«Wir haben keine Kapazität mehr» : Aargauer Labor-Mitarbeiter schlagen Alarm
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«Wir haben keine Kapazität mehr» Aargauer Labor-Mitarbeiter schlagen Alarm

Die Mitarbeiter des Labors des Kantonsspitals Aarau wenden sich mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit: Sie seien mit der Auswertung der Corona-Tests schon längst überfordert», schreiben sie.

von
Reto Heimann
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Das Labor des Kantonsspitals Aarau ist am Limit. (Symbolbild)

Das Labor des Kantonsspitals Aarau ist am Limit. (Symbolbild)

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«Wir sind schon längst überfordert, wir werden überrannt mit Proben und es wird immer noch schlimmer» schreiben die Mitarbeiter in einem offenen Brief.

«Wir sind schon längst überfordert, wir werden überrannt mit Proben und es wird immer noch schlimmer» schreiben die Mitarbeiter in einem offenen Brief.

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Die Maschinen liefen praktisch 24 Stunden am Stück, die Mitarbeiter machen Überstunden und leisten Freiwilligenarbeit, prangert der Brief die Zustände an.

Die Maschinen liefen praktisch 24 Stunden am Stück, die Mitarbeiter machen Überstunden und leisten Freiwilligenarbeit, prangert der Brief die Zustände an.

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Darum gehts

  • Die Mitarbeiter des Labors des Kantonsspitals Aarau haben einen offenen Brief verfasst.

  • Darin prangern sie ihre aktuelle Situation an: Trotz Überstunden und freiwilligem Engagement würden sie auf verlorenem Posten kämpfen.

  • Die Spitalleitung zeigt Verständnis für die Labormitarbeitenden – und hofft auf Corona-Schnelltests.

Das Labor des Kantonsspitals Aarau läuft am Limit. Seit die Fallzahlen wieder stark gestiegen sind, kommt das Labor kaum mehr nach mit der Auswertung der Tests. Das schreibt das Laborteam in einem öffentlichen Brief, wie die «Aargauer Zeitung» berichtet.

«Wir sind schon längst überfordert, wir werden überrannt mit Proben und es wird immer noch schlimmer», heisst es im Brief. Die Angestellten des Labors widersprechen damit der Darstellung der aargauischen Politikern und Medizinern, wonach die Situation noch unter Kontrolle sei.

«Wir können einfach nicht mehr bewältigen»

Die Realität sei eine andere: Weil die Auswertung eines Corona-Tests eine zeitintensive und hochkomplexe Angelegenheit sei, seien Mitarbeiter und Maschinen gleichermassen am Anschlag: «Die Geräte laufen mittlerweile fast 24 Stunden ohne Pause. Es grenzt fast an ein Wunder, dass sie immer noch so funktionstüchtig sind und den Geist nicht aufgeben!», halten die Labormitarbeiter im Brief fest.

Der gesamte Brief liest sich gemäss der «Aargauer Zeitung» wie ein einziger Hilferuf. Sie seien pausenlos am Arbeiten – und würden doch auf verlorenem Posten kämpfen: «Wir haben unsere Arbeitszeiten angepasst, zusätzliches Personal angestellt, unzählige Überstunden geleistet und trotzdem reicht es nicht» resignieren die Labormitarbeiter.

«Es reicht! Wir haben die Kapazität nicht mehr, Hunderte von Abstrichen nebst der Routine zu testen. Wir sind nicht mehr bereit, unzählige Überstunden zu leisten, freiwillig Dienste zu übernehmen, uns anzuhören, dass wir nicht schnell genug sind», stellt der Brief klar. Und weiter: «Wir können einfach nicht mehr bewältigen.»

Insbesondere Tests von Personen, die keiner Ansteckungsgefahr ausgesetzt waren, könne man nicht mehr untersuchen, sollten die Proben weiterhin so stark zunehmen. «Dann können wir nicht mehr Covid-19-Abstriche analysieren, nur weil jemand am kommenden Tag mit dem Flieger in die Ferien reisen oder eine Eishockeymannschaft so gerne ihr kommendes Spiel ­absolvieren möchte», heisst es im Brief.

«Vor Überlastung verstummen»

Das Team rund um das Labor des Kantonsspitals Aarau habe sich zum Schritt an die Öffentlichkeit entschieden, um den Menschen klar zu machen, dass das Limit erreicht, ja überschritten wurde: «Wir hoffen, auf offene Ohren zu stossen, ehe wir aufgrund von Überlastung verstummen», schliesst der Brief.

Die Sprecherin des Kantonsspitals Isabelle Wenzinger zeigt Verständnis für die Labormitarbeiter. Das Spital sei mit Hochdruck dabei, die Mitarbeitenden zu entlasten, indem sie neues Personal rekrutiere. «Leider ist uns das nicht so rasch gelungen, wie wir uns das gewünscht haben», räumt Wenzinger ein. Die neuste Entwicklung bei den Corona-Zahlen sei sehr rasch gekommen. Das Spital arbeite daran, die Testkapazitäten in den Griff zu bekommen.

Das Spital suche zudem nun das Gespräch mit den Mitarbeitenden – und hoffe darauf, dass die Corona-Schnelltests baldmöglichst freigegeben werden.

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