Nach Rassismus-Kritik - Ab August verschwindet «Uncle Bens» aus den Schweizer Regalen
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Nach Rassismus-KritikAb August verschwindet «Uncle Bens» aus den Schweizer Regalen

Seit Jahrzehnten flimmert die Werbung für «Uncle Ben’s» auch über Schweizer Fernseh-Bildschirme. Damit ist nun Schluss.

von
Patrick McEvily
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Ab August wird man in Schweizer Lebensmittelgeschäften «Ben’s Original» kaufen können.

Ab August wird man in Schweizer Lebensmittelgeschäften «Ben’s Original» kaufen können.

Mars Incorporated
Das Unternehmen hatte die weltweite Namensänderung für das Produkt «Uncle Ben’s» bereits letztes Jahr in Aussicht gestellt.

Das Unternehmen hatte die weltweite Namensänderung für das Produkt «Uncle Ben’s» bereits letztes Jahr in Aussicht gestellt.

Screenshot/Mars Incorporated
Der Hersteller stand unter Druck den Namen zu ändern. Namen und Motiv transportierten rassistische Konnotationen.

Der Hersteller stand unter Druck den Namen zu ändern. Namen und Motiv transportierten rassistische Konnotationen.

AFP

Darum gehts

  • Der Lebensmittelkonzern Mars tauft seinen bekannten Reis um.

  • Ab August wird man «Ben’s Original» kaufen können.

  • Mehrere Marken und auch Sportmannschaften stehen in der Kritik. Sie tragen rassistische Namen und ihre Logos zieren Motive aus der Kolonialzeit.

Mars schafft den Namen «Uncle Ben’s» ab. Ab August 2021 wird man den Reis unter dem Label «Ben’s Original» in den Läden finden. Auch die Aufmachung der Reisschachteln wird geändert, wie das Unternehmen bekannt gegeben hat. Man habe bei Mars die Ungerechtigkeit des Namens erkannt, heisst es bei den Tamedia-Zeitungen (Print-Artikel), und aus einer Medienmitteilung des Unternehmens wird zitiert: «Mit der Umbenennung erhalten die Produkte einen inkludierenden und gerechteren Namen.»

In anderen Ländern, in denen der Reis verkauft wird, ging die Namensänderung schon vonstatten. Mars hatte sie vor einem Jahr angekündigt und reagierte damit auf Rassismus-Kritik. Das Motiv des älteren Mannes, der von der Reisschachtel lächelte, trug viele Konnotationen aus der Zeit der Sklaverei in den Südstaaten der USA und danach mit sich. Viele Afroamerikanerinnen und Afroamerikaner mussten damals als Bedienstete arbeiten. Man nannte sie verharmlosend «Uncle» oder «Aunt».

Namen erinnern an Kolonialzeit und Gewalt an Indigenen

In den vergangenen Jahren waren die Rufe immer lauter geworden, dass Mars den Namen seines Reises ändern solle. In den USA beschäftigt das Thema der rassistischen Namensgebung auch im Sport. Mehrere Mannschaften aus den höchsten Ligen tragen Namen, die auf die Zeit der Gewalttaten gegen die indigene Bevölkerung deuten. Die American-Football-Mannschaft aus der Hauptstadt Washington hat 2020 den Namen «Redskins» abgestreift. In Cleveland wird eine Namensänderung der Baseballer der «Indians» diskutiert.

Der Ben’s-Reis ist zudem nur eines von vielen Lebensmittelprodukten, die heikle Namen tragen. Gleich mehrere davon gehören dem Schweizer Lebensmittel-Multi Nestlé. Das Glacé von Winnetou gibt es auch hierzulande. Es soll seinen Namen weiter behalten – trotz Kritik. Anders sieht es bei den Bonbons «Chico» sowie den Schaumkeksen «Beso de Negra» aus, die in verschiedenen Ländern verkauft werden. Erstere tragen den spanischen Namen eines Jungen, letztere heissen übersetzt «Kuss einer schwarzen Frau» und zeigen auf den Verpackungsschachteln auch ein dazugehörendes Motiv. Beide Namen erinnern an die Kolonialzeit. Nestlé hat angekündigt, sie zu ändern.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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