie ihre Adressen nicht ändern. «Das hat das Klima auf dem Bözberg zusätzlich vergiftet.»

Gemeindeammann ist überrascht

Dass sich in seiner Gemeinde so viel Widerstand gegen die neuen Adressen erhebt, überrascht Gemeindeammann Peter Plüss: «Schliesslich waren die Adressen im Vorfeld der Fusion nie ein Thema.» Zum einen könne er zwar verstehen, dass gerade Alteingesessene an ihren Adressen hängen und sich mit ihr auch identifizieren. Zum anderen sei für ihn aber nicht nachvollziehbar, dass sich nun auch Neuzuzüger gegen die Adressen wehren.

Grundsätzlich sei die Situation mit den Adressen sehr verzwickt. Denn vor der Fusion richteten sich die Adressen nach den Nummern der Gebäudeversicherung. Das heisst, die Adressen waren nicht wie sonst an der jeweiligen Strasse der Reihenfolge nach geordnet, sondern völlig willkürlich. Wer ein neues Haus baute, bekam von der Gebäudeversicherung eine Adressnummer zugewiesen - egal, wo im Dorf sich das neue Haus befand. «Diesen Zustand wollten wir bei der Fusion gleich beseitigen. Neu sollten auf der einen Seite der Strasse die ungeraden, auf der anderen die geraden Hausnummern sein. So wie man sich das gewohnt ist. Der Kanton hatte uns schon lange gesagt, dass wir das ändern sollen», sagt Plüss. Zudem habe es in den zu fusionierenden Gemeinden identische Strassenbezeichnungen gegeben. Nach der Fusion hätte es plötzlich doppelte Strassen mit der gleichen Postleitzahl gegeben. «Das hätte auch die Post nicht mehr ganz verstanden», sagt Plüss.

Änderung wird teuer

Für den Gemeindeamman gibt es deshalb keine Alternative zur jetzigen Situation. «Viele wollen vom ganzen Theater auch nichts mehr wissen.» Trotzdem sei es an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom 27. März «demokratisch möglich», wieder zu den alten Adressen zurückzukehren - wenn sich die Gemeindemitglieder dafür aussprechen. Plüss gibt aber zu bedenken, dass das für den Steuerzahler sehr teuer werden könnte. «Zudem haben viele Firmen jetzt schon ihr ganzes Werbematerial auf die neuen Adressen geändert.»

Wie die ganze Sache ausgehen wird, kann auch Hirt nur schwer abschätzen. «Ich hoffe wirklich, dass wir eine Lösung finden.»

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