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Aus Obamas Liebesleben«Aber da ist auch diese Kühle ...»

Erstmals gewährt eine Ex-Freundin von Barack Obama Einblick in ihre Liebschaft zum heutigen US-Präsidenten. Die «sexuelle Wärme» war vorhanden, ansonsten aber blieb er auf Distanz.

von
pbl
Undatierte Aufnahme von Barack Obama aus seiner Zeit als Student an der New Yorker Columbia-Universität.

Undatierte Aufnahme von Barack Obama aus seiner Zeit als Student an der New Yorker Columbia-Universität.

Über das frühere Liebesleben von Barack Obama war bislang wenig bekannt. In seinen Memoiren «Ein amerikanischer Traum. Die Geschichte meiner Familie» äusserte er sich vage über «eine Frau in New York, die ich liebte». Es handle sich «um ein Mischwesen aus mehreren Freundinnen», sagte der Präsident in einem Interview mit dem «Washington Post»-Journalisten David Maraniss für dessen Biographie «Barack Obama: The Story», die im Juni erscheinen wird und aus der das Magazin «Vanity Fair» in seiner aktuellen Ausgabe Auszüge veröffentlicht hat.

Mit einer jener Freundinnen hatte Obama laut Maraniss «die tiefste romantische Beziehung seines jungen Lebens». Es handelte sich um Genevieve Cook, eine Diplomatentochter aus Australien. Sie begegneten sich 1983 an einer Weihnachtsparty im New Yorker East Village. Der 22-jährige Obama studierte an der renommierten Columbia-Universität, die 25-jährige Cook arbeitete als Lehrerin. Schnell fanden sie eine Gemeinsamkeit: Beide hatten einen Teil ihrer Kindheit in Indonesien verbracht, und das erst noch praktisch zur gleichen Zeit.

Vieles unter der Oberfläche

Ihre 17 Monate dauernde Beziehung hielt Genevieve Cook in einem Tagebuch fest, das sie David Maraniss für sein Buch zur Verfügung stellte. Sie schildert darin ein sehr ambivalentes Verhältnis: «Die sexuelle Wärme ist definitiv vorhanden – aber der Rest hat scharfe Kanten.» Er spreche süsse Worte und könne offen und vertrauensvoll sein, «aber da ist auch diese Kühle». Später schrieb sie: «Barack fasziniert mich noch immer, aber so vieles findet unter der Oberfläche statt, ausserhalb meiner Reichweite. Beschützt, kontrolliert.»

Obama und Cook zogen Ende 1984 zusammen, doch es funktionierte nicht wirklich. Sie hätten Mühe gehabt, sich aneinander zu gewöhnen, «und sei es nur wegen der Frage, wer das Frühstücks-Geschirr abwäscht». Im März 1985 bezogen beide eine eigene Wohnung, zwei Monate später war alles vorbei. Rückblickend zog Cook ein fast schon prophetisches Fazit: «Ich frage mich, ob Baracks Reserviertheit nicht nur temporär ist.» Sie könne ihm auch dann noch Probleme bereiten, wenn er älter und erfahrener sei. Tatsächlich wird dem heutigen Präsidenten Obama häufig vorgeworfen, er sei kühl und abgehoben.

Die schwarze Lady wartet irgendwo

Für seine Ex-Freundin war klar, dass sie «nicht die Person war, in die er sich verlieben konnte (diese schlanke, lebendige, starke schwarze Lady wartet irgendwo!)» Barack Obama, der Sohn einer weissen Mutter und eines schwarzen Vaters, befand sich in den frühen 80er Jahren in einer Identitätskrise:«Es war für mich offensichtlich, dass er ein Schwarzer werden musste», schrieb die weisse Australierin. Folglich brauche er «eine sehr starke, sehr integre Frau, eine Kämpferin, humorvoll, sehr erfahren – ich stelle sie mir als schwarze Frau vor.»

Es dauerte noch vier Jahre, bis der damalige Jus-Student und Praktikant Barack Obama in einer Anwaltskanzlei in seiner neuen Heimat Chicago einer brillanten Juristin namens Michelle Robinson unterstellt wurde. And the rest is history, wie der Amerikaner in solchen Fällen zu sagen pflegt.

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