Abbé Pierre ist tot
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Abbé Pierre ist tot

Der französische Armenpriester Abbé Pierre ist tot. Er starb in der Nacht auf heute 94-jährig in einem Pariser Spital an den Folgen einer Lungenentzündung.

Abbé Pierre hatte sich seit dem Zweiten Weltkrieg als Wohltäter einen Namen gemacht. Ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückte er erstmals im Winter 1953/54, als er zornig und eindringlich über das Schicksal der an der Seine erfrorenen Clochards sprach.

Damit löste er eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Dieser «Aufstand der Güte» war in Frankreich das erste Beispiel einer gross angelegten humanitären Aktion mit Unterstützung der Medien.

Später wurde der kleingewachsene, schmale Mann mit dem weissen Bart in Frankreich fast wie ein Heiliger verehrt. Zuletzt zeichnete ihn Präsident Jacques Chirac im April 2001 mit dem Orden eines Offiziers der Ehrenlegion aus.

Zum 50-jährigen Bestehen der von ihm gegründeten Emmaus-Bewegung verlangte Abbé Pierre 1999 mehr Gerechtigkeit in der Welt. Jeder Mensch müsse «in seinem Viertel, seinem Betrieb, seiner Schule oder seiner Partei einen Beitrag für eine gerechtere und brüderlichere Welt leisten».

Die «Emmaus»-Bewegung, die er als sein Lebenswerk betrachtete, hat Abbé Pierre 1949 in der Pariser Vorstadt Neuilly-sur-Seine ins Leben gerufen. Der Name stammt von dem biblischen Ort bei Jerusalem, wo die verzweifelten Jünger Jesu nach dessen Tod Zuflucht suchten.

Die «Emmaus»-Gesellschaft ist heute mit über 300 Gruppen in mehr als 40 Ländern zu einem weltumspannendem Netz geworden. Sie verkaufen gebrauchte Möbel kostengünstig und verwalten Sozialwohnungen. (sda)

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