Aktualisiert 21.03.2006 15:16

ABB erneut im Visier der Justiz

Erneut Unruhe beim Technologiekonzern ABB: Diesmal geht es um Ermittlungen der brasilianischen Justizbehörde wegen möglicher Preisabsprachen.

ABB bestätigte am Dienstag die Ermittlungen. Betroffen sind mehrere ABB-Tochterfirmen. Der Konzern kooperiere mit den Behörden, erklärte ein Sprecher. Da es sich um ein laufendes Verfahren handle, könne ABB keine weiteren Kommentare abgeben. Laut ABB ermitteln die brasilianischen Behörden gegen eine Reihe von Ausrüstern für Stromversorgungsfirmen.

Bereits Anfang Februar hatte ABB einen Fall von möglichen Schmiergeldzahlungen publik gemacht und freiwillig die US-Behörden informiert. In diesem Fall von «verdächtigen Zahlungen» ist offenbar ein Land in Nahost betroffen. Zudem wurden auch solche Zahlungen bei Tochtergesellschaften in verschiedenen Ländern gemeldet.

Nulltoleranz

Der ABB-Konzern, der sich im Februar zu einer Nulltoleranz- Politik bekannte, war zuvor schon wegen anderer Unregelmässigkeiten in die Schlagzeilen geraten. Die Fälle kosteten den Konzern bereits Millionen von Dollar.

Im April 2005 etwa informierte der Elektronikkonzern über Fälle von Bestechung in der Höhe von 560 000 Dollar bei der Software- Tochter ABB Network Management in Texas. Im Zuge der internen Untersuchung kündigte ABB zwei Managern. Das Verfahren der US- Behörden ist noch hängig.

Aufsehenerregend war ein weiteres Bestechnungsverfahren in den USA: Im Juli 2004 gaben zwei ABB-Tochtergesellschaften zu, afrikanische und asiatische Regierungsvertreter zwischen 1998 und 2003 mit über 1,1 Mio. Dollar bestochen zu haben, um sich Aufträge zu sichern. ABB musste zur Strafe 10,5 Mio. Dollar zahlen und weitere 5,9 Mio. Dollar für rechtswidrige Gewinne abliefern.

Aktien geben nach

Auch bei einer ABB-Tochter in Italien wurden im Juni 2004 Unregelmässigkeiten festgestellt. Die EU-Kommission leitete Ermittlungen wegen Preisabsprachen im Geschäft mit gasisolierten Hochspannungsschaltungen (GIS) ein.

An der Schweizer Börse SWX geriet die ABB-Aktie am Dienstag unter Druck. Sie verlor zeitweise gegen 1,3 Prozent. Gegen 16 Uhr notierte der Titel um 0,6 Prozent schwächer auf 15.75 Franken. (sda)

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