Fall Nguyen Boi Ngoc: Aargauer Chris V. (19) wegen Mordes angeklagt
Aktualisiert

Fall Nguyen Boi NgocAargauer Chris V. (19) wegen Mordes angeklagt

Die 17-jährige Boi verschwand 2009 spurlos. Zehn Monate später die traurige Gewissheit: Das Mädchen war erschlagen worden. Gegen den geständigen Täter wird jetzt Anklage wegen Mordes erhoben.

von
gux
Chris hat gestanden, 2009 die 17-jährige Boi im Tessin getötet zu haben.

Chris hat gestanden, 2009 die 17-jährige Boi im Tessin getötet zu haben.

Die Jugendanwaltschaft des Kantons Aargau hat gegen den heute 19-jährigen Chris V. Anklage wegen Mordes erhoben. Ihm wird vorgeworfen, im August 2009 eine 17-jährige Frau in Sessa TI mit einem Holzscheit erschlagen zu haben. Er ist geständig.

Der Angeklagte war zur Tatzeit erst 16 Jahre alt. Daher ist die Jugendanwaltschaft für das Strafverfahren zuständig. Diese fordert in ihrer Anklageschrift für den Beschuldigten die Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt auf unbestimmte Zeit.

Der Schweizer soll zur Höchststrafe im Jugendstrafrecht verurteilt werden, nämlich zu einem Freiheitsentzug von vier Jahren, wie die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau am Montag mitteilte. Die Anklage fordert zudem eine ambulante Behandlung in einer geschlossenen Anstalt.

Die Strafe und Massnahme enden gemäss Jugendstrafrecht mit Vollendung des 22. Altersjahres des Täters. Es gilt jedoch als kaum wahrscheinlich, dass der Mann dann freikommen wird.

Es könne eine fürsorgerische Freiheitsentziehung (FFE) beantragt werden, sagte Elisabeth Strebel, Mediensprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Das Bundesgericht bestätigte im September, dass ein heute 22- jähriger Aargauer, der 2008 als Minderjähriger in Aarau eine Prostituierte ermordet hatte, nach Verbüssung seiner Jugendstrafe nicht freikommt.

Das Jugendgericht Lenzburg hatte 2011 den Mann wegen Mordes zur Maximalstrafe verurteilt und eine FFE angeordnet. Der Täter ist psychisch schwer gestört.

Im Internet kennengelernt

Im Fall der getöteten Lehrtochter legte der Aargauer Angeklagte Mitte 2010 in der Untersuchungshaft ein Geständnis ab. Er gab zu, das Mädchen mit einem Holzscheit erschlagen zu haben. Die menschlichen Überreste des Opfers waren im Juni 2010, erst zehn Monate nach dessen Verschwinden, in Sessa TI aufgefunden worden.

Die Vietnamesin aus dem Kanton Schwyz war seit August 2009 als vermisst gemeldet gewesen. Die Lehrtochter war damals am 7. August mit dem Zug ins Tessin gefahren anstatt, wie ihren Eltern angekündigt, nach Zürich.

Dort trafen sich das Mädchen und der Jugendliche erstmals. Sie kannten sich bereits seit ungefähr zwei Jahren aus dem Internet aus Chats und Online-Spielen sowie Telefongesprächen.

Nach der Tat hatte der Jugendliche die Leiche einige Meter über den Waldboden geschleift und sie hinter Sträuchern versteckt. Er nahm einige Gegenstände des Opfers an sich, darunter das Handy der Vermissten. Darauf ging er in die Ferienwohnung seiner Eltern zurück, wo er sich nichts anmerken liess.

Der Jugendliche war am 23. Juni 2010 an seinem Wohnort im Aargau verhaftet worden. Aufgrund ausgewerteter Handy-Daten hatte die Polizei den Schweizer bereits im August 2009 befragt.

Urs Winzenried, Kripo-Chef der Kantonspolizei Aargau, im Juli 2010 über den Fall:

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