Brügglifeld: Aargauer sperren FCZ-Fans aus – Gästeblock bleibt zu
Aktualisiert

BrügglifeldAargauer sperren FCZ-Fans aus – Gästeblock bleibt zu

Wegen befürchteter Krawalle sind beim Spiel FC Aarau – FC Zürich am Samstag im Brügglifeld keine Gästefans zugelassen. Das hat die Polizei entschieden. Der FCZ bedauert dies.

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sco/rom/sda
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Beim Klassiker FCB - FCZ am 12. April im St.-Jakob-Park warfen die FCZ-Fans unzählige Fackeln aufs Spielfeld - es kam zu einem Spielunterbruch.

Beim Klassiker FCB - FCZ am 12. April im St.-Jakob-Park warfen die FCZ-Fans unzählige Fackeln aufs Spielfeld - es kam zu einem Spielunterbruch.

Keystone/Patrick Straub
Auch auf den Rängen war es nicht besser: Scharmützel zwischen FCZ- und FCB-Fans.

Auch auf den Rängen war es nicht besser: Scharmützel zwischen FCZ- und FCB-Fans.

Keystone/Patrick Straub
Und natürlich brannten auch im FCZ-Fansektor selber unzählige Fackeln ab.

Und natürlich brannten auch im FCZ-Fansektor selber unzählige Fackeln ab.

Keystone/Georgios Kefalas

Die gewalttätigen Ausschreitungen vom militanten Teil der FCZ-Fans in jüngster Vergangenheit unter anderem in Basel haben erste Folgen: Beim Spiel FC Aarau gegen den FC Zürich am Samstag im Aarauer Brügglifeld sind keine Gästefans zugelassen und der Gästesektor bleibt geschlossen.

Dies hat die Kantonspolizei Aargau in Absprache mit dem Aargauer Polizeidirektor, Landammann Urs Hofmann (SP), entschieden, wie die Kantonspolizei Aargau am Donnerstag mitteilte. Der FC Aarau wurde ebenfalls heute über den Entscheid informiert.

Polizei rät FCZ-Fans von Anreise ab

Wie vor jedem Spiel hat die Kapo Aargau laut Mitteilung eine «umfassende Risikobeurteilung» vorgenommen: «Diese hat ergeben, dass im Umfeld dieses Fussballspiels mit einer schwerwiegenden und erheblichen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit zu rechnen ist.»

Die Polizei ruft Anhänger des FC Zürich dazu auf, von einer Anreise nach Aarau abzusehen. Sie sei bereit, nötigenfalls

gegen Störer vorzugehen und diese strafrechtlich zur

Verantwortung zu ziehen, heisst es weiter. Es ist das erste Mal, dass ein Gästesektor vorsorglich gesperrt bleibt – bislang wurde dies nur als Disziplinarstrafe verfügt.

«Skandalöses Verhalten»

Der FC Zürich hat Kenntnis genommen vom Entscheid und bedauert ihn aus sportlichen Gründen. «Er trifft vor allem alle diejenigen Fans, die sich korrekt verhalten und ihren Klub unterstützen wollen», schreibt der FCZ in einer Stellungnahme.

Die Verantwortung dafür übernehmen müssten allein diese «sogenannten Fans», die durch ihr «skandalöses Verhalten» beim Spiel in Basel diese Kurvensperre in Aarau provoziert haben, heisst es in der Stellungnahme weiter.

«Für die Stimmung im Stadion nicht gut»

Darin bittet der FCZ überdies alle seine Fans, die Verfügung der Kantonspolizei Aargau zu befolgen und nicht nach Aarau zu reisen. Damit könne man zu einer Beruhigung in der Fanszene beitragen.

«Für die Stimmung im Stadion ist die Sperrung des Gästesektors sicher nicht gut», sagt Aarau-Mittelfeldspieler Daniel Gygax. Der 33-Jährige war beim FCZ einst Publikumsliebling und macht keinen Hehl daraus, dass sein Herz auch heute noch für den Stadtklub schlägt. «Doch es liegt nicht an mir als Spieler, einen solchen Entscheid zu beurteilen.»

Aufgabe für Polizei ist nicht einfacher

Hooligan-Experte Dölf Brack hat zwar Verständnis dafür, dass die Polizei mit dieser Gästesektor-Sperrung ein Zeichen setzen will, denn alle hätten die Nase voll von militanten Fans, die den Fussball kaputtmachen würden: «Trotzdem wäre es wohl einfacher, man würde die FCZ-Fans ins Stadion lassen.» Denn nun müssten die Einsatzkräfte noch präsenter sein als sonst, um das Stadion und auch die Innenstadt vor allfälligen Krawallen zu schützen.

Der Entscheid trifft auch den FC Aarau. Im Gästesektor auf dem Brügglifeld haben rund 1000 Fans Platz. Bei einem Eintrittspreis von 27 Franken würde der Klub, vorausgesetzt der Sektor ist voll, 27'000 Franken verlieren - dies bei gleich bleibenden Sicherheitskosten. 300 Tickets für den Gästesektor seien bereits verkauft worden, sagte FCA-Sprecher Remo Conoci. Zum Entscheid der Kantonspolizei will der Heimklub im Verlaufe des Donnerstagabends Stellung nehmen.

Massenschlägerei im letzten Herbst

In Aarau hat man mit Anhängern des FC Zürich ebenfalls schlechte Erfahrungen gemacht. Am 22. November 2014 war es beim Bahnhof Aarau zu einer Schlägerei zwischen 40 bis 70 Anhängern des FC Aarau und des FC Zürich gekommen. Die Schläger waren vermummt und teilweise mit Schlagstöcken bewaffnet.

Der Polizei gelang es, die Namen von sieben Beteiligten zu ermitteln und diese festzunehmen. Bei Hausdurchsuchungen wurden pyrotechnische Gegenstände und Vermummungsmaterial festgestellt. Gegen sie läuft eine Strafuntersuchung wegen Landfriedensbruchs.

Das sagt die Liga

Die Swiss Football League (SFL) äussert sich auf ihrer Website zur Aussperrung der FCZ-Fans: «Die Swiss Football League nimmt die Verfügung der Kantonspolizei Aargau zur Kenntnis. Die Kurzfristigkeit der Verfügung stellt alle in die Organisation der Begegnung involvierten Parteien vor eine grosse Herausforderung. Die Liga unternimmt von ihrer Seite alle erforderlichen Schritte zur Umsetzung dieser Verfügung und hat hierfür bereits mit allen relevanten Personen direkten Kontakt aufgenommen.

Im Wissen darum, dass diese Verfügung zum überwiegenden Teil friedliche Fans des FC Zürich vom Spielbesuch abhält, fordert die SFL alle Supporter des FCZ auf, der Anordnung der Polizei zu folgen und auf die Auswärtsreise nach Aarau zu verzichten.»

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