Selbstanzeigeprogramm verlängert: Abertausende Steuersünder melden sich

Aktualisiert

Selbstanzeigeprogramm verlängertAbertausende Steuersünder melden sich

Das US-Steueramt Internal Revenue Service (IRS) hält seine Tore einen Monat länger offen als geplant. Die Flut von Selbstanzeigen von UBS-Kunden muss entsprechend gross sein. US-Steueranwälte in Amerika sprechen von 10 000 bis 20 000 Namen, welche damit bekannt würden.

von
Lukas Hässig

Die Frist wäre diesen Mittwoch abgelaufen. Nun will sie der IRS um einen Monat verlängern. Es würden sich viele amerikanische Steuerpflichtige mit nicht deklarierten Vermögen im Ausland melden, sagte ein IRS-Sprecher übers Wochenende zur Zusatzrunde.

Ein halbes Jahr lang - bis zum 23. September - hatten die amerikanischen UBS-Kunden Zeit, ihre Steuersünden beim IRS zu beichten. Zuerst liessen viele einiges an Zeit ins Land streichen. Erst die Explosion vom 19. August schreckte sie auf: Als die Schweiz den USA versprach, 4450 Namen von US-Steuerdelinquenten auszuhändigen, brach Hektik und Nervosität aus.

Alle rennen zum IRS

«Seit dem Deal vom 19. August erleben wir eine riesige Welle», sagt US-Steueranwalt Bill Sharp, der viele betroffene UBS-Kunden ins sogenannte Voluntary Disclosure Programm des IRS begleitet, wo sich diese outen müssen. «Die Kanzlei leistete Sonderschichten übers Weekend.» Sharp rechnet mit 10 000 bis 20 000 Meldungen.

Die Frist-Verlängerung passt zur bisherigen Strategie der Amerikaner. Denn im UBS-Steuerkonflikt arbeiteten die USA von Anfang an mit Zuckerbrot und Peitsche. Der Grossbank drohten sie mit einer Anklage als kriminelle Organisation. Und eine erste Handvoll nicht geständiger Kunden zerrten die Ermittler vor den Strafrichter. Bis zu 150 könnten eine Gefängnisstrafe kriegen.

Auch gegen einzelne Schweizer Banker und Hilfspersonen zeigten sich die USA unerbittlich und klagten kürzlich einen Anwalt, einen Privatbanker und einen Chef der UBS an.

Don't mess with taxes

All das war vor allem Mittel zum Zweck. Denn seit Ausbruch des Konflikts ging es den Amerikanern vor allem um eines: Sie wollten die Namen möglichst vieler Steuerflüchtigen erhalten. Mit ein paar Schauprozessen und einer Welle von Selbstanzeigen können die Behörden nun das gewünschte Signal aussenden. Dem Staat die Steuern vorenthalten lohnt sich nicht. «Don't mess with taxes», lautet die neue Erkenntnis.

Mit dem Rush auf das freiwillige Meldeprogramm scheinen die USA ihr Ziel zu erreichen. Sollten sie zuletzt tatsächlich rund 20 000 Namen von involvierten UBS-Kunden erhalten, wäre das ein gigantischer Erfolg. Die Zahl käme nahe an die Hälfte der früher genannten nicht deklarierten 52 000 Konti, welche US-Bürger bei der UBS hielten. Und sollte es sich bei den Geständigen um besonders Vermögende handeln, hätte sich der Fischzug für den IRS erst recht gelohnt.

Steueranwalt Bill Sharp rechnet jedenfalls damit, dass bis zu 80 Prozent der rund 20 Milliarden Dollar, die einst auf UBS-Konti lagen, bei den Behörden gemeldet würden. Die Folgen trüge die Schweiz. «Formell konnte die Regierung das Bankgeheimnis wahren, aber die Ausnahmen nehmen ein riesiges Ausmass an. Und das ist eine Einladung für die Deutschen, Engländer, Franzosen und weitere, um die Schweiz ebenfalls zu attackieren.»

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