18.06.2016 17:42

Infektionszeitpunkt relevant

Ab dem 6. Monat ist Zika kein Problem mehr

Werdende Mütter, die sich gegen Ende der Schwangerschaft mit Zika infizieren, müssen keine Angst haben, ein Baby mit Gehirnschaden zur Welt zu bringen.

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In Süd- und Zentralamerika breitet sich das Zika-Virus derzeit rasant aus. Das Virus kann vor allem für Schwangere gefährlich werden. Es wird vermutet, dass es zu Missbildungen am Schädel beim Embryo führen kann. Im Bild: Die zwei Monate alte Ludmilla Hadassa Dias de Vasconcelos aus Recife, Brasilien.

In Süd- und Zentralamerika breitet sich das Zika-Virus derzeit rasant aus. Das Virus kann vor allem für Schwangere gefährlich werden. Es wird vermutet, dass es zu Missbildungen am Schädel beim Embryo führen kann. Im Bild: Die zwei Monate alte Ludmilla Hadassa Dias de Vasconcelos aus Recife, Brasilien.

/Mario Tama
Betroffene Babys werden mit Mikrozephalie (Verringerung des Schädelvolumens) geboren. Im Bild: Ana Beatriz Martin aus Recife.

Betroffene Babys werden mit Mikrozephalie (Verringerung des Schädelvolumens) geboren. Im Bild: Ana Beatriz Martin aus Recife.

Percio Campos
Kopf-Tomogramme eines normal entwickelten Kindes und rechts eines Kindes mit Mikrozephalie.

Kopf-Tomogramme eines normal entwickelten Kindes und rechts eines Kindes mit Mikrozephalie.

Wikimedia Commons/CC BY 2.5

Das Zika-Virus ist nachweislich der Grund, warum so viele Frauen in Lateinamerika und den USA Babys mit ungewöhnlich kleinen Köpfen zur Welt bringen (siehe Box). Der salvadorianische Gesundheitsminister Eduardo Espinoza riet den gebärfähigen Frauen in seinem Land sogar, bis 2018 nicht schwanger zu werden. Andere Staatsoberhäupter folgten dem Beispiel.

Eine nun im «New England Journal of Medicine» erschienene Studie dürfte zumindest bei denjenigen Frauen für ein wenig Aufatmen sorgen, die sich erst im dritten Schwangerschafts-Trimester mit dem Zika-Virus angesteckt haben. Dann sei das Risiko für Missbildungen beim Nachwuchs deutlich geringer, berichtet das Team um Mauricio Beltrán von der Nationalen Universität von Kolumbien.

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Die Forscher haben für die Studie Daten von rund 65'000 Zika-Fällen in dem Land ausgewertet. Dabei identifizierten sie 616 Frauen, die sich laut eigener Auskunft zwischen dem sechsten und neunten Schwangerschaftsmonat mit dem Virus angesteckt und dennoch augenscheinlich gesunde Kinder – ohne Anzeichen von Mikrozephalie – zur Welt gebracht hatten. Daraus schliessen Beltrán und seine Kollegen, dass die Geburtsfehler eng mit dem Infektionszeitpunkt zusammenzuhängen.

Dieser Meinung ist man auch in der Schweiz. Schon im Januar 2016 vermutete Christoph Hatz vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut in Basel, dass das Virus gegen Ende der Schwangerschaft keinen Einfluss mehr auf die Entwicklung des Ungeborenen haben dürfte. Dennoch rät auch er, sich rund um die Uhr vor Mückenstichen zu schützen.

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Mikrozephalie

Bei Mikrozephalie handelt es sich um eine Erkrankung, die durch einen stark verminderten Kopfumfang und dadurch bedingtes geringeres Gehirnvolumen gekennzeichnet ist. Dies führt bei den Betroffenen zu einer Beeinträchtigung in den kognitiven Fähigkeiten.

Galt die Infektion bislang als selten, häufen sich seit dem Jahr 2015 die Fälle in Süd- und Nordamerika explosionsartig an. Im Februar 2016 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO die explosive Ausbreitung des Zika-Virus in Nord- und Südamerika zum globalen Gesundheitsnotstand erklärt.

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