ABB-Aktie taucht nach Abgang von Chef Kindle
Aktualisiert

ABB-Aktie taucht nach Abgang von Chef Kindle

ABB-Chef Kindle geht wegen unüberbrückbarer Differenzen - trotz Rekordergebnis 2007. Die Aktie gab zu Handelsbeginng sofort um über 8 Prozent ab.

ABB-Chef Fred Kindle verlässt überraschend und per sofort den Industriekonzern. Kindle verlasse ABB aufgrund von «unüberbrückbaren Differenzen über die Führung des Unternehmens».

Der Verwaltungsrat hat Finanzchef Michel Demaré vorläufig zum Vorsitzenden der Konzernleitung ernannt, teilte ABB am Mittwoch mit. Die Suche nach einem Nachfolger für Fred Kindle habe «umgehend» begonnen.

Der Verwaltungsrat steht der Mitteilung zufolge «vollumfänglich hinter den strategischen Zielen, die im September 2007 bekannt gegeben wurden». Der VR sei davon überzeugt, dass die Konzernleitung die Strategie umsetzen kann.

Rekordergebnis für ABB

Gleichzeitig gab ABB einen ersten Einblick in das Ergebnis des vierten Quartals und des gesamten Geschäftsjahres 2007, das mit einem Rekordergebnis endete.

ABB steigerte 2007 den Umsatz auf 29,2 (Vorjahr: 24,4) Millarden Dollar und den Auftragseingang auf 34,3 (28,4) Millarden Dollar gesteigert. Der Betriebsgewinn erhöhte sich auf 4,0 (2,6) Millarden Dollar, womit sich die Betriebsgewinnmarge auf 13,8 Prozent(10,6%) weiter verbesserte. Der Reingewinn belief sich 3,8 (1,4) Millarden Dollar, was gegenüber dem Vorjahr deutlich mehr als einer Verdoppelung entspricht.

Im vierten Quartal wurde ein Umsatz von 8,7 (7,2) Milliarden Dollar erwirtschaftet und der Auftragseingang kam auf 8,9 (7,5) Millarden Dollar zu liegen. Der EBIT stieg auf 1,1 (0,7) Milliarden Dollar und der Reingewinn auf 1,8 (0,4) Millaraden Dollar. Die Betriebsgewinnmarge verbesserte sich im Schlussquartal auf 13,1 Prozent (10,4%). Der Anteil am Reingewinn aus dem Verkauf von Lummus belief sich auf 530 Millionen Dollar, 475 Millionen Dollar steuerte ein ausserordentlicher Steuereffekt bei.

Erwartungen teils übertroffen

Damit hat ABB die Erwartungen der Analysten teilweise übertroffen. Diese hatten mit einem Umsatz von 28,8 Mrd. Dollar und einem Betriebsgewinn von 4 Mrd. Dollar gerechnet. Den Reingewinn hatten sie auf 3,1 Mrd. Dollar geschätzt.

Die Analysten bezeichneten die Auftragslage von ABB als stark. Auch beim Umsatz habe der Konzern überzeugt.

Negativ beurteilten die Marktteilnehmer allerdings den sofortigen Rücktritt Kindles. Kindle habe sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks bei Investoren einen guten Ruf genossen. Auch die Kapitalrückführung an die Aktionäre scheint einigen Analysten zu wenig weit zu gehen.

Aktionäre nach Abgang Kindles verunsichert

Der abrupte Abgang von ABB-Konzernchef Fred Kindle hat am Mittwochmorgen einen Absturz des ABB-Aktienkurses ausgelöst. Der Titel wurde gleich zu Handelsbeginn 6,0 Prozent tiefer bewertet als am Vorabend und verlor in der Folge bis zu 8,0 Prozent an Wert. Nach einer Viertelstunde stand der ABB-Kurs mit 25,38 Franken weiterhin 7,5 Prozent tiefer.

Doppelte Dividende

Den Absturz der ABB-Aktie konnte auch die Nachricht verhindern, wonach die ABB-Aktionäre mit einem reichlichen Geldsegen bedacht werden: Die Dividende soll auf 0,48 Franken 0,24 Fr.) verdoppelt werden und es wird ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 2,2 Milliarden Franken lanciert.

(scc)

Deine Meinung