Aktualisiert 22.02.2017 07:51

StressAb 50 Minuten macht Pendeln krank

Für ihren Job nehmen Pendler überfüllte Züge und Staus auf sich. Dabei riskieren besonders Langstrecken-Pendler ihre Gesundheit.

von
pam
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Über 2 Millionen Menschen wählten hierzulande 2015 das Auto, um zur Arbeit zu gelangen, über 1,1 Millionen den öffentlichen Verkehr. Dazu kommen 800'000 Schüler, Studierende und Lehrlinge.

Über 2 Millionen Menschen wählten hierzulande 2015 das Auto, um zur Arbeit zu gelangen, über 1,1 Millionen den öffentlichen Verkehr. Dazu kommen 800'000 Schüler, Studierende und Lehrlinge.

Keystone/Alessandro Della Valle
Eine Studie des Ökonomen Bruno Frey weist darauf hin, dass Pendler mit ihren Lebensumständen unzufriedener sind als Angestellte mit einem kurzen Arbeitsweg. Besonders, dass ihnen weniger Zeit bleibt, Freunde zu treffen und sich der Familie zu widmen, sorgt für Frust.

Eine Studie des Ökonomen Bruno Frey weist darauf hin, dass Pendler mit ihren Lebensumständen unzufriedener sind als Angestellte mit einem kurzen Arbeitsweg. Besonders, dass ihnen weniger Zeit bleibt, Freunde zu treffen und sich der Familie zu widmen, sorgt für Frust.

Keystone/Alessandro Della Valle
«Ein Arbeitsweg von 15 Minuten ist noch kein Problem, aber die Reisedauer von einer Stunde  und mehr kann zur Belastung werden», sagt Frey. Laut einer amerikanischen Studie reduziert sich bei einem Arbeitsweg von insgesamt 90 Minuten die verfügbare Zeit um 2,3 Stunden pro Tag – weil sich Pendler daheim erst vom Arbeitsweg erholen müssen.

«Ein Arbeitsweg von 15 Minuten ist noch kein Problem, aber die Reisedauer von einer Stunde und mehr kann zur Belastung werden», sagt Frey. Laut einer amerikanischen Studie reduziert sich bei einem Arbeitsweg von insgesamt 90 Minuten die verfügbare Zeit um 2,3 Stunden pro Tag – weil sich Pendler daheim erst vom Arbeitsweg erholen müssen.

zVg

Die Schweiz ist eine Nation von Pendlern: Über 2 Millionen Angestellte wählten 2015 das Auto, um zur Arbeit zu gelangen, über 1,1 Millionen den öffentlichen Verkehr. Dazu kommen 800'000 Schüler, Studierende und Lehrlinge, die pendeln. Der durchschnittliche Weg, den die Schweizer Angestellten auf sich nehmen, liegt bei einer halben Stunde – für einen Weg.

Dabei kann ein langer Arbeitsweg negative soziale und psychische Auswirkungen haben. Eine Studie des Ökonomen Bruno Frey weist darauf hin, dass Langstrecken-Pendler mit ihren Lebensumständen unzufriedener sind als Angestellte mit einem kurzen Arbeitsweg. Besonders, dass ihnen weniger Zeit bleibt, Freunde zu treffen und sich der Familie zu widmen, sorgt für Frust.

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Bluthochdruck, Rückenschmerzen, Schlafstörungen

«Ein Arbeitsweg von 15 Minuten ist noch kein Problem, aber die Reisedauer von einer Stunde pro Weg und mehr kann zur Belastung werden», sagt Frey. Laut einer amerikanischen Studie reduziert sich bei einem Arbeitsweg von insgesamt 90 Minuten die verfügbare Zeit um 2,3 Stunden pro Tag – weil sich Pendler daheim erst noch vom Arbeitsweg erholen müssen.

Der Stress, den überfüllte Züge oder Staukolonnen auf der Autobahn auslösen, kann auch gesundheitliche Schäden verursachen: Dazu gehören Bluthochdruck, Magen-Darm-Probleme, Kopf- und Rückenschmerzen oder Schlafstörungen. Einige Studien vermuten gar ein höheres Scheidungsrisiko oder den Hang zu Fettleibigkeit.

Dass bei einer längeren Pendeldistanz die Zufriedenheit abnimmt, erklärt Psychologe Christian Fichter damit, dass die negativen Aspekte wie das Warten in der Autokolonne oder im überfüllten Zug stärker ins Gewicht fallen. Laut einer Studie, in der Fichter 1600 Pendler befragt hatte, ist die Mehrheit der Pendler mit ihrem Arbeitsweg aber zufrieden.

Pendeln wegen Traumjob und Einfamilienhaus

«Die meisten Leute pendeln auch grosse Distanzen, weil sie persönlich daraus einen Nutzen ziehen: Sie können ihren Traumjob zu einem guten Lohn ausüben und gleichzeitig in einem Einfamilienhaus auf dem Land wohnen», sagt Fichter. Die Leute seien sich bewusst, dass dies ohne das Pendeln wegen der explodierenden Mieten in den Städten unmöglich wäre.

Aber auch Fichter sieht die Probleme, die langes Pendeln auslösen kann. Denn bei zu grosser Distanz und dem entsprechenden Zeitverlust kann das Pendeln die Vorteile vom Eigenheim und vom guten Job nicht mehr aufwiegen. Laut Fichter liegt die Grenze etwa bei 50 Minuten für einen Weg. Dann könne das «Ausgeliefertsein», das sich im Zug oder Auto einstelle, weil man nicht mehr über seine Zeit bestimmen könne, Stress auslösen. «Hält die Situation an, können Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit die Folge sein.»

Home-Office könnte Pendlermassen reduzieren

Fichter geht deshalb davon aus, dass die meisten Pendler, die unter ihrem langen Weg leiden, den Arbeits- oder Wohnort wechseln wollen. In der Schweiz waren 2014 knapp 300'000 Pendler zwischen 45 Minuten und einer Stunde pro Weg unterwegs. 290'000 gar über eine Stunde. Seit 2010 hat diese Zahl leicht abgenommen, während inzwischen mehr Angestellte einen Arbeitsweg zwischen 31 und 45 Minuten gewählt haben.

«Kurzfristig wird die Notwendigkeit des Pendelns für Angestellte nicht abnehmen», sagt Fichter. Erst in etwa zehn Jahren sei damit zu rechnen, dass neue Arbeitsformen wie Home-Office oder virtuelle Zusammenarbeit die Pendlerspitzen brechen könnten. Auch Bruno Frey glaubt daran, dass Pendeln weiterhin beliebt sein wird: «Bereits heute ist es für junge Menschen kaum möglich, in der Stadt zu arbeiten und nahe an ihrem Arbeitsplatz zu wohnen.» Und dieser Trend werde sich in Zukunft noch zuspitzen.

Mit flexiblen Vorlesungzeiten die Pendlerspitze brechen?

In einer Interpellation gelangte GLP-Nationalrat Jürg Grossen an den Bundesrat und fragte, wie die Regierung die «überfüllten Züge und den Stau auf den Strassen», der zu Stosszeiten Normalfall sei, zu lösen gedenke. Neben Ausbauten und besserer Auslastung der Infrastruktur hält der Bundesrat in seiner Antwort letzte Woche auch eine Verlegung der Vorlesungszeiten an den Universitäten für «prüfenswert». Als Beispiel werden die ETH und die Uni in Lausanne angeführt, die ihre Unterrichtszeiten so angepasst haben, dass die Vorlesungen morgens jeweils nicht zur gleichen Zeit beginnen. Zudem begrüsst der Bundesrat, dass etwa an der ETH Zürich 1000 Wohneinheiten auf dem Campus geschaffen wurden, was den Pendlerverkehr wirkungsvoll entlastet. (pam)

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