Aktualisiert 02.09.2013 09:14

Doktor Sex

«Ab wann ist ein Sexfilm ein Porno?»

Rocco hat genug von schwammigen Begriffen in Zusammenhang mit gezeigter Sexualität. Doktor Sex versucht zu klären.

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Pornografie - ein Thema, das die Gemüter erhitzt. (Symbolbild: Colourbox.com)

Pornografie - ein Thema, das die Gemüter erhitzt. (Symbolbild: Colourbox.com)

Frage von Rocco (20) an Doktor Sex: Dauernd ist von Porno die Rede. Ich frage mich: Was ist ein Porno – besser gesagt, ab wann gilt ein Bild oder Film als Pornografie? Es müsste dafür doch eine klare Definition geben. Und was genau ist eigentlich mit sogenannt harter Pornografie gemeint?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Rocco

Es gibt keine eindeutige und allgemeingültige Definition des Begriffs Pornografie. Je nach Quelle lassen sich ganz unterschiedliche Beschreibungen finden, die sich an variablen Interessen und Wertvorstellungen orientieren. Am hilfreichsten scheint mir die Definition des amerikanischen Medienwissenschaftlers Zillmann zu sein: «Pornografie wird definiert als Darstellung sexuellen Verhaltens jeglicher Art, das von jeder denkbaren Zusammensetzung handelnder Akteure ausgeführt wird.» Sie hat den Vorteil, dass sie das Phänomen an sich beschreibt und keine moralischen Aspekte mit einfliessen lässt.

Eine andere, etwas spezifischere und gut für den Alltag brauchbare Definition, die zudem auch die strafrechtlich relevante Kategorie der sogenannten harten Pornografie mit einschliesst, ist die von Nussbaum in einer Lizenziatsarbeit an der Uni Freiburg: «Pornografie ist die explizite Darstellung sexueller Handlungen jeglicher Art von erwachsenen Personen unter Betonung der primären Geschlechtsorgane. Harte Pornografie liegt dann vor, wenn zum pornografischen Charakter einer Darstellung sexuelle Handlungen mit Kindern, Tieren, menschlichen Ausscheidungen und-oder Gewalthandlungen hinzukommen».

Vom strafrechtlichen Standpunkt aus gesehen, sind drei Aspekte entscheidend, damit ein Bild oder ein Film als Pornografie gilt: Die Darstellungen sind reduziert auf die sexuellen Handlungen – also Vaginal-, Oral- und/oder Analverkehr, manuelle Stimulationen sowie alle möglichen Abwandlungen und Kombinationen davon. Die Handlungen werden um ihrer selbst willen ausgeführt – es geht also um den Sex an und für sich und nicht darum, eine Geschichte zu erzählen, in der am Rande auch noch Sex stattfindet. Und schliesslich sind die handelnden Personen auf ihre Geschlechtlichkeit reduziert und ihre Genitalien sowie die damit ausgeführten Handlungen werden explizit gezeigt, um die betrachtende Person damit zu erregen.

Du siehst: Das Ganze ist ziemlich kompliziert. Kein Wunder, dass der Eine oder die Andere den Durchblick verliert. Trotzdem ist es wichtig, in dieser Sache genau zu sein, um nicht mit falschen Zuschreibungen unnötige Ängste oder Verunsicherungen auszulösen.

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