ABB meldet «verdächtige Zahlungen»
Aktualisiert

ABB meldet «verdächtige Zahlungen»

Der Technologiekonzern ABB hat Schmiergeldzahlungen in einem Land in Nahost und weiteren Staaten aufgedeckt.

ABB informierte darüber freiwillig die Behörden, allerdings nicht in der schwedisch-schweizerischen Heimat, sondern in den USA.

Diese Woche habe ABB die US-Börsenaufsicht SEC und das US- Justizministerium über «verdächtige Zahlungen» orientiert. Diese seien nach internen Prüfungen bei ABB aufgedeckt worden, teilte der Konzern am Mittwoch mit.

Freiwillig habe ABB auch einige andere «verdächtige Zahlungen» bei Tochtergesellschaften in verschiedenen Ländern gemeldet. Genauere Angaben machte das Unternehmen nicht, da es sich um ein laufendes Verfahren handle.

Gegen mehrere Mitarbeiter seien disziplinarische Ermittlungen eingeleitet worden. ABB-Sprecher Thomas Schmidt betonte aber, in die Vorfälle sei niemand aus der Konzernführung von ABB in Zürich involviert.

Bussen drohen

ABB habe die Vorfälle erst vor kurzem entdeckt und umgehend die Behörden informiert. Konzernchef Fred Kindle sagte, ABB verfolge eine Nulltoleranz-Politik. Das Unternehmen wolle bei den Untersuchungen mit den US-Behörden kooperieren.

Die gemeldeten Vorfälle seien «sehr bedauerlich» und zeigten weiteren Handlungsbedarf. ABB werde die internen Untersuchungen fortführen und prüfen, ob die unternehmenseigenen Regeln und Standards eingehalten worden seien.

Die Zahlungen verstiessen eventuell gegen die amerikanischen Anti-Korruptionsgesetze, die auch Vergehen im Ausland ahnden, oder andere Gesetze. Das könnte für ABB sowohl finanzielle Folgen in Form von Bussen und weiteren Kosten als auch geschäftsbezogene Konsequenzen haben.

Unregelmässigkeiten schon früher

ABB ist schon verschiedentlich wegen Unregelmässigkeiten in die Schlagzeilen geraten. Die Fälle kosteten den Konzern bereits Millionen von Dollar.

Im vergangenen April etwa informierte der Elektronikkonzern über Fälle von Bestechung in der Höhe von 560 000 Dollar bei der Software-Tochter ABB Network Management in Texas. Im Zuge der internen Untersuchung kündigte ABB zwei Managern. Das Verfahren der US-Behörden ist noch hängig.

Aufsehenerregend war ein weiteres Bestechnungsverfahren in den USA: Im Juli 2004 gaben zwei ABB-Tochtergesellschaften zu, afrikanische und asiatische Regierungsvertreter zwischen 1998 und 2003 mit über 1,1 Mio. Dollar bestochen zu haben, um sich Aufträge zu sichern. ABB musste zur Strafe 10,5 Mio. Dollar zahlen und weitere 5,9 Mio. Dollar für rechtswidrige Gewinne abliefern.

Auch bei einer ABB-Tochter in Italien wurden im Juni 2004 Unregelmässigkeiten festgestellt. Die EU-Kommission leitete Ermittlungen wegen Preisabsprachen im Geschäft mit gasisolierten Hochspannungsschaltungen (GIS) ein.

ABB-Aktien unter Druck

An der Schweizer Börse SWX geriet die ABB-Aktie am Mittwoch unter Druck. Sie verlor zeitweise um über zwei Prozent. Gegen 16 Uhr notierte der Titel 1,8 Prozent schwächer auf 13.85 Franken.

Händler rechneten mit Strafzahlungen im tiefen zweistelligen Millionenbereich. Dabei könne sich positiv auswirken, dass ABB die «verdächtigen Zahlungen» freiwillig gemeldet habe.

(sda)

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