Aktualisiert 05.11.2011 12:30

Rückfälliger AmokfahrerAb zum Psychiater

Innerhalb von einem Jahr hat ein Amokfahrer aus Oetwil am See der Kantonspolizei Zürich zwei wilde Verfolgungsjagden durch das Zürcher Oberland geliefert und im Kokainrausch beinahe einen Fahnder angefahren. Nun muss der rückfällige Mazedonier zu einem Gutachter.

von
Attila Szenogrady

Äusserlich hinterliess der heute 27-jährige Mazedonier vor dem Obergericht einen harmlosen Eindruck. Doch der Schein trog. Vor den Schranken stand ein äusserst gefährlicher Verkehrsrowdy, dem seit Mitte 2003 der Führerausweis bereits vier Mal entzogen worden war. Trotzdem fuhr er immer wieder mit einem Personenwagen herum. Drei Mal wurde er dabei mit Kokain im Blut erwischt. Zwei Mal lieferte der zweifache Familienvater aus Oetwil am See der Kantonspolizei Zürich wilde Verfolgungsjagden.

Polizeibeamten beinahe schwer verletzt

Die erste Amokfahrt geschah am 22. Januar 2010. Damals fuhr der Hilfsarbeiter nach dem Konsum von Kokain von Oetwil am See nach Uster, wo er am Abend vor einer Polizeikontrolle das Weite suchte. Dabei raste er mit über 100 Stundenkilometern in Richtung Riedikon und verübte dabei diverse grobe Verkehrsdelikte. Vor einem geschlossenen Bahnübergang auf der Aathalstrasse schien die Flucht beendet. Doch dann legte der Beschuldigte plötzlich den Rückwärtsgang ein und schrammte so knapp hinter ihm stehenden am Polizeiwagen vorbei, dass er beinahe in das rechte Bein eines Polizeibeamten hineinfuhr. Dieser konnte sich gerade noch in seinem Dienstfahrzeug in Sicherheit bringen. Der Täter konnte später dank eines Nagelgurtes doch noch gestoppt werden.

Mildes Urteil in Uster

Der geständige Angeklagte wurde am 15. Dezember 2010 vom Bezirksgericht Uster wegen versuchter schwerer Körperverletzung, groben Verkehrsdelikten, Fahrens trotz Entzug des Führerausweises und diversen weiteren Vergehen zu einer erstaunlich milden und bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 30 Franken sowie 1000 Franken Busse verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein und verlangte am Freitag vor dem Zürcher Obergericht eine markante Straferhöhung auf eine unbedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten.

Zweite Amokfahrt

Doch während der Berufungsverhandlung kam eine neu, skandalöse Tatsache auf den Tisch. So wurde bekannt, dass gegen den Mann erneut eine Strafuntersuchung eingeleitet und eine neue Anklage erhoben wurde. So hatte er nur fünf Wochen nach dem Urteil von Uster der Kantonspolizei Zürich erneut eine hirnrissige Verfolgungsjagd durch das Zürcher Oberland geliefert. Diesmal Ende Januar 2011 im Bezirk Hinwil. Wiederum ohne Führerausweis, dafür reichlich mit Kokain im Blut. Der Fall soll demnächst das Bezirksgericht Hinwil beschäftigen. Nach der Durchsicht der neusten Anklageschrift zeigten sich die drei erfahrenen Oberrichter sichtlich betroffen: „Beim Durchlesen der Anklage standen uns die Nackenhaare zu Berge", erklärte dazu der Gerichtsvorsitzende Reinhold Schätzle.

Für das Obergericht war klar, dass das Verhalten des Beschuldigten nicht mehr in einer normalen Bandbreite liege. Es ordnete vor jeglichem Urteil die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens zur Schuldfähigkeit des rückfälligen Amokfahrers an. Schätzle übte auch Kritik an den Untersuchungsbehörden, die sehr uneinheitliche Strafanträge gestellt hätten. Fazit: Der Angeklagte wird sich erst nach einer gründlichen Begutachtung vor einem Strafrichter verantworten müssen. «Fahren sie nie wieder mit einem Auto herum!», schärfte Schätzle zum Schluss dem Angeschuldigten ein.

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